Donnerstag und Freitag

G7-Gipfel 2016 in Japan: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Merkel empfängt Ministerpräsident Shinzo Abe

Ise-Shima - Der G7-Gipfel 2016 findet am Donnerstag und Freitag in Japan statt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum G7-Gipfel in Ise-Shima. Hier finden Sie alle Informationen.

Im vergangenen Jahr war Deutschland der Gastgeber beim G7-Gipfel in Schloss Elmau. 2016 empfängt Japans Premierminister Shinzō Abe die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen (alle - bis auf einen) auf der Halbinsel Ise-Shima. Die Kleinstadt mit etwa 50.000 Einwohnern liegt in einer zentral-japanischen Ferienregion, die für ihre Shinto-Schreine bekannt ist: Dort wird seit mehr als einem Jahrtausend die Sonnengöttin Amaterasu in einem berühmten Schrein der Urreligion Shinto verehrt. Sie ist so etwas wie die mythische Urmutter Japans, von der laut Legende die Kaiserfamilie abstammt.

Für US-Präsident Barack Obama ist es der letzte G7-Gipfel. Seine Kollegen dürfen sich bereits darauf einstellen, im kommenden Jahr mit Donald Trump oder Hillary Clinton zu verhandeln. Der Neuling im Kreise der Großen Sieben ist Kanadas Premierminister Justin Trudeau. Wir beantworten für Sie die wichtigsten Fragen rund um den G7-Gipfel 2016 in Japan.

Welche Aufgaben hat der G7-Gipfel?

Der G7-Gipfel ist das jährliche Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Wirtschaftsnationen. Seit 1975 treffen sich die Staatenlenker (für die erste Auflage noch als G6) im jährlichen Turnus, um regelmäßig die wichtigsten Weltprobleme zu besprechen. Die Weltwirtschaftskrise brachte Bundeskanzler Helmut Schmidt und den französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing vor 41 Jahren auf die Idee eines Gipfeltreffens der größten Industrienationen. Das Ziel: Die Erörterung der weltwirtschaftlichen Lage und die Suche nach Lösungsansätzen für globale Probleme.

Die G7-Gipfel sind allerdings nur ein informelles Gremium. Böse Zungen könnten von einer "Plauderrunde" sprechen. Rechtlich bindende Beschlüsse gibt es nicht. Ergebnisse der G7-Gipfel müssen einstimmig von allen Teilnehmern vereinbart werden. Diese werden in einer Erklärung veröffentlicht, die dann wegen der politischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Gruppe auch Wirkung über die sieben beteiligten Länder hinaus entfalten soll. Die komplette 27-seitige Abschlusserklärung des G7-Gipfels 2015 finden Sie auf der Seite der Bundesregierung. Die wichtigsten Beschlüsse haben wir auch zusammengefasst.

Die Teilnehmer sehen den besonderen Wert der G7-Gipfel allerdings nicht in erster Linie in den Beschlüssen und Absichtsbekundungen. Der "Hauptwert" der Treffen liege darin, dass die Staatenlenker "in relativ vertraulicher Atmosphäre mal länger als einen Tag miteinander reden können", heißt es aus deutschen Regierungskreisen.

Die Tagesordnung der G7-Gipfel wird von den Gastgebern im Vorfeld bestimmt. Schon Monate vor dem G7-Gipfel bereiten Unterhändler der Regierungen - sogenannte Sherpas - die Abschlusserklärungen vor. Sie klären, bei welchen Fragen Einigkeit besteht und wo es noch Diskussionsbedarf gibt. Auf dem G7-Gipfel stehen dann in den Gesprächen zwischen den Spitzenpolitikern oft nur noch wenige Fragen im Raum.

Das Gipfeltreffen 2016 in Japan folgt auf den G7-Gipfel in Deutschland von 2015 und den ersatzweise von der EU in Brüssel ausgerichteten G7-Gipfel von 2014.

Wann findet der G7-Gipfel 2016 in Japan statt?

