Zurück im zivilen Leben

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Hat die Schlacht hinter sich: der Hiasl.

Neumarkt-St. Veit - Anstrengende 34 Tage liegen hinter Hanjo Hellfeuer - alias der bayerische Hiasl - und seiner 23-köpfigen Räuberbande. Dennoch zieht er eine erfreuliche Bilanz.

Hanjo Hellfeuer, der als bayerischer Hiasl mit seinen 23 aktiven Räubern 34 Tage lang im oberen Rottal und darüber hinaus Ämter, Fabriken und Veranstaltungen überfiel und dafür am Faschingssonntag guillotiniert wurde, zieht eine erfreuliche Bilanz.

Von diesem Räubertheater werden die Neumarkter noch lange reden. Die Geschichte des Räubers Matthäus Klostermaier (1736 bis 1771), die alle 25 Jahre in der Rottstadt als Freilichtstück zur Aufführung gelangt, soll ja schon Friedrich Schiller für dessen "Räuber" als Vorlage gedient haben. Für die Bande war es ein straffes Programm: "In den 33 Tagen hatten wir 55 Einsätze. Auf meine 23 Räuber - darunter zwei Räuberbräute - konnte ich mich jederzeit verlassen. Jeder nahm sich in seiner Firma 13 Tage Urlaub, denn alle mussten rund um die Uhr verfügbar sein. Dadurch ist eine Freundschaft entstanden, die jetzt nach meiner grausamen Hinrichtung wohl noch lange anhalten wird."

Die Bande war Tag und Nacht unterwegs. Wenn eine Firma überfallen wurde, dann mussten die Chefs das entführte Personal freikaufen. "Hier zeigten sich alle Chefs durchaus großzügig", erklärt Hellfeuer. "Sie haben oft höhere Lösegelder bezahlt, als wir verlangten, denn etliche Entführungsopfer wären viel lieber bei uns geblieben. Manchen mussten wir zum Heimgehen Hilfestellungen geben."

Selbst den Bürgermeister und die Stadträte blamierte die Bande, denn das Rathaus war ungenügend geschützt. "Der Bürgermeister bezahlte für seine erfolglose Verteidigung der Stadtkasse mit seinem Blut. Und die Stadträte selbst mussten beim Heimgehen auch nicht mehr das ganze Sitzungsgeld tragen."

Auf Faschingsbällen entführte die Räuberbande die Damen der geldschweren Prominenten. "Das glaubt keiner, wie viele Politiker und Kaufleute uns Futtergeld anboten, wenn wir ihre Ehefrauen bis Aschermittwoch behielten. Diese wiederum genossen ihre Entführung, denn alle Geiseln wurden von uns vorbildlich versorgt. Da bekamen die Ehemänner doch Angst und lösten ihre Gattinnen lieber aus."

Eine gewichtige Münze bei Lösegeldverhandlungen waren die Goaßmassn. "Meine Räuber wussten, was für sie auf dem Spiel stand. Sie tranken deshalb mit Maßen. Kein Maß dagegen kannte manche Geisel."

Der bayerische Hiasl ist auch als Wohltäter bekannt. "Am Faschingsfreitag mussten wir vier Überfälle bestehen, damit wir die beiden Kindergärten versorgen konnten. Dafür wurden wir herzlich empfangen. Wenn allerdings manche weibliche Geisel auf Faschingsbällen nach der "Vergenusswurzel" fragte, so wollten wir da nicht dienen. Obwohl aus dem Redaktionsgebäude der Lokalzeitung nach unserem Überfall weiblicherseits Beschwerde geführt wurde, weil keine derartigen Übergriffe stattgefunden hätten." Nun sind die Räuber zurück im zivilen Leben: "Wir sind froh, dass alle Neumarkter so mitgemacht haben und dass alles ohne Probleme über die Bühne gegangen ist."

nz/Neumarkter Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

Zurück zur Übersicht: InnSalzach

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser