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Die Insel der Muschelsucher - Strandurlaub auf Schiermonnikoog

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    • 27.06.12
    • Nordsee
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Die Insel der Muschelsucher - Schiermonnikoog

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Viele Urlauber auf Schiermonnikoog sind mit Plastiktüten unterwegs. Der Strand ist ungewöhnlich breit und 18 Kilometer lang. Ein Paradies für Muschelsucher.

© dpa/tmn/Andreas Heimann

Der Strand von Schiermonnikoog ist ein Paradies für Muschelsucher

Auf dem oberen Deck tummeln sich bei der Überfahrt gerade ein Dutzend Passagiere. Die Hälfte davon ist mit wuchtigen Ferngläsern ausgestattet. Kaum kommt Schiermonnikoog in Sicht, springen sie auf und positionieren sich an der Reling der Fähre oder steigen sogar auf die Bänke, um noch besser zu sehen. Ihr Interesse gilt ganz den Seevögeln, die das Wattenmeer vor der kleinen niederländischen Insel bevölkern. Die Fahrt mit der „Monnik“ ab Lauwersoog am Festland dauert gerade mal eine Dreiviertelstunde. Aber nicht nur die Ornithologen tauchen dabei in eine andere Welt ein.

© dpa/tmn/Andreas HeimannEcht überragend: Der rote Radar- und Leuchtturm auf Schiermonnikoog steht auf einer Düne und ist mehr als 30 Meter hoch.

Das Sonnenlicht lässt die Nordseewellen glitzern, es riecht nach Meer. Der Himmel ist hoch und weit. Ein paar Seeschwalben und etliche Möwen beanspruchen die Lufthoheit für sich. Und weil Ebbe ist, spazieren Dutzende von Austernfischern und Strandläufern über den schlickigen Meeresboden. Mehr als 340 verschiedene Arten leben zumindest zeitweise auf Schiermonnikoog - die Insel ist ein Paradies für Vögel. Aber auch für Menschen, von denen es in der kleinsten Gemeinde der Niederlande gerade einmal 950 gibt.

Wer am Strand von Schiermonnikoog liegt, braucht meist nicht zu lange warten, bis die ersten Muschelsucher auftauchen. Was gleich ins Auge fällt: Sie haben immer eine Plastiktüte bei sich, bewegen sich wie in Zeitlupe und lassen den Boden nicht aus den Augen.

Ein Vertreter der besonders gründlichen Sorte trägt Halbschuhe und eine weiße Basecap zum Schutz vor der Sonne. Ab und zu bückt er sich, hebt eine Muschel hoch, wirft die meisten wieder weg und begutachtet die anderen umso genauer. Und als wäre es einstudiert, macht eine Frau nur ein paar Meter weiter fast synchron die gleichen Bewegungen. Die bröseligen Reste eines Krabbenpanzers liegen da auf dem Boden, die Reste eines Tintenfischs und viele Herzmuscheln in ungewöhnlichen Farben von Graublau bis Gelborange.

© dpa/tmnUnterwegs durchs Watt - in dem weichen Schlickboden versinkt man schnell und hinterlässt dann deutliche Spuren - bis die nächste Flut kommt.

Dieser Sammeltrieb ist Thijs de Boer mehr als vertraut - nur, dass er nicht erst an den Strand geht, wenn dort hunderte von Urlaubern liegen und die besten Funde schon weg sind, sondern früh am Morgen. „Gesammelt habe ich schon in der Grundschule, Seesterne, Krebse und Muscheln“, erzählt er. „So hat es angefangen und nie wieder aufgehört.“ De Boer war eine Zeitlang Lehrer in der Karibik und später bei einer niederländischen Großbank angestellt. Heute arbeitet er für das Besucherzentrum der Insel und macht unter anderem Naturführungen. Es gibt wenig, was er über die Insel nicht weiß - über Muscheln weiß er alles.

