Krankenkassen: Jetzt wird‘s noch teurer!

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Zusatzbeiträge für die Krankenkasse auf breiter Front befürchtet.

Berlin - Millionen Kassenpatienten müssen im kommenden Jahr höhere Kosten fürchten. Zu erwarten seien Zusatzbeiträge “im großen Maße“, sagte die Vorsitzende des Spitzenverbandes der Krankenversicherung, Doris Pfeiffer.

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Die finanzielle Lage der gesetzlichen Kassen sei weiter kritisch. Die SPD macht dafür auch die neue Bundesregierung verantwortlich, weil sie kein Sparpaket zulasten von Pharmaindustrie, Ärzten oder Krankenhäusern plant. Den Kassen werden nach offizieller Schätzung 2010 rund 7,5 Milliarden Euro fehlen. Etwa 3,9 Milliarden Euro davon will der Bund über einen zusätzlichen Zuschuss decken. Das verbleibende Milliardendefizit könnte rein rechnerisch zu einem Zusatzbetrag von sechs Euro je Mitglied führen. Allerdings ist die Finanzlage einzelner Kassen unterschiedlich.

Mehr Wettbewerb gefordert

Pfeiffer warf der schwarz-gelben Bundesregierung und dem neuen Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) vor, die falschen Schwerpunkte zu setzen: “Die Prioritäten stimmen nicht.“ Zwar sei es richtig, sich Gedanken über das Beitragssystem zu machen. Jetzt müsse es aber vor allem darum gehen, den Ausgabenanstieg zu bremsen. “Es kann doch nicht sein, dass die Bürger, die um ihren Arbeitsplatz bangen, immer öfter zur Kasse gebeten werden, die Einnahmen von Ärzten, Krankenhäusern und der Pharmaindustrie aber ungebremst weiter steigen.“ Pfeiffer forderte mehr Wettbewerb im Apothekensektor und eine Preisregulierung für neuartige, fast immer sehr teure Arzneimittel: “Wir müssen endlich die Kosten in den Griff bekommen, ohne Abstriche bei der Versorgung zu machen.“

Fehlende Sparvorgaben der neuen Regierung kritisierte auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Die Kosten stiegen weiter ungebremst, sagte er bei n-tv. “Der Minister ist noch nicht lange im Amt, aber das war der erste Fehler.“ Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn wies den Vorwurf zurück. “Selbstverständlich werden wir uns auch intensiv um die Ausgabenseite kümmern und Sparpotenziale ausloten“, erklärte er in Berlin. “Aber bei manchem Krankenkassenfunktionär würde ich mir wünschen, dass er die bestehenden Möglichkeiten, Kosten zu sparen, etwa über Vertragsverhandlungen stärker aktiv nützt.“ Sie dürften nicht von der eigenen Verantwortung ablenken.

Finanzentwicklung dieses Jahr besser als erwartet

In diesem Jahr entwickeln sich die Finanzen des Kassen etwas besser als erwartet, weil die Konjunktur nicht ganz so stark eingebrochen. Nach Angaben von Pfeiffer wird die Krankenversicherung bis Jahresende voraussichtlich in der Lage sein, das vom Bund gewährte Liquiditätsdarlehen zur Deckung von Beitragsausfällen zurückzuzahlen. Unter dem Strich wird die Krankenversicherung dieses Jahr jedoch mit einem Defizit von rund 2,3 Milliarden Euro abschließen: “Wir können keine Entwarnung geben“, sagte Pfeiffer.

AP

Quelle: rosenheim24.de

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