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OB Christian Ude über seine Liebe zu Griechenland

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    • 24.04.10
    • Griechenland
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Plädoyer für Griechenland

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Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (61) liebt Griechenland. Lesen Sie hier, wie seine Urlaubsliebe auch Krisenzeiten übersteht. Das Plädoyer eines „Altgriechen“ für das Land der antiken Götter und der lässigen Lebensart.

Edith von Welser-Ude OB Christian Ude Pelikan

© Edith von Welser-Ude

Auswanderer: 2003 hatte OB Christian Ude im Tierpark Hellabrunn gegen eine Spende einen Pelikan ausgelöst und ihn mit auf seine Ferieninsel Mykonos genommen. Dort fand der Münchner Vogel schnell Anschluss. Ude und Ehefrau Edith besuchen die beiden Freunde in jedem Urlaub.

Sollen wir noch nach Griechenland reisen, ausgerechnet jetzt, wo die Wirtschaftskrise der Hellenen die gesamte Europäische Union erschreckt? Sind nicht die Spannungen und Konflikte zu groß, nachdem das Magazin „Focus“ die Aphrodite mit Stinkefinger gezeigt und damit viele patriotische Griechen zutiefst gekränkt hat? Nachdem Angela Merkels Politik der kalten Schulter als recht herablassend empfunden wurde? Und nachdem tatsächlich feststeht, dass die Griechen vor ihrem Beitritt in die Europäische Union gemogelt haben, dass sich die Balken biegen? Und auch heute noch in vielfacher Beziehung manchen Luxus genießen, den sich Völker mit solideren Finanzen nicht einmal im Traum erlauben – Rentenalter mit 55! Oder den schönen Brauch, kaum Steuern zu zahlen!

Tatsächlich scheint die Zahl der ausländischen Touristen, die immer noch das Land der Griechen mit der Seele suchen, deutlich zu sinken. Schon im vergangenen Jahr war wegen der internationalen Krise ein Rückgang von rund zehn Prozent zu verzeichnen, wie der Dachverband des griechischen Beherbergungsgewerbes mitteilte, in diesem Jahr fallen wohl noch einmal zehn Prozent weg. Dabei sind wir Deutschen – Stinkefinger hin, Merkel her – mit 1,7 Millionen erwarteten Gästen immer noch die größte Gruppe unter den Griechenland-Reisenden.

Reale Gründe, das Land der 6000 Inseln plötzlich zu meiden, gibt es aber nicht. Die Warnung des deutschen Auswärtigen Amtes vor Demonstrationen in den griechischen Großstädten wirkt jedenfalls maßlos übertrieben. Auf den Inseln findet überhaupt nichts statt, was einen Touristen abschrecken müsste, dafür sinken die Preise, wenn auch nicht so rasant wie die Gästezahlen.

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Freilich lässt sich auch bei schönstem Wetter, wie es in den Osterferien auf Mykonos zu genießen war, die allumfassende nationale Krise nicht verdrängen. Sie beherrscht im Nu jedes Gespräch in jedem Kafenion, sobald man sich auf einen Meinungsaustausch einlässt. Dabei sind die Griechen viel selbstkritischer, als manch publizistisches Säbelrasseln vermuten lässt: Ja, wir haben über unsere Verhältnisse gelebt. Ja, der öffentliche Dienst wurde nach jeder Wahl aufgebläht, stets von der siegreichen Partei zugunsten eigener Anhänger. Ja, sehr viele Häuser werden schwarz gebaut, wenn nicht sogar die meisten. Ja, die akute Krise ist selbstgemacht und nicht das Ergebnis einer ausländischen Verschwörung.

Nur selten weisen Griechen den Verdacht zurück, sie würden kaum Steuern zahlen. Besonders allgegenwärtig ist ein griechisches Wort, das mir im vergangenen Jahr noch nicht vertraut war: Fakelaki. Damit sind die Briefumschläge mit Geldscheinen gemeint, mit denen sich der Anschluss eines Telefons genauso beschleunigen lässt wie die Bescheinigung einer bestandenen Fahrprüfung oder jedwede staatliche Genehmigung.

Aber Vorsicht! Vor deutscher Arroganz ist zu warnen, denn im vergangenen Sommer war hier viel von einem High-Tech-Konzern die Rede, der bei Milliarden-Geschäften in Griechenland geschmiert hat; sein Sitz ist nicht in Athen, sondern in München. Dass sich der griechische Repräsentant dieser Firma ins Ausland absetzen konnte und bald im Isar-Athen auftauchte, galt den Hellenen monatelang als Beispiel allerschlimmster Verruchtheit!

Und so imposant, wie wir es gerne hätten, ist die deutsche Finanzpolitik angesichts der größten Neuverschuldung der Nachkriegszeit auch wieder nicht. Weshalb wir Deutsche gar nicht erst versuchen sollten, voll moralischer Überlegenheit aufs hohe Ross zu steigen...

Mehr als der deutschen Regierung grollen die Griechen übrigens den eigenen Reichen, die in wenigen Tagen über acht Milliarden Euro von ihren Konten abgehoben haben – nicht gerade sehr zuversichtlich und auch nicht sehr patriotisch.

Es gibt keinen einzigen Grund, die Ferien nicht in Griechenland zu verbringen – aber nach wie vor über tausend Gründe, es schon zu tun: aus Lust an der Sonne und am Meer, aus Interesse am antiken Erbe, aus Dankbarkeit für die unvergleichliche Gastfreundschaft, aus Zuneigung zur kykladischen Architektur und in Erinnerung an intensive bayerisch-griechische Beziehungen. Wir sind seit Ludwig I. Philhellenen – und sollten es bleiben! Gerade in der Krise bewährt sich wahre Freundschaft.

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