Am Donnerstag, 26. Mai, und am Freitag, 27. Mai, findet in Japan der G7-Gipfel 2016 statt. Kanzlerin Angela Merkel wird erst am 26. Mai anreisen. Wann ihre Abreise vorgesehen ist, teilt die Seite mit den Terminen der Kanzlerin nicht mit. Gleich nach dem G7-Gipfel 2016 steht für sie schon der nächste wichtige Termin an: Am Sonntag, 29. Mai, reist Angela Merkel nach Verdun. Dort nimmt die Kanzlerin gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten François Hollande an der zentralen Gedenkfeier für den 100. Jahrestag der Schlacht von Verdun teil. 

Welche Länder und Politiker sind beim G7-Gipfel 2016 in Japan dabei?

Das sind die sieben größten Industrienationen beim G7-Gipfel (samt Staats bzw. Regierungschef):

  • Japan (Premierminister Shinzō Abe)
  • Deutschland (Kanzlerin Angela Merkel)
  • USA (Präsident Barack Obama)
  • Großbritannien (Premierminister David Cameron)
  • Frankreich (Präsident François Hollande)
  • Kanada (Premierminister Justin Trudeau)
  • Italien (Ministerpräsident Matteo Renzi)
  • Neben den Staats- und Regierungschefs ist beim G7-Gipfel auch die Europäische Union präsent. Die EU wird auf dem Gipfeltreffen durch den Präsidenten des Europäischen Rates, Donald Tusk, und den Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, vertreten.

Warum ist Russland beim G7-Gipfel 2016 in Japan nicht dabei?

Der G7-Gipfel 2016 in Japan findet wieder ohne Russland statt. Der Grund: Präsident Wladimir Putin wurde durch die Annexion der ukrainischen Krim-Halbinsel und der Ukraine-Krise im Jahr 2014 zur Persona non Grata. Am 25. März 2014 schlossen die übrigen Mitglieder der damaligen G8-Treffen Russland aus und kehrten zum Format der G7 zurück. Die G7-Teilnehmer sehen das Vorgehen Russlands auf der Krim und in der Ukraine als unvereinbar mit ihren Werten. Auf der Homepage des Auswärtigen Amtes heißt es hierzu: "Aufgrund der Verletzung der Souveränität und territorialen Unversehrtheit der Ukraine durch die Russische Föderation beschlossen die Staats- und Regierungschefs der G7, sich weiterhin im G7-Format zu treffen bis ein Umfeld hergestellt ist, in dem sinnvolle Gespräche im Rahmen der G8 wieder möglich sind."

Eine mögliche Rückkehr Russlands, die aus den G7 wieder die G8 machen würde, ist nach einem Bericht des "Tagesspiegels" für die Bundesregierung "derzeit kein Thema".  "Russland wurde im Zusammenhang mit der Annexion der Krim und der Aggression im Donbass aus den G8 ausgeschlossen. Diese Problematik besteht nach wie vor." Auch die anderen G7-Teilnehmer drängen aktuell nicht auf eine Wiederaufnahme Russlands in den Kreis der Staats- und Regierungschefs der großen Industriestaaten. Dass die Teilnehmer des G7-Gipfels in Japan eine Rückkehr Moskaus in den Kreis verständigen, gilt als ausgeschlossen.

Wird es beim G7-Gipfel 2016 in Japan wieder große Demonstrationen und Proteste geben?

Bislang ist darüber noch nichts bekannt. Möglich, dass es zu vereinzelten Kundgebungen kommen wird. Größere konzentrierte Proteste wie 2015 in Elmau wird es vermutlich beim G7-Gipfel 2016 in Japan nicht geben. 

Ise-Shima in Japan: Dort findet der G7-Gipfel 2016 statt

Egal ob Lough Erne, Huntsville, Heiligendamm oder Schloss Elmau: Üblicherweise empfangen die Gastgeber eines G7-Gipfels ihre Kollegen in einer malerischen Gegend, die in hohem Maße vom Tourismus profitiert. Das hat zwei Gründe: Zum einen soll die schöne Landschaft als idyllischer Hintergrund für einträchtige Gruppenfotos fungieren. Zum anderen soll der Gipfel-Ort einem weltweiten Publikum präsentiert werden. Was wiederum viele Touristen dorthin ziehen soll.

Nicht anders ist es beim G7-Gipfel 2016 im japanischen Ise-Shima. Ganz unverblümt heißt es in einer Pressemitteilung im Vorfeld des Gipfels: "Die Stadt Ise möchte ihren Bekanntheitsgrad sowohl im Inland als auch weltweit erhöhen und hofft, auch nach dem Gipfel von Ise-Shima ein attraktives Ziel für internationale Touristen zu sein."

