Problematischer Trend

Studentenwerk: Zu wenig Wohnraum in Uni-Städten

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Berlin - Nur knapp jeder zehnte der fast 2,8 Millionen Studenten in Deutschland kommt in einem staatlich geförderten preisgünstigen Wohnheim unter. Und diese Quote wird immer niedriger - ein problematischer Trend.

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) warnt vor einer Zuspitzung des Wohnungsmangels vor allem in Großstädten und an attraktiven Universitätsstandorten. Dort träten Studierende zunehmend in Konkurrenz zu anderen weniger einkommenstarken Wohnungsuchenden und auch Flüchtlingen, sagte DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde der Deutschen Presse-Agentur. „Wir kennen Städte mit hoher Flüchtlingsaufnahme, wo die Wartelisten unserer Studentenwerke zuletzt wieder kräftig angewachsen sind.“

Meyer auf der Heyde betonte, diese gesellschaftlichen Gruppen dürften auf keinen Fall gegeneinander ausgespielt werden. „Wir haben Handlungsbedarf - für die Flüchtlinge, aber eben auch für Studierende und andere Menschen, die nicht viel Geld für Wohnraum zur Verfügung haben.“ Er forderte den Bund zu größerer Aktivität auf, etwa in einem milliardenschweren „Hochschulsozialpakt“ mit den Ländern für die soziale Infrastruktur an den Unis. So solle Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sein Festhalten an der „schwarzen Null“ - Verzicht auf Neuverschuldung - überdenken. „Es geht ja hier nicht um soziale Wohltaten. Was wir in Bildung und Infrastruktur investieren, kommt uns längerfristig zugute.“

Nach den Worten Meyer auf der Heydes hinkt das Plus bei staatlich geförderten Studentenwohnheimplätzen dem Zuwachs bei den Studierenden weit hinterher. Dort gab es in den vergangenen neun Jahren eine Steigerung um 40 Prozent auf fast 2,8 Millionen - „im selben Zeitraum sind die öffentlich geförderten Wohnheimkapazitäten aber nur um fünf Prozent gewachsen. Das ist natürlich eine Fehlentwicklung.“ Daher rutschte die bundesweite Versorgungsquote laut DSW-Angaben immer weiter ab, zuletzt 2015 auf nur noch 9,86 Prozent (zum Vergleich 2005: 12,03 Prozent).

25.000 zusätzliche Wohnheimplätze fehlen

Nicht einmal jeder zehnte Studierende in Deutschland kam also noch in einem vergleichsweise preisgünstigen Wohnheim unter. Aktuell seien immerhin wieder rund 13 600 Studentenwohnheimplätze im Bau oder geplant - aber von Land zu Land sehr unterschiedlich, sagte Meyer auf der Heyde. „Neun von 16 Bundesländer haben Förderprogramme unterschiedlichster Art für studentischen Wohnraum aufgelegt.“ Bayern sei dabei führend mit der höchsten Zuschussförderung. „Hessen lag lange hinten, hat jetzt aber viel Interesse. Die armen Länder wie etwa das Saarland haben Probleme, da müsste der Bund helfen.“ Notwendig seien mindestens 25 000 zusätzliche, preisgünstige, staatlich geförderte Wohnheimplätze.

Der DSW-Generalsekretär appellierte an Bund und Länder, trotz immer teurerer Mieten in Großstädten ein Wohnen von Studenten dort weiter möglich zu machen. „Studierende suchen sich natürlich ihre Wunsch-Uni, sie suchen sich ihren Studienstandort auch nach der Stadt aus. Wenn man aus einem einkommensschwächeren Elternhaus kommt, aber ein hervorragendes Abitur hat, darf einem das nicht verwehrt sein.“ Angesichts hoher Mietpreise bestehe die Gefahr, dass Studierende nebenher arbeiten müssten, nur um das Wohnen zu finanzieren. „Das ist studienzeitverlängernd, wie wir aus unseren Erhebungen wissen“, sagte Meyer auf der Heyde.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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