Holocaust-Überlebender

Nobelpreisträger Elie Wiesel gestorben

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Der Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ist tot.

Tel Aviv - Der Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ist tot.

Er sei im Alter von 87 Jahren in den USA gestorben, berichteten israelische Medien und die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am Samstagabend. Wiesel sei "vor einigen Stunden" gestorben, sagte ein Sprecher von Jad Vashem der Nachrichtenagentur AFP am späten Samstagabend in Jerusalem. 

Die "New York Times" berichtete, Wiesel sei bei sich zuhause in Manhattan gestorben.

Der 1928 in Rumänien geborene Wiesel hatte das Grauen der Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt. Seitdem engagiert sich der in New York lebende Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger für das Wachhalten der Erinnerung an die Opfer des Holocaust.

Friedensnobelpreis 1986

1945 kam Wiesel nach Paris, wo er Philosophie und Literatur studierte. Er arbeitete als Lehrer und Übersetzer und später als Journalist. 1956 ging er als UN-Berichterstatter nach New York. Die Staatsbürgerschaft der USA erhielt er 1963. Am New Yorker City College erhielt Wiesel 1972 eine Professur für Literatur, Philosophie und Judaismus, sechs Jahre später ging er an die Universität Boston.

Ab den 50er Jahren begann Wiesel zu schreiben, auch beeinflusst durch seine Freundschaft mit dem französischen Dichter François Mauriac. Zu seinen berühmtesten Büchern zählt "La Nuit" ("Die Nacht"), der autobiographische Roman erschien 1958 in Frankreich. Darin schreibt Wiesel über seine Erfahrungen in Auschwitz. Es war der erste Teil einer Trilogie über die Lebensgeschichte eines jungen Juden, der letztlich in den USA landet.

1986 wurde Wiesel mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Kurz danach gründete er gemeinsam mit seiner Frau Marion die Elie Wiesel Foundation for Humanity. Deren Ziel war der "Kampf gegen Gleichgültigkeit, Intoleranz und Ungerechtigkeit" durch internationalen Dialog und Jugendprogramme, die "Akzeptanz, Verständnis und Gleichheit" fördern sollten.

Gegen Gewalt und Intoleranz

Im Jahr 2000 hielt er bei einer Feierstunde im Bundestag 55 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz eine viel beachtete Rede. Wiesel engagierte sich gegen Gewalt und Intoleranz in der ganzen Welt, etwa im sudanesischen Darfur.

Gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama besuchte Wiesel im Juni 2009 das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald. Vor zwei Jahren wurde er in New York mit einem der höchsten deutschen Orden, dem Großen Verdienstkreuz mit Stern, geehrt.

Internationales Auschwitz-Komitee: Wiesel war Stimme der Ermordeten

Das Internationale Auschwitz-Komitee hat bestürzt auf den Tod von Nobelpreisträger Elie Wiesel reagiert und den Auschwitz-Überlebenden als „Lehrer der Menschheit“ gewürdigt. „Elie Wiesel war kein Weg zu weit und kein Anlass zu gering, Menschen über die Schrecken und Verbrechen von Auschwitz zu informieren“, sagte Christoph Heubner, der Vize-Exekutivpräsident der Überlebendenorganisation, am Samstag in Oswiecim.

Wiesel sei die Stimme der in Auschwitz von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Frauen, Kinder und Männer gewesen, „die immer wieder die Vergesslichkeit, den Antisemitismus und den Hass übertönte.“ Er werde gerade in „diesen Tagen des Hasses und des Fundamentalismus schmerzlich vermisst“ werden, sagte Heubner.

Netanjahu lobt außergewöhnliche Persönlichkeit von Elie Wiesel

Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bestürzt auf den Tod des Holocaust-Überlebenden und Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel reagiert. „Der Staat Israel und das jüdische Volk trauern zutiefst um Elie Wiesel“, sagte Netanjahu am Samstag. „Der Wortkünstler Elie hat mit seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit und seinen faszinierenden Büchern den Sieg des menschlichen Geistes über die Grausamkeit und das Böse verkörpert.“

„Im Dunkeln des Holocaust, in dem sechs Millionen unser Brüder und Schwestern ermordet wurden, diente Elie Wiesel als ein Licht und als Vorbild der Menschlichkeit sowie des Glaubens an das Gute im Menschen“, sagte Netanjahu laut einer Mitteilung seines Büros weiter. Israels Präsident Reuven Rivlin nannte Wiesel einen "Helden des jüdischen Volkes".

Deutschland erleidet "einen großen Verlust"

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck erklärte in Berlin, Wiesel habe es mit seinen eindringlichen Worten verstanden, "als Zeitzeuge die Erinnerung an die dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte wach zu halten und vor allem junge Menschen vor den Gefahren von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu warnen". Deutschland erleide mit Wiesels Tod "einen großen Verlust".

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nannte den Verstorbenen einen "unermüdlichen Streiter gegen Hass, Intoleranz und Gewalt". In seiner Rede vor dem Bundestag habe Wiesel der deutschen Jugend sein Vertrauen ausgedrückt, eine bessere Gesellschaft zu schaffen als er selbst es in seiner Kindheit erleben musste, erklärte der Außenminister. "Darin steckte eine tief bewegende Botschaft der Hoffnung und der Verantwortung, die wir uns gerade heute zu Herzen nehmen sollten."

"Unbeirrbarer Kämpfer gegen Hass, Gewalt, Intoleranz und Unterdrückung"

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat den Tod von Elie Wiesel als großen Verlust nicht nur für die jüdische Welt bedauert. „Er gab den Opfern der Shoa eine Stimme, die weltweit gehört wurde“, sagte der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde in Würzburg am Sonntag.

Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München, nannte den Verstorbenen einen „unbeirrbaren Kämpfer gegen Hass, Gewalt, Intoleranz und Unterdrückung“. Die frühere Zentralratspräsidentin würdigte dessen Werk als eine der „ergreifendsten Stimmen wider das Vergessen und das Wiederholen“.

Politiker international bekunden Beileid

US-Präsident Barack Obama erinnerte an den gemeinsamen Besuch in Buchenwald im Juni 2009. "Nachdem wir zwischen Stacheldraht und Wachtürmen von Buchenwald hindurch gegangen waren, sagte Elie Worte, die ich nie vergessen habe: 'Die Erinnerung wurde eine heilige Pflicht aller Menschen mit gutem Willen'", erklärte Obama. Frankreichs Präsident François Hollande würdigte Wiesel als "großen Humanisten und unermüdlichen Verteidiger des Friedens".

afp, dpa

 

 

 

 


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