Keine Chance für Hass

Trauerakt im Landtag: Gaucks bewegende Rede

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Joachim Gauck bei seiner Rede.

München - Nach dem Gottesdienst in der Frauenkirche hat die hohe Politik ihre Anteilnahme auch im Bayerischen Landtag gezeigt. Bundespräsident Joachim Gauck (76) hielt eine bewegende Rede.

Geprägt war die Gauck-Rede nicht nur von Trauer, sondern auch vom Kampfgeist gegenüber all jenen, die Angst und Schrecken verbreiten wollen. Vor allem wandte sich Gauck natürlich an die Angehörigen der Opfer – viele Familienmitglieder und Freunde waren gestern persönlich in den Landtag gekommen. Die Botschaft des Präsidenten an sie: „Nichts kann uns den Schmerz nehmen. Nichts und niemand kann den Verlust ungeschehen machen. Aber Sie sind nicht allein. Wir wollen Ihnen nah sein.“

In Richtung von Terroristen und Amokläufern sagte Gauck: „Sie werden uns nicht zwingen zu hassen, wie sie hassen. Sie werden uns nicht in der Gefangenschaft immerwährender Furcht halten. Wir werden nämlich bleiben, was wir sind: eine mitmenschliche, eine solidarische Gesellschaft. Und eine Gesellschaft, die sich den Gefahren stellt!“ Gauck betonte, dass es keinen absoluten Schutz gegen Täter geben könne, „die es darauf anlegen, Menschen in Verzweiflung zu stürzen oder zu töten. Aber eine Allianz von Staatsorganen und wacher, aktiver Bürgergesellschaft bleibt die beste Versicherung dagegen, dass das zynische Kalkül der Gewalttäter aufgeht.“ In dieser Allianz liege die Stärke einer offenen Gesellschaft, mit der sie wechselnden Bedrohungen entgegentrete.

Mitten in all dem Schrecken blitzt für Gauck auch Hoffnung auf – zum Beispiel, wenn er an all jene Menschen denkt, die nach dem Amoklauf ihre Türen öffneten für alle, die Schutz suchten. Gauck: „Der 22. Juli hat auch gezeigt, wozu Menschen in ihren besten Augenblicken fähig sind.“

Der Appell des Bundespräsidenten: „Lassen Sie uns füreinander da sein als eine Gesellschaft, die den Toten Raum gibt in der Erinnerung – und den Lebenden Frieden.“

Auch Ministerpräsident Horst Seehofer (67, CSU) sprach. Er stellte betroffen fest: „Die schrecklichen Ereignisse haben sich in unsere Herzen eingebrannt. Bayern ist ins Mark getroffen.“ Aber – ebenfalls in Gedanken an couragierte Bürger und engagierte Rettungsdienste: „Die Mitmenschlichkeit hat über den Terror gesiegt.“

Landtagspräsidentin Barbara Stamm (71, CSU) wirkte erschüttert, sagte: „Man mag sich keinen schlimmeren Anlass vorstellen, um zusammenzustehen. Was an jenem Freitagabend geschehen ist, lässt uns sprachlos zurück.“ Und auch sie sieht eine Verpflichtung für die Gesellschaft: „Wir müssen ein Zeichen setzen gegen menschenverachtende Gewalt – und auch ein Zeichen der Hoffnung.“

OB Dieter Reiter (58, SPD) bezeichnete die Beisetzung der Opfer als „die schwersten Momente meiner Amtszeit“. Und, gerade im Hinblick auf einen möglichen rechtsradikalen Hintergrund des Täters: „Wir werden alles dafür tun, dass unsere Stadt EIN MÜNCHEN für alle bleibt.“

Zuvor hatte München bei einem Gedenkgottesdienst getrauert.

tz

Trauerfeier in der Frauenkirche und im Bayerischen Landtag - Bilder

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