Sexueller Missbrauch: Mehr als 100 Fälle am Canisius-Kolleg

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Der Direktor des Canisius-Kolleg, Pater Klaus Mertes, äußerte sich am Donnerstag zu den Missbrauchsfällen.

Berlin/Hildesheim - Der Missbrauchskandal an katholischen Schulen in der Bundesrepublik nimmt immer größere Ausmaße an: In Berlin sind es bereits mehr als 100 Fälle.

Am katholischen Canisius-Gymnasium in Berlin sind wesentlich mehr Schüler sexuell missbraucht worden als bisher bekannt. “Es sind inzwischen über 100 Fälle, die sich am Canisius- Kolleg oder bei mir gemeldet haben“, sagte die vom Jesuiten-Orden mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragte Berliner Rechtsanwältin Ursula Raue am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Darunter seien Opfer, die mit Namen oder anonym Angaben machten. Sie wolle versuchen, noch in dieser Woche einen Zwischenbericht vorzulegen, sagte Raue. Was sie darin vorschlage, wolle sie vorher nicht öffentlich bekanntgeben.

Entschädigung der Opfer

Zum Punkt möglicher finanzieller Entschädigungen der Opfer sagte der Sprecher, der Orden warte ab, was die Opfer dazu zu sagen hätten. “Für uns ist entscheidend, welche Erwartungen die Opfer an uns formulieren. Wir wollen nicht vorgeben, was wir für richtig für die Opfer hielten“, sagte Busch. Vielleicht legten die Betroffenen auf anderes Wert als auf Worte der Entschuldigung oder die Konfrontation der Täter mit dem Missbrauch. “Dann werden wir über alles sprechen.“

Doch der Orden könne nicht von vornherein einen Blankoscheck ausstellen, sagte Busch. Er erwarte nicht, dass die deutschen Missbrauchsfälle am Dienstag oder Mittwoch in Rom zur Sprache kommen. Im Vatikan haben zweitägige Krisengespräche zum Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in Irland begonnen. Dort waren tausende Heimkinder bis in die 90er Jahre von Geistlichen gequält und vergewaltigt worden. “Der Vatikan beschäftigt sich dann mit solchen Fällen, wenn sämtliche Fakten geklärt sind“, sagte der Jesuiten-Sprecher. So weit sei man noch nicht, da noch nicht mal der Zwischenbericht vorliege.

Missbrauchsskandal in ganz Deutschland weitet sich aus

Auch im Bistum Hildesheim gibt es neue Hinweise auf Missbrauchsfälle. Die Fälle, in denen sich Geistliche an Jugendlichen vergangen haben sollen, liegen teilweise bis zu 50 Jahre zurück.

Ein Teil davon betreffe die beiden Jesuitenpater, die bereits für etliche Missbrauchsfälle in Deutschland verantwortlich gemacht werden, teilte das Bistum am Montag mit.

Fünf Opferberichte beziehen sich auf inzwischen gestorbene Priester, ein weiteres mögliches Opfer beschwerte sich über einen schon lange im Ruhestand lebenden Priester. “Wir werden helfen und Beistand gewähren, wo wir können“, erklärte Domkapitular Heinz-Günter Bongartz.

dpa

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