Prozessurteil: Guido N. verhöhnte Opfer

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Bis zum Schluss verhöhnte Guido N. die Opfer.

Leipzig/Groitzsch/Kraiburg - Guido N. wurde nun wegen dreifachen Mordes von der ersten Strafkammer des Landgerichtes Leipzig zu einer lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt.

Zudem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass N. im April 2009 und August 2010 drei Schrottdiebe in Groitzsch (Landkreis Leipzig) bewusst durch Schüsse aus seinem Revolver getötet hat. "Alle drei Morde wurden mit Heimtücke und aus niederen Beweggründen begangen", begründete der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf das Urteil, das auf den Tag genau zwei Jahre nach den Schüssen auf das erste Opfer gesprochen wurde.

Mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld kann "frühestens im Jahr 2030", so Jagenlauf, ein Vollstreckungsgericht prüfen, ob die Fortdauer der Strafe auf Bewährung ausgesetzt werden darf. Eine Haftentlassung nach 15 Jahren ist ausgeschlossen. Mit dem Urteil folgte die Kammer dem Antrag der Staatsanwaltschaft in einem Punkt nicht: die Sicherungsverwahrung wurde nicht, wie von Oberstaatsanwältin Claudia Laube gefordert, angeordnet.

In der Urteilsbegründung, während der der Verurteilte in lautes Schluchzen ausbrach, sagte Jagenlauf: "Das Allerungewöhnlichste" in einem Prozess mit vielen Merkwürdigkeiten, "war das Verhalten des Angeklagten." Wie sich N. in der Verhandlung gegeben hat, "war auch für die Kammer ungewöhnlich und erschreckend", so der Vorsitzende.

Bis zum Schluss den Opfern die Schuld zu geben, dabei den Angehörigen die Hand zur Versöhnung zu reichen und zu bedauern, nie wieder zur Jagd gehen zu können, "kommt der Verhöhnung der Opfer gleich", so Jagenlauf.

Die Schärfe, mit der gestern die erste Strafkammer des Landgerichtes Leipzig urteilte, hatte der 41-Jährige offenbar nicht erwartet - er brach im Gerichtssaal zusammen.

Der Vater von Patrick B. (19), der mit seinem Kumpel Denis H. (23) im August 2010 auf dem Groitzscher Grundstück des bis dahin nicht vorbestraften Hobbyjägers durch Schüsse aus der großkalibrigen Waffe zu Tode kam, sagte nach der Urteilssprechung: "Ich kann nicht sagen, ob ich jetzt Genugtuung verspüre. Ich denke, die Aufarbeitung des Geschehenen und des Prozesses fängt jetzt erst richtig an", sagte Maik B. gegenüber dieser Zeitung. Er und seine Frau sowie Angehörige der weiteren Opfer hatten jeden Prozesstag im Gericht verfolgt.

Mit der Entscheidung gegen die Sicherungsverwahrung stützte sich das Gericht auf den Ausführungen des Forensikers Leygraf, der auf eine Wiederholungsgefahr hingewiesen hatte, beim Angeklagten aber "keinen Hang zur Ausübung von Straftaten" feststellen konnte.

"Die Frage nach der Sicherungsverwahrung war bei der Urteilsfindung die problematischste", so Jagenlauf. Im Fall des 41-Jährigen bedeute das Urteil aber, "dass Herr N. tatsächlich sein Leben lang im Gefängnis verbringen wird", so der Kammervorsitzende.

Durch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld sei es frühestens 2030 möglich zu prüfen, ob N. die Haftfortdauer auf Bewährung verbüßen kann. Jagenlauf: "Das ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich."

Thomas Lieb (Mühldorfer Anzeiger)

Quelle: rosenheim24.de

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