"Rennen gegen die Zeit"

Zerbombte Kliniken führen zu medizinischer Katastrophe in Aleppo

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Die Bürger von Aleppo leiden unter heftigen Bombardierungen.

Genf - Die Luftangriffe auf Krankenhäuser im syrischen Aleppo bringen laut UN die medizinische Versorgung der Bevölkerung an den Rand des totalen Zusammenbruchs.

Verletzte müssten abgewiesen werden, es fehle an allen Ecken und Enden an Medikamenten, sagte der Koordinator des UN-Büros für humanitäre Hilfe (OCHA), Stephen O'Brien, am Sonntag. „Wir sind in einem Rennen gegen die Zeit.“ Die EU bringt angesichts der katastrophalen Lage in Aleppo eine Nothilfe-Initiative auf den Weg. In der Metropole rückten unterdessen Regierungstruppen mit Hilfe russischer Luftangriffe weiter gegen Rebellen vor.

Aleppo hat in den vergangenen Tagen die heftigsten Kämpfe und Bombardierungen der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Krieges vor fünf Jahren erlebt. In dem von überwiegend islamistischen Aufständischen kontrollierten Ostteil sind Hunderttausende Zivilisten eingeschlossen, weil Regierungstruppen die Zufahrten blockieren. Eine Waffenruhe war im vergangenen Monat gescheitert.

Drei Krankenhäuser angeblich getroffen

Nach UN-Angaben sind mindestens drei Krankenhäuser getroffen worden, darunter eine Kinderklinik für Tausende Patienten. Die Menschen müssten unter schlimmsten Bedingungen in der Stadt ausharren, sagte O'Brien am Sonntag in Genf. Er wiederholte die UN-Forderung nach einer Einstellung der Angriffe. Das Mindeste wäre eine 48-stündige Feuerpause pro Woche, um die Kranken und Verletzten aus der Stadt bringen zu können, sagte er.

Bei der EU-Initiative geht es darum, Hilfsorganisationen den Einsatz zu ermöglichen und Zivilisten zu schützen, wie die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, in Brüssel mitteilten. Die Vereinten Nationen seien ebenfalls mit im Boot.

Hilfskonvoi steht bereit

Ein Hilfskonvoi steht nach EU-Angaben im Westen Aleppos bereit, um medizinische Güter, Wasser und Lebensmittel in den Ostteil der Stadt zu liefern. Der Konvoi könne bis zu 130.000 Menschen versorgen. Gleichzeitig sollen Kranke und Verletzte aus dem Osten Aleppos evakuiert werden, insbesondere Frauen, Kinder und ältere Menschen.

Die EU rief die Konfliktparteien dazu auf, die nötigen Schritte zu ermöglichen. Man werden „in den nächsten Stunden und Tagen“ intensiv darauf hinarbeiten. Die Durchführung solle allein bei humanitären Organisationen liegen. Evakuierungen aus medizinischen Gründen auch aus anderen belagerten Gebieten müssten ermöglicht werden, forderten die EU-Vertreter.

Die EU sei bereit, falls nötig auch eine Behandlung von Menschen in Europa zu ermöglichen. Zudem kündigten sie ein 25 Millionen Euro schweres Hilfspaket an.

Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, konnte die syrische Armee im Norden Aleppos Gebiete der Rebellen zurückerobern. Unter den Rebellen habe es „schwere“ Verluste gegeben.

Die Führung der syrischen Armee rief zudem alle Aufständischen im Osten der geteilten Stadt dazu auf, die belagerten Viertel zu verlassen. Die Armee werde einen sicheren Abzug garantieren, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana.

dpa

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