Was die Region Ise-Shima zu bieten hat, teilt unter anderem die Botschaft Japans in Deutschland auf ihrer Homepage mit. Im Stile eines Werbe-Prospekts aus dem Reisebüro ist dort zu lesen: "Auf der Halbinsel Shima gelegen, grenzt die Region Ise-Shima in der Präfekur Mie (Zentraljapan) unmittelbar an den Pazifischen Ozean. Die Berge dieser zum Nationalpark erklärten Region erheben sich mit über 500 Metern weit über das Meer, und sie haben damit großen Anteil an der besonderen landschaftlichen Schönheit von Ise-Shima. Vor der Küste mit ihren kleinen Landzungen und Buchten liegen verstreut in der offenen See zahlreiche kleine und größere Inseln. Die ganze Gegend zeichnet sich durch einen äußerst großen Reichtum an Meeresfrüchten aus, und für die Menschen in Japan hat sie darüber hinaus eine ganz besondere Bedeutung."

Ise-Shima ist vor allem in religiöser Hinsicht ein wichtiger Ort. Die japanische Botschaft informiert: "Die besondere Stellung dieser Gegend leitet sich vom Schrein Ise Jingu ab, der zu den wichtigsten Shinto-Schreinen Japans zählt."

Premierminister Shinzo Abe erklärte die Wahl des Gipfel-Ortes so: Man habe den Platz in der Präfektur Mie basierend auf dem Wunsch gewählt, „die Führer der Welt Japans natürliche Schönheit, reiche Kultur und Tradition zu erleben und zu genießen“ lassen. Kritiker werfen Abe vor, den Ort für den G7-Gipfel in Japan vor allem aufgrund seiner nationalistischen Ideologie gewählt zu haben. Er will erklärtermaßen den Mantel des Vergessens über die dunklen Flecken in Japans Geschichte decken (etwa die Kriegsgräuel in China und Korea) und die nationalistische Interpretation von Japans Naturreligion Shinto fördern. Shinzo Abe will die Japaner nach eigenem Bekunden dazu bringen, "stolz" auf ihr Land zu sein. Er kritisiert eine "masochistische" Geschichtsschreibung. Insofern passt ihm der G7-Gipfel in Ise-Shima ganz gut, um die Glorie der japanischen Kultur und Geschichte zu präsentieren.

Diese Themen stehen beim G7-Gipfel 2016 in Japan auf der Tagesordnung

  • Wirtschaftslage, Handel und Unsicherheiten für die globale Konjunktur: Die erste Sitzung beim G7-Giipfel in Japan dreht sich um die Lage der Weltwirtschaft. Die G7 sehen sich als führende Industrienationen, die Lage der Weltwirtschaft ist deswegen bei allen Gipfeltreffen bestimmendes Thema. Angesichts des niedrigen Ölpreises und lahmender Konjunktur in aufsteigenden Volkswirtschaften wie Brasilien und Handelsbarrieren sehen sich die G7 einer Reihe von Risiken für die globale Wirtschaft gegenüber. Japans Ministerpräsident und Gastgeber Shinzo Abe hätte gerne ein gemeinsames Gegensteuern in Form von staatlichen Konjunkturprogrammen. Das lehnt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ab.

Zu erwarten ist, dass sich die G7 für eine Mischung aus Investitionen, Strukturreformen und einer ergänzenden Notenbankpolitik zur Ankurbelung der Weltwirtschaft aussprechen. Zudem stehen sie hinter Freihandelsabkommen wie dem geplanten EU-USA-Handelspakt TTIP und der ebenfalls noch nicht abgeschlossenen Handelsvereinbarung zwischen der EU und Japan. Möglich ist auch, dass die G7 über Maßnahmen gegen Steueroasen sowie über die Gefahren eines Brexit, eines EU-Ausstiegs Großbritanniens, für die Weltwirtschaft sprechen.

