71 Jahre nach Atombomben-Abwurf

Obama in Hiroshima: Keine Entschuldigung für Atombomben

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USA-Präsident Barack Obama verlässt das Weiße Haus, um nach Asien zu fliegen.

Hiroshima - Vor fast 71 Jahren warfen die USA die erste Atombombe auf Hiroshima. Nun besucht Obama als erster amtierender US-Präsident die Gedenkstätte.

Auf diesen Tag hat Haruko Moritaki jahrzehntelang gewartet. Wenn US-Präsident Barack Obama am 27. Mai als erster amtierender US-Präsident die Gedenkstätte des Atombombenabwurfs in Hiroshima besucht, hat Moritaki große Erwartungen: „Sagen Sie der Welt als Präsident einer Nation, die uns ins Atomzeitalter versetzt hat, dass der Abwurf der Atombomben ein Fehler war“, heißt es in einem Brief, den die 77-jährige Japanerin als Vertreterin einer Organisation zur Abschaffung von Atomwaffen im Vorfeld an Obama schickte. Und weiter: „Bitte entschuldigen Sie sich bei den Opfern“.

Doch das wird Obama nicht tun. Er will vielmehr mit seinem historischen Besuch ein Signal setzen für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen. Japans rechtskonservativer Premier Shinzo Abe, der Obama begleiten wird, hat auch gar keine Entschuldigung gefordert, denn das läge nach Meinung von Beobachtern ohnehin nicht in seinem Interesse.

Obama-Besuch in Japan: Klares Signal an China und Südkorea

Der gemeinsame Besuch hat große symbolische Bedeutung. „Er ist ein Schritt, der zeigen soll, dass die japanisch-amerikanische Wiederaussöhnung in der Nachkriegszeit erfolgreich war“, sagte Sven Saaler, Professor für moderne Geschichte an Tokios renommierter Universität Sophia, der Deutschen Presse-Agentur. Japan denkt schon im Gegenzug über einen Besuch Abes in Pearl Harbour nach. Nach Japans Angriff 1941 auf die in Pearl Harbor auf Hawaii liegende US-Pazifikflotte waren die USA in den Krieg eingetreten.

Die Betonung der heute engen Allianz ist auch ein klares Signal an China oder Südkorea, mit denen es immer wieder zu Spannungen kommt - auch wegen Tokios Umgang mit seinen früheren Kriegsverbrechen. Die Geschichte der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki ist in Japan indes seit Jahrzehnten unvermeidlich durch die Opferperspektive bestimmt. Dass Hiroshima eine logische Konsequenz für Japans Aggressionskrieg war, akzeptieren nur wenige. Japan habe zwar Unrecht begangen. Trotzdem seien die Atombomben Verbrechen an Unschuldigen gewesen. Die Mehrheit der Amerikaner hält die Atombombenabwürfe dagegen für richtig, auch wenn die Zahl der Befürworter geringer geworden ist.

Weiße Haus: Es wird keine Entschuldigung geben

Das macht den Besuch für Obama zu einem Balanceakt, will er nicht die öffentliche Meinung im eigenen Land gegen sich aufbringen. Jeder Schritt in Hiroshima wird mit Argusaugen verfolgt werden. Um jedes Missverständnis auszuschließen, ließ das Weiße Haus bereits wissen, dass sich Obama in Hiroshima nicht bei Japan entschuldigen werde.

Aber auch Abe müsste nach Einschätzung von Beobachtern fürchten, dass eine Entschuldigung der USA eine Pandorabüchse öffnet: Erneut könnte es Fragen nach Japans eigenem Verhalten in Asien und neue Forderungen nach Entschuldigungen geben. Abe gehört jedoch zu jener Generation von Japanern, die es endgültig leid sind, dass sich ihr Land ständig wegen begangener Gräuel im Zweiten Weltkrieg entschuldigen soll.

Abe verfolgt mit Macht eine nationalistische Agenda, deren Ziel es ist, sich vom Nachkriegsregime zu verabschieden und die militärische Rolle Japans an der Seite der USA, von dessen Atomschild es seit Jahrzehnten beschützt wird, deutlich auszuweiten. Abes Regierung ist sogar der Auffassung, dass es nicht gegen die Verfassung des Landes verstoßen würde, wenn Japan eines Tages selbst Atomwaffen hätte.

"Lieber nicht die schlafenden Hunde wecken"

Würde sich Obama entschuldigen oder sein Besuch als Entschuldigung gesehen werden, so die Sorge, würde dies den Gegnern der Allianz nur in die Hände spielen. Zudem könnte dies den seit dem GAU in Fukushima spürbaren Widerstand in Japan gegen die Atomkraft stärken. „Kurzum: Lieber nicht die schlafenden Hunde wecken“, brachte es der Politikprofessor Koichi Nakano in einem Interview auf den Punkt.

Überlebende des Atombombenabwurfs blicken denn auch mit gemischten Gefühlen auf den gemeinsamen Besuch von Obama und Abe in Hiroshima. „Es wird wohl bei einer symbolischen Darbietung bleiben“, sagte der heute 89-jährige Shozo Muneto der dpa, fügte jedoch hinzu: „Aber es wäre großartig, wenn Präsident Obama den Weg für eine Abschaffung von Atomwaffen ebnen würde“. Das wollte Obama eigentlich schon 2009 mit seiner Rede in Prag. „Seither haben wir keine Fortschritte gesehen“, kritisiert Frau Moritaki. „Wir hoffen, dass Präsident Obama durch seinen Besuch in Hiroshima seine eigenen Widersprüche überwindet“.

dpa

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