Und er gibt sein Wissen gerne weiter, in seinem Muschelmuseum im Inseldorf zum Beispiel, das ganzjährig geöffnet ist. „Außer, wenn wir im Urlaub sind“, sagt Thijs de Boer. Er und seine Frau Annelies reisen leidenschaftlich gern. „Aber nur in Länder mit Strand.“ Schließlich ist der Urlaub die beste Zeit zum Muschelsammeln. In Japan war er schon, in Argentinien, Venezuela, Costa Rica, Südafrika, auf Mauritius und an etlichen anderen Zielen.

Thijs liebt das Wattenmeer. Und es ist ein Vergnügen, ihn auf eine Wattwanderung zu begleiten. Gummistiefel kann man sich im Besucherzentrum leihen. Barfuß zu laufen, sei ein Risiko, warnt Thijs: „Es gibt im Watt seit ein paar Jahren Japanische Austern.“ Deren Schalen sind so scharf, dass man sich leicht den Fuß daran aufschneiden kann. „Wir hatten schon fünf Zentimeter tiefe Wunden.“

Im Schlickwatt kurz hinter der Küste geht es nur langsam voran, weil man sofort mindestens knöcheltief im Matsch versinkt. Um Fuß samt Gummistiefel wieder rauszuziehen, ist manchmal eine kleine Kraftanstrengung nötig. Und dann zahlt es sich aus, wenn man die richtige Größe getroffen hat - sonst bleibt der Stiefel stecken, und der Fuß rutscht raus.

Thijs hat eine Strandkrabbe - acht Beine, zwei Scheren - entdeckt und tippt sie mit dem Finger an, aber das macht ihr Angst, und schnell buddelt sie sich ein. Mit der Grabegabel legt Thijs nun eine Sandklaffmuschel frei. „Es gibt sie erst seit etwa 1200 hier in Europa, vorher kam sie nur in Grönland und Kanada vor.“ Auch eine Käferschnecke hat Thijs gefunden: „Die sind so alt wie Kellerasseln - 400 Millionen Jahre.“ Und als er wenig später mit dem Kescher durchs Wasser zieht, zappeln darin ein paar Garnelen. Miesmuscheln hat er auch erwischt. Man könnte stundenlang mit Thijs durchs Watt marschieren - das geht aber schon wegen der Flut leider nicht.

Am Abend rauscht das Meer kräftig, vielleicht hört man die Brandung jetzt sogar noch deutlicher, das Licht ist weicher. Ein einsamer Radfahrer ist am Strand unterwegs. Bei Ebbe läuft man dann entspannt über den weichen Boden bis zum ersten Priel. Möwen trippeln über den Boden.

Offensichtlich war hier ein Muschelsucher unterwegs - seine Fundstücke hat er einfach liegen lassen, einen ganzen kleinen Berg davon. Muscheln gibt es in Schiermonnikoog einfach im Überfluss - und manchmal macht das Sammeln so viel Spaß, dass es gar nicht wichtig ist, sie mit nach Hause zu nehmen. Auch wenn Thijs de Boer das sicher anders sehen würde.

Andreas Heimann, dpa

DIE REISE-INFOS ZU SCHIERMONNIKOOG

REISEZIEL UND ANREISE: Schiermonnikoog ist die östlichste der Westfriesischen Inseln und eine der kleinsten. Ideal ist die Anreise per Bahn über Leer und Groningen. Vom Bahnhof dort fährt ein Bus in einer guten Stunde bis zum Fährhafen Lauwersoog. Vom Fähranleger der Insel geht es in zehn Minuten mit dem Bus ins einzige Inseldorf. Er hält an verschiedenen Stellen, etwa vor allen größeren Hotels.

REISEZEIT: Schiermonnikoog hat im Juli und August Hochsaison. Dann hat die Nordsee die angenehmste Badetemperatur, aber es ist auch am vollsten. Vor allem am Wochenende kommen viele Tagesbesucher.

WOHNEN: Auf der Insel gibt es eine Handvoll Hotels, vor allem aber viele Ferienwohnungen, oft reetgedeckt und sehr schön in den Dünen gelegen.

MEHR INFOS: Niederländisches Büro für Tourismus unter www.holland.com.

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