Mit 38 bei "Explosiv - Der heiße Stuhl"

Kurioser RTL-Auftritt im Video: Ja, das ist wirklich Angela Merkel

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Die 38-jährige Angela Merkel gab sich in der RTL-Show 1992 sehr angriffslustig und redegewandt.

München - Mit 38 Jahren setzte sich Angela Merkel auf den heißen Stuhl des Privatsenders RTL und trat gegen fünf Männer zum Schlagabtausch an. Nicht nur äußerlich ist die heutige Kanzlerin kaum wiederzuerkennen.

Ja, sie ist es wirklich: Angela Merkel, unsere Bundeskanzlerin seit mittlerweile über zehn Jahren. Heute tritt sie als Staatsfrau auf, muss es allen möglichst Recht machen und drückt sich stets diplomatisch aus. Klare Ansagen sind selten.

Doch das war nicht immer so. Bei Youtube ist jetzt ein Video aufgetaucht, das sie bei einem TV-Auftritt im Jahr 1992 zeigt: Merkel, damals 38 Jahre alt, Bundesministerin für Frauen und Jugend - und kampfeslustig. So klar und deutlich, wie sie sich damals in der RTL-Sendung Explosiv - der heiße Stuhl gab, kennt man die Kanzlerin heute gar nicht mehr.

Die Älteren werden sich erinnern: In der Show ging es darum, dass ein einzelner seine Meinung gegen fünf Kandidaten verteidigen muss, die konträrer Ansicht sind. Merkels These damals: Die Gesellschaft verroht durch zu viel Gewalt im Fernsehen. Ihr gegenüber standen Wilfried Baasner (Schauspieler), Jürgen Grimm (Medienforscher), Joachim von Gottberg (Jugendschützer), Christoph Schlingensief (Regisseur) und Dietrich Kuhlbrodt (Oberstaatsanwalt). Und es ging hoch her.

"Sie haben nichts mit der Realität zu tun"

Hier ein ironisch gespieltes "echt?", dort ein sarkastisches "das ist selbst mir ein Begriff" - Merkel hat die Männerrunde mit ihrer Angriffslust voll im Griff. 85 Prozent der Medienforscher sagten damals, laut Merkel, dass es einen Zusammenhang gebe zwischen zu viel Gewalt sehen und dem eigenen Handeln. Darauf stützt sich Merkel, ebenso auf Langzeitstudien aus Amerika und Aussagen von Sozialpädagogen. "Kinder ahmen am nächsten Morgen nach, was sie am gestrigen Nachmittag gesehen haben", meint sie.

Regisseur Schlingensief hält dagegen: "Die Kunst darf so viel Blut zeigen, wie sie will." In seinem Film fängt eine Westfamilie Ostfamilien ein und macht aus diesen mit einer Kettensäge Wurst. Dies sei ein sehr ehrliches Bild zur Wiedervereinigung, sagt er. "Das kann nur einer sagen, der nicht in der DDR gelebt hat. Sie haben mit der Realität nichts zu tun", greift Merkel Schlingensief an.

1992 noch ohne Hand-Raute

Als Schauspieler Baasner sie mit weiteren Vergleichen aus der Reserve locken will, kontert sie: "Meine Herren, mir geht es nicht um einzelne Filme, sondern darum, dass im deutschen Fernsehen am Tag 70 Morde laufen und dass Menschen heute fünfeinhalb Stunden dem Medienkonsum ausgesetzt sind. Das ist genau so lange, wie Erwerbstätige durchschnittlich arbeiten." Als es Gelächter gibt, muss sie schmunzeln und wiederholt: "Durchschnittlich, habe ich gesagt". Man spürt, sie weiß um ihre intellektuelle Überlegenheit. Dennoch irgendwie sympathisch.

Und Merkel bleibt deutlich: "Ich diskutiere heute Abend nicht mit jedem über sein einzelnes Kunstwerk. Aber ich muss sagen, dass ich heutzutage schon froh bin, wenn sich Kinder auf den Schulhöfen nur arg prügeln." 

Merkel wehrt damals schon alle Angriffe souverän ab. Nicht unbedingt im Stile einer Staatsfrau, sondern eben wie eine junge, aufstrebende Politikerin. In einzelnen Gesten und Mimiken erkennt man die heute 61-jährige Angela Merkel in ihr. Doch ihre berühmte Raute hatte sie damals noch nicht.

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