Portrait: Horst Köhler

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Der wiedergewählte Bundespräsident Horst Köhler.

Berlin - Horst Köhler ließ sich nicht anmerken, ob er insgeheim vielleicht doch Wahlkampf betrieb. Er führte in den vergangenen Wochen einfach die Geschäfte des Bundespräsidenten. Am 30. Juni endet seine erste fünfjährige Amtszeit.

Bei seiner Wahl 2004 kündigte Köhler an: "Ich möchte Bundespräsident aller Deutschen sein, und ein Präsident für alle Menschen, die hier leben." Folgt man den Umfragen über die Beliebtheit von Politikern, hat er das Versprechen eingelöst. Mit Köhler kam erstmals ein Nicht-Politiker ins höchste Staatsamt, der über kein eigenes Netzwerk verfügt, was ihn manchmal im Berliner Politikbetrieb fremdeln ließ. Dass er 2004 nominiert wurde, war Teil eines strategischen Plans. Bei Bundespräsidentenwahlen geht es immer auch um die politische Macht im Lande. Als die Vorsitzenden von CDU und FDP, Angela Merkel und Guido Westerwelle, den damals weithin unbekannten Köhler nominierten, spekulierten sie ganz klar auf eine schwarz-gelbe Koalition nach der Bundestagswahl. Köhler kam ins Amt, aber die Koalitionspläne gingen nicht auf.

Der 1981 in die CDU eingetretene Köhler war nie Parteimensch. "Parteipolitische Konstellationen spielen für mich keine große Rolle." Auch wenn es für seine Kritiker den Anschein hatte, agierte er im Schloss Bellevue nicht als Statthalter der Union. Mit öffentlichen Einlassungen zur Tagespolitik - und wenn er, was zweimal geschah, Gesetze nicht unterschrieb - verärgerte er auch Unions- Politiker. Dass der jetzt 66-Jährige, der mit seiner Frau Eva Luise zwei Kinder hat, einmal erster Mann im Staate werden würde, war nicht abzusehen und verlief ohne sein Zutun. Köhler wurde am 22. Februar 1943 im damals von deutschen Truppen besetzten polnischen Skierbieszow geboren.

Die Familie floh vor der Roten Armee, kam ins schwäbische Ludwigsburg. In Tübingen studierte Köhler Wirtschaft, promovierte, ging nach Bonn, stieg im Bundesfinanzministerium auf bis zum Staatssekretär. 1992 wechselte er an die Spitze des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, später zur Osteuropabank in London und im Mai 2000 als Direktor zum Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington, einer Schaltstelle der globalen Finanzwelt.

Über sich hat Köhler einmal gesagt: "Ich bin ein ungeduldiger Mensch." Man merkte ihm an, dass er etwas bewegen wollte - auch wenn er erkennen musste, dass ihm das Amt enge Grenzen zieht. Er mahnte immer wieder Reformen an und lobte die umstrittene "Agenda 2010" des SPD-Kanzlers Gerhard Schröder. Einen Mentalitätswechsel brauche das Land, forderte er zu Beginn seiner Amtszeit. Ob der eingetreten ist, ist zweifelhaft. Aber die tiefe Finanz- und Wirtschaftskrise könnte nun dazu führen. Köhler, der frühere Finanzmanager, hat seine Lehren gezogen. Seine Kritiker sahen lange Zeit in ihm einen Vertreter des neoliberalen Zeitgeists. Doch seine öffentlichen Äußerungen belegten eine andere Sicht.

In seiner letzten "Berliner Rede" am 24. März prangerte er die schrankenlose Freiheit der Finanzmärkte an und trat für einen starken Staat ein, der dem Markt Regeln setzt. Schon als Chef des von Globalisierungskritikern oft geschmähten IWF gewann er eine andere Sicht der Welt. Eine neue Finanzordnung, umweltverträgliches Wirtschaften, Bekämpfung der Armut, das sind einige Stichworte, die sich in vielen Reden wiederfinden. Dazu haben auch zahlreiche Afrika-Reisen beigetragen. "Für mich entscheidet sich die Menschlichkeit unserer Welt am Schicksal Afrikas", sagte Köhler bereits in seiner Antrittsrede.

dpa

Quelle: rosenheim24.de

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