Kliniken warnen vor “gesundheitspolitischem GAU“

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Warnung vor Kostenexplosion: Wegen des demografischen Wandels und des medizinischen Fortschritts würden die Ausgaben für Gesundheit immer weiter steigen, warnt der Krankenhaustag.

Düsseldorf - Die deutschen Kliniken warnen vor einer Kostenexplosion und einem “gesundheitspolitischen GAU“. Die Gründe, warum die Mediziner vorhersagen, dass die Gesundheits-Ausgaben weiter drastisch steigen werden:

Wegen des demografischen Wandels und des medizinischen Fortschritts würden die Ausgaben für Gesundheit immer weiter steigen, warnten Fachleute auf dem 33. Deutschen Krankenhaustag am Mittwoch in Düsseldorf. Da helfe auf Dauer auch die gerade beschlossene Gesundheitsreform nichts, mit der Bundesminister Philipp Rösler (FDP) das Milliardendefizit der Krankenkassen eindämmen will.

Rösler selbst widersprach allerdings. Mit der gerade verabschiedeten Gesundheitsreform bleibe das Gesundheitssystem und auch die Krankenhausversorgung finanzierbar. Denn damit würden nicht nur die kurzfristigen Finanzprobleme angegangen, sondern auch “die Grundlagen für ein neues Finanzierungssystem gelegt“, betonte der FDP-Politiker. Dafür müssten alle Beteiligten einen Beitrag leisten, auch die Krankenhäuser. Darüber hinaus müssten die Strukturen so ausgestaltet werden, dass “eine gute, innovative und wohnortnahe Patientenversorgung auch in Zukunft gewährleistet werden kann“.

“Kein großer Wurf“

Die Krankenhausärzte sehen die Situation dagegen als dramatisch. Ohne grundsätzliches Gegensteuern drohten Kassenbeiträge von 20 Prozent im Jahr 2020 und sogar bis zu 42 Prozent 2050, sagte der Präsident des Verbandes der leitenden Krankenhausärzte Deutschlands, Hans-Fred Weiser. “Die Politiker, denen diese Fakten längst bekannt sein müssten, müssen diese Tatsachen endlich zur Kenntnis nehmen und wirksame Handlungskonzepte erarbeiten.“ Röslers GKV-Finanzierungsgesetz hält Weiser “für keinen großen Wurf“. Es greife zur kurzfristigen Stabilisierung der GKV-Ausgaben auf die “seit Jahrzehnten missbrauchten“ Instrumente der Beitragsanhebung für die Versicherten zurück. Da die Versicherten zudem Kostensteigerungen künftig allein zu tragen hätten, werde auch der Solidargedanke in der Sozialversicherung aufgekündigt.

Der Deutsche Krankenhaustag findet traditionell zeitgleich zur weltgrößten Medizin-Fachmesse Medica statt, auf der ebenfalls in Düsseldorf mehr als 4.400 Aussteller aus 60 Ländern alle Neuheiten rund um die ambulante und stationäre medizinische Versorgung vorstellen. Zur Medica wurde für Mittwochnachmittag auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet. Sie wollte gemeinsam mit Rösler einen Rundgang über die Messe machen.

dapd

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