Newsblog zur Flüchtlingskrise

Nach Idomeni-Räumung: "Im Grunde ist es schlimmer geworden"

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Athen/Idomeni - Nur wenige Kilometer von Idomeni entfernt, bauen Flüchtlinge erneut ein improvisiertes Camp auf. Alle Infos und Entwicklungen in unserem Newsblog.

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  • Die griechischen Behörden haben das Flüchtlingscamp in Idomeni räumen lassen.
  • Die Evakuierung lief ruhig ab.
  • Rund 1400 Polizisten waren im Einsatz.
  • EU-Parlamentspräsident Martin Schulz nennt das Camp einen "Schandfleck".
  • Nach der Räumung des Camps entstehen neue wilde Lager im Norden Griechenlands.

Camp von Idomeni: Alle Entwicklungen im Newsblog

+++ Wie bereits berichtet wurde, hat die Räumung des improvisierten Flüchtlingslagers von Idomeni zu vielen kleinen wilden Lagern im Norden Griechenlands geführt. Tausende Flüchtlinge hielten sich weiterhin in Grenznähe zu Mazedonien auf, berichtet der griechische Fernsehsender Skai.

Sie zelteten im Freien in der Nähe von Tankstellen und Hotels sowie nahe der Ortschaft Polikastro. Der griechischen Polizei zufolge sollen sich noch etwas über 4000 Migranten in der Region aufhalten.

"Im Grunde ist es jetzt schlimmer geworden - das Lager in Idomeni war im Laufe der Zeit wenigstens gut organisiert, nicht zuletzt dank der internationalen Hilfsorganisationen", sagte ein Journalist des Senders. Nun gebe es Schwierigkeiten, die weit verstreuten Menschen angemessen zu versorgen; das gelte nicht nur für die "wilden" Camps, sondern auch für die neuen Unterkünfte, die von der griechischen Regierung bereitgestellt wurden. Dort mache den Menschen vor allem die Hitze zu schaffen. In den unklimatisierten Industriegebäuden näherten sich die Temperaturen tagsüber 40 Grad.

Flüchtlinge bauen neue im provisierte Lager

+++ Nur wenige Kilometer vom nordgriechischen Grenzort Idomeni entfernt lassen sich Flüchtlinge und Migranten erneut in einem improvisierten Lager nieder. Die ehemaligen Bewohner des Lagers Idomeni zögen eine Art Plateau im Freien den staatlichen Unterkünften in ausrangierten Industriegebäuden und Kasernen vor, berichtete die Athener Tageszeitung „Kathimerini“ am Samstag.

Viele der Lagerbewohner hatten sich bereits vor einer Woche bei der Ankündigung der Räumung aus Idomeni davongemacht, um nicht in staatliche Aufnahmelager gebracht zu werden. Bei der Räumung seien lediglich 3700 der rund 8500 Migranten umgesiedelt worden, die sich zuletzt in Idomeni aufgehalten hätten. Tausende Verschwundene tauchten nun an anderen Stellen wieder auf, heißt es in dem Bericht.

Die Flüchtlinge und Migranten im Lager von Idomeni hatten bis zuletzt gehofft, dass sich die Grenze nach Mazedonien doch noch öffnen könne. Viele wollen sich aus diesem Grund weiterhin in Grenznähe aufhalten. Die staatlichen Auffanglager hingegen liegen häufig weiter weg im Landesinneren; zudem stehen sie in der Kritik, keine guten Lebensbedingungen zu bieten.

Von 9000 Flüchtlingen wurden nur 5000 evakuiert

+++ Griechische Medien haben ausgerechnet, dass von den rund 9000 Bewohnern des Lagers von Idomeni bei der Räumungsaktion im Laufe der Woche lediglich rund 5000 die Busse bestiegen haben. „Fiasko in Idomeni - 4000 Flüchtlinge mit unbekanntem Verbleib“, schrieb am Freitag das Online-Portal News247. Auch die Behörden wüssten nicht, wohin rund 4000 Menschen verschwunden seien.

Viele sollen sich Augenzeugen zufolge bereits zum Beginn der Woche davongemacht haben, als die Planung zur Räumung des Lagers bekannt wurde. Sie hätten sich in nahegelegenen Wäldern westlich des Camps von Idomeni versteckt, um erneut zu versuchen, über die Grenze nach Mazedonien zu gelangen. Es handele sich vornehmlich um alleinstehende, junge Männer aus Ländern, deren Staatsbürger in Europa meist kein Asyl erhielten, vor allem Pakistaner, Afghanen und Nordafrikaner.

+++ Das wilde Flüchtlingslager von Idomeni ist nach Angaben der griechischen Regierung nahezu geräumt. „Der polizeiliche Teil der Aktion ist beispielhaft verlaufen“, sagte der griechische Migrationsminister Ioannis Mouzalas dem griechischen Fernsehsender „Mega“ am Donnerstag. Es seien nur noch einige Migranten dort. Die Polizei werde in Idomeni bleiben, damit keine Migranten zurückkehren, hieß es. Auch ein kleineres wildes Lager im Hafen von Piräus mit rund 2000 Menschen sowie ein provisorisches staatliches Lager im alten Flughafen von Athen mit etwa 4500 Menschen sollen bald geschlossen werden. Auch diese Menschen sollen in organisierten Lagern untergebracht werden, hieß es.