  • Russland, der Ukraine-Konflikt und die Werte der G7: Das Treffen ist der dritte Gipfel, seit Russland wegen der Annexion der ukrainischen Krim ausgeschlossen und aus den G8 wieder die G7 wurden. In Japan wird über eine Lösung des Ukraine-Konflikts beraten. Da diese aber in weiter Ferne scheint, wird auch eine Rückkehr Russlands in den Kreis kein Thema sein. Die G7 sehen das Vorgehen Russlands im Ukraine-Konflikt unvereinbar mit ihren Werten - diesen widmen sich die Gipfelteilnehmer in einer gesonderten Diskussion.
  • Syrien-Krieg, Kampf gegen den Terror und die Flüchtlingskrise: Beim G7-Gipfel in Japan werden auch der Krieg in Syrien und die dadurch mitausgelöste Flüchtlingskrise ein wichtiges Thema sein sein. Konkrete Beschlüsse erwartet die Bundesregierung nicht, sondern eher das Bekenntnis, dass "Migration, Flüchtlinge, Terrorismus Themen sind, die kein Staat allein lösen kann". Die G7-Außenminister beschlossen zur Vorbereitung des Gipfels kürzlich eine Erklärung, in der sie der US-geführten Militärkoalition gegen die Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat ihre Unterstützung zusicherten, um den Kampf gegen die Extremisten "zu verstärken und zu beschleunigen".

  • Konflikte in Asien: Gastgeber Japan ist es ein besonderes Anliegen, auch regionale Konflikte zu besprechen. Dazu gehört der Umgang mit dem atomar aufgerüsteten Nordkorea, das durch Atom- und Raketentests für Besorgnis in der Region sorgt. Zudem geht es um diverse Territorialstreitigkeiten. Japan streitet sich mit China um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer. Außerdem beansprucht China fast das gesamte Südchinesische Meer, was für Spannungen mit mehreren asiatischen Ländern sorgt.

    Im Gebiet der umstrittenen Spratly-Inseln lässt Peking derzeit künstliche Inseln aufschütten, um Hafenanlagen und Flugplätze zu bauen. Die USA werfen China vor, mit der Aufschüttung die freie Schifffahrt in der Region zu bedrohen. Peking wiederum wirft der US-Regierung eine Machtdemonstration im Pazifik vor. Tatsächlich zeigte das Pentagon zuletzt mit der Entsendung von Kriegsschiffen in das Gebiet Stärke.

  • Energie und Klima, Gesundheitspolitik und Frauen: Beim G7-Gipfel 2015 im bayerischen Elmau sprachen sich die Teilnehmer in der Energiepolitik für ein Ende des fossilen Zeitalters aus. In Japan wollen sie sich dafür stark machen, dass die Beschlüsse der Pariser Klimakonferenz vom Dezember umgesetzt werden. Zudem wollen sich die G7 dafür einsetzen, dass sich die internationale Gemeinschaft besser auf die Bekämpfung gefährlicher Krankheiten wie Ebola vorbereitet. Außerdem wollen sie eine bessere Ausbildung von Frauen und deren Präsenz in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen fordern.

Mit welchen Interessen gehen die Staats- und Regierungschefs zum G7-Gipfel 2016 in Japan? Und wo kann es krachen?

Natürlich will jeder der sieben Staats- und Regierungschefs beim G7-Gipfel in Japan das Maximale für sein eigenes Land herausholen. Bei widerstreitenden Interessen sind Konflikte vorprogrammiert. Wir haben zusammengefasst, mit welchen Zielen jeder der Teilnehmer zum G7-Gipfel in Ise-Shima fährt - und bei welchen Themen es krachen könnte. 

  • Japans Premierminister Shinzo Abe braucht innenpolitisch ein Signal für die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums. Aber Abe muss sich wohl damit abfinden, dass die G7-Gruppe führender westlicher Industrienationen auf ihrem Gipfel Ende Mai kein gemeinsames Konjunkturprogramm ausrufen wird. Die G7-Finanzminister und Notenbankchefs jedenfalls halten so gar nichts von einer konzertierten Aktion zur Ankurbelung der Weltwirtschaft, wie sie sich Gastgeber Japan erhofft hatte. Statt Konjunkturpaketen auf Pump setzt die Siebenergruppe um die USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada auf einen „Dreiklang“ aus Fiskal- und Geldpolitik sowie Strukturreformen. Angesichts der unterschiedlichen Ausgangslage sollte jedes Land doch jeweils seinen Beitrag für mehr und für stabiles Wachstum leisten. Zumal die Lage der Weltwirtschaft ja weniger schlecht sei, als noch vor Monaten befürchtet. Ein typischer Formelkompromiss also, der die Differenzen vor dem Gipfel der G7-Spitzen in Ise Shima erst einmal überdeckt.

