Rätselraten über vier tote Säuglinge

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Berlin - Nach dem grauenhaften Fund von vier Babyleichen in Berlin tappt die Polizei noch immer im Dunkeln.

“Derzeit steht im Vordergrund, erst mal zu klären, wie sind die Säuglinge zu Tode gekommen, wenn sie denn überhaupt lebend geboren worden sind“, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Freitag. Dazu müsse das endgültige Ergebnis der Obduktion abgewartet werden. Einen Termin dafür konnte er nicht nennen.

Er bestätigte, dass der Entdecker der Leichen der Freund der mutmaßlichen 46-jährigen Mutter war. Diese hatte sich Ende Juli mit einem Sprung aus dem zwölften Stock eines Hochhauses im Stadtteil Charlottenburg ums Leben gebracht. Der 49-Jährige hatte am Mittwoch bei der Wohnungsauflösung die Leichenteile der Babys gefunden und sie auf eine Polizeiwache gebracht. Sie waren in einem Hocker verborgen, wie Steltner bestätigte. Ob es sich bei dem Fall um ein Verbrechen handelt, konnte Steltner nicht sagen.

Gerüchte über verschmähte Liebe

Die Wohnung liegt in einem 17-geschossigen Hochhaus aus den 70er Jahren. Eine Angestellte eines Backshops gegenüber berichtete der AP über Gerüchte, wonach die mutmaßliche Mutter aus verschmähter Liebe aus einem Fenster des Hauses gesprungen sei. Eine in der Nachbarschaft angesiedelte Friseurin sagte, es handele sich bei dem Mann um einen Anwalt aus Potsdam, der wohl auch Mieter der Wohnung sei. Die Frau habe wohl eine Affäre mit ihm gehabt, die er beendet habe, weil er zu seiner Familie zurückkehren wollte. Es werde auch erzählt, dass die 46-Jährige Krebs gehabt habe. Ein Polizeisprecher sagte, sie habe allein in der Wohnung gelebt.

Berichte, nach denen die Frau bei ihrem Todessprung im neunten Monat schwanger gewesen sei, wollte Steltner mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen nicht bestätigen. Die Bild“-Zeitung berichtete, die Frau stamme aus Mecklenburg-Vorpommern und habe erst seit Herbst letzten Jahres in der Wohnung gelebt. Eventuell seien die Säuglingen woanders gestorben. Verschiedenen Berichten zufolge könnten die toten Kinder zunächst in einem Tiefkühlfach aufbewahrt worden sein. Deshalb habe es im Haus auch nicht gerochen.

Immer wieder ähnliche Fälle

Dass Frauen ihre Babys direkt nach der Geburt töten und die Leichen zum Teil jahrelang versteckt haben, geschieht immer wieder. Rund 30 Fälle werden laut Berichten jedes Jahr bekannt, Experten gehen aber von einer höheren Dunkelziffer aus. Der jetzige Fall erinnert an den in der brandenburgischen Ortschaft Brieskow-Finkenheerd, wo 2005 die Leichen von neun Babys in mit Blumenerde gefüllten Gefäßen entdeckt wurden. Die Mutter der Kinder hatte ihrem Ehemann die Schwangerschaften zwischen 1988 und 1998 verheimlicht und die Neugeborenen unversorgt sterben lassen. Zuletzt hatte im Mai ein Fall für Aufsehen gesorgt, als ein totes Baby in einer Tiefkühltruhe in Erfurt entdeckt wurde.

ap

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