Schulz: Camp von Idomeni ein "Schandfleck"

+++ EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" von Mittwoch, Idomeni sei ein "Schandfleck für diejenigen Mitgliedsstaaten, die nicht bereit sind, Flüchtlinge aufzunehmen, und die die Griechen mit diesem Problem alleine lassen". Staaten, die die Aufnahme von Flüchtlingen hartnäckig verweigerten, hätten die EU "in solch eine Situation getrieben".

Griechenland stecke in einer tiefen Wirtschafts- und Finanzkrise und benötige auch bei der Flüchtlingsfrage dringend Solidarität und Hilfe, sagte der SPD-Politiker. Griechenland dürfe mit dem "Flüchtlingsproblem" nicht alleine gelassen werden. Er erwarte, dass "alle (EU-)Staaten an der Verteilung teilnehmen".

+++ Vor dem Hintergrund der Räumung Idomenis hat die Grünen-Europaabgeordnete Barbara Lochbihler die Aufnahme von in Griechenland gestrandeten Flüchtlingen in anderen EU-Staaten gefordert. Dazu müsse "weiter an einem europaweiten und gerechten Verteilungssystem" gearbeitet werden, das die Wirtschaftsleistung der Aufnahmeländer und die Zahl der dort bereits aufgenommenen Flüchtlinge berücksichtige, sagte Lochbihler am Dienstag dem Sender SWR Info. Die Räumung selbst bezeichnete Lochbihler allerdings mit Blick auf die unzumutbaren Verhältnisse in Idomeni als richtig.

Räumung des Camps läuft reibungslos ab

+++ Die Räumung des Camps in Idomeni soll nach wie vor reibungslos ablaufen. Reporter zählten bis zum Nachmittag mindestens 25 Busse, die das Lager verließen und ins Landesinnere fuhren. Nach Angaben der Polizei fuhren bis zum Nachmittag 1529 Menschen aus Idomeni ab. Die Aktion sollte bis Einbruch der Dunkelheit fortgesetzt werden und am Mittwochmorgen fortgesetz werden. „Alles wie am Schnürchen. Die Menschen kommen jetzt in bessere Lager“, sagte der Sprecher des Stabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, im griechischen Rundfunk. Diese sind überwiegend in der Region der Hafenstadt Thessaloniki.

Evakuierung in Idomeni: Rund 1400 Polizisten im Einsatz

+++ Berichten zufolge sind bei der Räumung des Lagers, in dem sich über 8000 Migranten befinden, rund 1400 griechische Polizisten im Einsatz. Die Flüchtlinge sollen ins Landesinnere befördert werden. Die ersten Busse haben das Camp bereits verlassen.

+++ Schon seit den Morgenstunden haben Einheiten der Bereitschaftspolizei das Flüchtlingslager weiträumig abgesperrt. „Es werden bereits die ersten Zelte abgebaut. Alles läuft nach Plan“, sagte der Sprecher des Stabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, der Deutschen Presse-Agentur. „Die Aktion wird mehrere Tage dauern. Es wurde bislang keine Gewalt angewendet“, sagte er weiter.

Räumung des Lagers verlief ohne Gewaltanwendung

+++ Die Evakuierung des wilden Lagers von Idomeni im Norden Griechenlands verläuft Medienberichten zufolge ruhig und ohne Gewaltanwendung. Das griechische Staatsfernsehen (ERT) zeigte am Morgen erste Videoaufnahmen aus dem Lager. Migranten und Flüchtlinge sammelten ihr Hab und Gut und stiegen in Busse ein, um in organisierte Auffanglager gefahren zu werden. Dieses Bild ergab sich auch aus Fernsehaufnahmen, die von der mazedonischen Seite der Grenze aus gedreht wurden. Polizisten sprachen mit Migranten, Busse standen bereit. Die Sondereinheiten der griechischen Bereitschaftspolizei waren auf diesen Bildern nicht zu sehen. Die ersten Busse haben bereits Idomeni verlassen. Reporter zählten neun Busse. Die Migranten winkten ihnen aus den Bussen zu.

Camp von Idomeni: Räumung hat begonnen

+++ Ein Hubschrauber überflog die Region. „Wir dürfen nicht ins Lager. Ich sehe mehrere Busse der Bereitschaftspolizei, die in die Richtung des Lagers fahren“, sagte ein Fotograf der Deutschen Presse-Agentur vor Ort. Auch das staatliche Fernsehen (ERT) bestätigte unter Berufung auf Polizeiquellen den Start der Aktion.

Wie der Sprecher des Stabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, am Vortag der dpa gesagt hatte, werde die Aktion mehrere Tag dauern. „Wir wollen keine Gewalt anwenden. Die Evakuierung wird bis zu zehn Tage lang dauern“, sagte er. Die Menschen sollen in organisierten Auffanglagern untergebracht werden.

An der Aktion nehmen nach Berichten griechischer Medien rund 1400 Polizisten teil. Im wilden Lager von Idomeni harren seit Monaten Tausende Migranten und Flüchtlinge aus. Sie hoffen, dass die Balkanroute doch noch wieder aufgemacht wird, damit sie nach Mitteleuropa weiterreisen können.

Am Vortag hatten Augenzeugen dutzende Migranten beobachtet, die das Lager von Idomeni verließen, um sich offenbar in den Feldern der Region zu verstecken. Andere Migranten, fuhren freiwillig in andere Lager. Es waren hauptsächlich Familien.

dpa/AFP

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