    Und ein Signal, mit dem vor allem Wolfgang Schäuble (CDU) gut leben kann. Der deutsche Kassenwart hatte sich mehrfach besorgt über die expansive Fiskal- und Geldpolitik geäußert, die Japans Regierungschef Abe unter dem Namen „Abenomics“ auslöste. Beim Treffen der G7-Finanzminister - und Notenbankchefs im japanischen Sendai legte Schäuble nach - ohne Namen zu nennen: Die Nervosität an den Finanzmärkten sei Folge der weltweit hohen Staatsverschuldung und lockeren Geldpolitik. Prognose: Shinzo Abe wird auf dem G7-Gipfel in Japan wohl wieder ein Konjunkturprogramm ins Gespräch bringen. Aber seine Kollegen werden ihn umgehend ausbremsen.

  • Mit den USA liegt Japan in der Währungspolitik im Clinch. Hier könnte es krachen! Die japanische Regierung sieht in der massiven Aufwertung des Yen gegenüber dem Dollar ein Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Die starke Währung verteuert Exporte und erschwert es japanischen Unternehmen, Waren im Ausland zu verkaufen.

    So warnte Finanzminister Taro Aso mehrfach nicht nur vor übertriebenen Wechselkursschwankungen und erinnerte an die Verpflichtungen der G7 und der G20-Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, für stabile Wechselkurse zu sorgen. Aso drohte auch mit Interventionen, sollte der Yen noch stärker zulegen. Washington hält davon nichts und meint, dass sich die Entwicklung an den Devisenmärkten durchaus in geordneten Bahnen abspiele. Anders als Aso stuft das US-Finanzministerium auch die Bewegung des Yen als normal ein, weshalb es keinen Grund gebe für Interventionen. International sei verabredet, jeden Konflikt um Wechselkurse zu vermeiden. Klar ist aber auch, dass von einem schwachen Dollar natürlich die US-Wirtschaft profitiert.

    Erst Ende April hatte das US-Finanzministerium Japan zusammen mit China, Taiwan und Südkorea wegen deren Währungspolitik auf eine „Beobachtungsliste“ gesetzt. Sowohl die G7 als auch die G20 hatten sich zuletzt dazu bekannt, keine „Währungskriege“ zu führen und sich gegenüber den Partnern keine Vorteile zu verschaffen - etwa durch Abwertungen der eigenen Währung.

  • Für Kanzlerin Merkel ist die Flüchtlingskrise derzeit das wichtigste Thema. Sie braucht ein Signal für gemeinsame Anstrengungen in der Flüchtlingskrise. Würden sich die anderen sechs Staats- und Regierungschefs mit ihr solidarisieren, wäre die Botschaft an die eigenen Bürger: Fluchtursachen werden gemeinsam und stärker bekämpft, Deutschland wird mit dem Problem nicht allein gelassen. So eine Botschaft wäre für die Kanzlerin wichtig, wenn die Zusammenarbeit mit der Türkei in der Flüchtlingskrise platzt. Ähnliches gilt auch für Italien.
  • Frankreich wiederum, das 2015 zwei fürchterliche Terroranschläge erlebte, braucht entsprechende Solidaritätsbekundungen für den Anti-Terror-Kampf.
  • Was Großbritannien betrifft, dreht sich derzeit alles um die Frage, ob die Bevölkerung bei dem Referendum am 23. Juni gegen einen Verbleib des Landes in der Europäischen Union stimmt, also den "Brexit" beschließt. Von US-Präsident Barack Obama bis zu Merkel wird die Runde in Japan Premierminister David Cameron noch einmal die harten Konsequenzen für sein Land auch in Finanz- und Wirtschaftsfragen vor Augen führen. Bei David Cameron müssen die G7-Kollegen allerdings keine große Überzeugungsarbeit leisten. Der britische Premierminister ist ein erklärter "Brexit"-Gegner. Er warnt laufend vor den wirtschaftlichen Folgen im Falle eines EU-Austritts. Möglich, dass die G7-Teilnehmer in einer gemeinsamen Erklärung die Briten auffordern, beim Referendum für den Verbleib in der EU zu stimmen. 
  • Erstmals ist in der Runde Kanadas neuer Premierminister Justin Trudeau dabei. Im Kanzleramt gilt Trudeau als „Grüner“, auf den Merkel in ihrem Bestreben nach weiterem international koordiniertem Vorgehen beim Klimaschutz setzen kann. Sie wird die Gelegenheit nutzen, mit dem 44-Jährigen allein zu sprechen. Für solche vertraulichen Gespräche bietet das Format der G7-Gipfel die besten Rahmenbedingungen. Hier sind keine Konflikte zu erwarten. Merkel und ihre Kollegen wollen Trudeau auf dessen Interessen und Pläne abklopfen.

