Tatsächlich scheint die Zahl der ausländischen Touristen, die immer noch das Land der Griechen mit der Seele suchen, deutlich zu sinken. Schon im vergangenen Jahr war wegen der internationalen Krise ein Rückgang von rund zehn Prozent zu verzeichnen, wie der Dachverband des griechischen Beherbergungsgewerbes mitteilte, in diesem Jahr fallen wohl noch einmal zehn Prozent weg. Dabei sind wir Deutschen – Stinkefinger hin, Merkel her – mit 1,7 Millionen erwarteten Gästen immer noch die größte Gruppe unter den Griechenland-Reisenden.
Reale Gründe, das Land der 6000 Inseln plötzlich zu meiden, gibt es aber nicht. Die Warnung des deutschen Auswärtigen Amtes vor Demonstrationen in den griechischen Großstädten wirkt jedenfalls maßlos übertrieben. Auf den Inseln findet überhaupt nichts statt, was einen Touristen abschrecken müsste, dafür sinken die Preise, wenn auch nicht so rasant wie die Gästezahlen.
Da wollen die Deutschen 2019 hin reisen
Nur selten weisen Griechen den Verdacht zurück, sie würden kaum Steuern zahlen. Besonders allgegenwärtig ist ein griechisches Wort, das mir im vergangenen Jahr noch nicht vertraut war: Fakelaki. Damit sind die Briefumschläge mit Geldscheinen gemeint, mit denen sich der Anschluss eines Telefons genauso beschleunigen lässt wie die Bescheinigung einer bestandenen Fahrprüfung oder jedwede staatliche Genehmigung.
Aber Vorsicht! Vor deutscher Arroganz ist zu warnen, denn im vergangenen Sommer war hier viel von einem High-Tech-Konzern die Rede, der bei Milliarden-Geschäften in Griechenland geschmiert hat; sein Sitz ist nicht in Athen, sondern in München. Dass sich der griechische Repräsentant dieser Firma ins Ausland absetzen konnte und bald im Isar-Athen auftauchte, galt den Hellenen monatelang als Beispiel allerschlimmster Verruchtheit!
Und so imposant, wie wir es gerne hätten, ist die deutsche Finanzpolitik angesichts der größten Neuverschuldung der Nachkriegszeit auch wieder nicht. Weshalb wir Deutsche gar nicht erst versuchen sollten, voll moralischer Überlegenheit aufs hohe Ross zu steigen...
Mehr als der deutschen Regierung grollen die Griechen übrigens den eigenen Reichen, die in wenigen Tagen über acht Milliarden Euro von ihren Konten abgehoben haben – nicht gerade sehr zuversichtlich und auch nicht sehr patriotisch.
Es gibt keinen einzigen Grund, die Ferien nicht in Griechenland zu verbringen – aber nach wie vor über tausend Gründe, es schon zu tun: aus Lust an der Sonne und am Meer, aus Interesse am antiken Erbe, aus Dankbarkeit für die unvergleichliche Gastfreundschaft, aus Zuneigung zur kykladischen Architektur und in Erinnerung an intensive bayerisch-griechische Beziehungen. Wir sind seit Ludwig I. Philhellenen – und sollten es bleiben! Gerade in der Krise bewährt sich wahre Freundschaft.
























