S-Bahn-Chaos: Schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn

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Am Dienstag fuhren die Züge nach Zufallsprinzip.

Berlin - Das Staatsunternehmen kommt nach Ansicht des Bundesverkehrsministeriums seiner Verantwortung nicht nach, einen funktionierenden Verkehr der Berliner S-Bahn zu gewährleisten.

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Bei einer Aufsichtsratssitzung der Bahn AG am Mittwoch fragte der Vertreter der Bundesregierung, Staatssekretär Achim Großmann, nach Angaben von Ministeriumssprecher Rainer Lingenthal, wann in Berlin “wieder Zustände herrschen, die der westlichen Zivilisation angemessen sind - zumindest im Verkehr“. Der Bahnvorstand selbst nahm nach der Aufsichtsratssitzung keine Stellung zu den Vorwürfen des Ministeriums. Das Chaos dauerte am Mittwoch an.

Ein Bahnsprecher erklärte, der Notfahrplan funktioniere “stabiler als gestern, aber auf sehr niedrigem Niveau“. Am Dienstag waren die wenigen einsetzbaren Züge nach dem Zufallsprinzip gefahren. Am Mittwoch blieben zahlreiche Strecken und Bahnhöfe gesperrt, es fuhren 160 von rund 650 Zügen. Die S-Bahn konnte weder einen Zeitpunkt für das Ende des Ausfalls nennen, noch Zeitrahmen für Überprüfung und Austausch der Bremszylinder, deren Defekt bei einzelnen Wagen die vorübergehende Stilllegung der Flotte ausgelöst hatte.

Verstöße gegen Richtlinien eingeräumt

Der Bahnsprecher räumte “Verstöße gegen die Wartungs- und Instandhaltungsrichtlinien der Berliner S-Bahn“ als Ursache ein. Warum es dazu gekommen sei und wer die Verantwortung dafür trage, stehe noch nicht fest und werde untersucht, sagte er. Die Gewerkschaft Transnet beantragte eine Sondersitzung des S-Bahn-Aufsichtsrats für Ende September. Das Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter der DB AG . “Eine Reorganisation der gesamten Instandhaltung ist nötig“, verlangte Gewerkschafts-Vorstand Reiner Bieck. Lingenthal wies darauf hin, dass die Bahn AG die Verantwortung dafür trage, dass der Schienenverkehr in Deutschland , also auch in Berlin , funktioniert.

“Die Bahn wird offensichtlich ihrer Verantwortung nicht gerecht, dass der Verkehr in Deutschland sichergestellt wird.“ Das Ministerium erwarte einen Strategiewechsel, dass solche Fragen wieder in Zentrum der Bemühungen der Bahn rückten. Der Sprecher wandte sich gegen Schlussfolgerungen, dass das Fehlverhalten in der geplanten Privatisierung der Bahn begründet sei. Eine Privatisierung an sich bedinge nicht, dass die “verkehrspolitische Verantwortung eines Unternehmens nicht gewahrt wird“. Als Gegenbeispiele nannte er Deutsche Post und Telekom. Da gebe es zwar “Schwächen, aber nicht in diesem Ausmaß“.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Peter Hettlich, der auch im Verkehrsausschuss sitzt, forderte laut “B.Z.“-Vorabmeldung “die Stadt Berlin auf, die Bahn wegen krimineller Fahrlässigkeit zu verklagen“. Der scheidende Vorsitzende des Gremiums, Klaus Lippold (CDU), schlug dem Ausschuss vor, nach der Wahl einen Bericht anzufordern.

AP

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