Wird Kanzlerin Merkel beim G7-Gipfel in Japan auch andere Orte außer Ise-Shima besuchen?

Nein. Das schloss die Kanzlerin auf einer Pressekonferenz nach dem Besuch des japanischen Ministerpräsidenten Anfang Mai auf Schloss Meseberg (dem Gästehaus der Bundesregierung) explizit aus. Auf die Frage, ob sie in Japan auch Hiroshima besuchen wolle, antwortete Merkel: "Ganz ehrlich gesagt ist mein Plan, in Japan Ise-Shima zu besuchen und keine weiteren Orte zu besuchen." Bei dem straffen Gipfel-Programm innerhalb von zwei Tagen bleibt für Besuche außerhalb von Ise-Shima realistischerweise auch keine Zeit. 

Wo fanden die G7-Gipfel bislang statt?

Hier finden Sie eine Übersicht aller bisherigen G6-, G7-, und G8-Gipfel.

Jahr

Ort

Gastgeber

1975

G6-Gipfel in Rambouillet

Frankreich

1976

G7-Gipfel in San Juan

USA

1977

G7-Gipfel in London

Großbritannien

1978

G7-Gipfel in Bonn

Bundesrepublik Deutschland

1979

G7-Gipfel in Tokio

Japan

1980

G7-Gipfel in Venedig

Italien

1981

G7-Gipfel in Ottawa

Kanada

1982

G7-Gipfel in Versailles

Frankreich

1983

G7-Gipfel in Williamsburg

USA

1984

G7-Gipfel in London

Großbritannien

1985

G7-Gipfel in Bonn

Bundesrepublik Deutschland

1986

G7-Gipfel in Tokio

Japan

1987

G7-Gipfel in Venedig

Italien

1988

G7-Gipfel in Toronto

Großbritannien

1989

G7-Gipfel in Paris

Frankreich

1990

G7-Gipfel in Houston

USA

1991

G7-Gipfel in London

Großbritannien

1992

G7-Gipfel in München

Deutschland

1993

G7-Gipfel in Tokio

Japan

1994

G7-Gipfel in Neapel

Italien

1995

G7-Gipfel in Halifax

Kanada

1996

G7-Gipfel in Lyon

Frankreich

1997

G7-Gipfel in Denver

USA

1998

G8-Gipfel in Birmingham

Großbritannien

1999

G8-Gipfel in Köln

Deutschland

2000

G8-Gipfel in Okinawa

Japan

2001

G8-Gipfel in Genua

Italien

2002

G8-Gipfel in Kananaskis

Kanada

2003

G8-Gipfel in Évian-les-Bains

Frankreich

2004

G8-Gipfel in Sea Island

USA

2005

G8-Gipfel in Gleneagles

Großbritannien

2006

G8-Gipfel in Sankt Petersburg

Russland

2007

G8-Gipfel in Heiligendamm

Deutschland

2008

G8-Gipfel in Tōyako

Japan

2009

G8-Gipfel in L’Aquila

Italien

2010

G8-Gipfel in Huntsville

Kanada

2011

G8-Gipfel in Deauville

Frankreich

2012

G8-Gipfel in Camp David

USA

2013

G8-Gipfel am Lough Erne

Großbritannien

2014

G7-Gipfel in Brüssel (vor der Krimkrise war zunächst ein G8-Gipfel im russischen Sotschi geplant)

Belgien

2015

G7-Gipfel auf Schloss Elmau

Deutschland

2016

G7-Gipfel in Ise Shima

Japan

fro

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