Laut Ex-Frau

Attentäter von Orlando "wollte Polizist werden"

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Der Todesschütze von Orlando, Omar Mateen.

Orlando - Nach dem Blutbad im Nachtclub "Pulse" in Orlando rätseln die Ermittler noch über das Motiv des Attentäters. Freunde beschreiben Mateen als gewalttätig und psychisch instabil.

Freunde, Bekannte und Familienangehörige beschreiben den 29-jährigen Omar Seddique Mateen als impulsiv, gewalttätig und psychisch instabil. "Er konnte von jetzt auf gleich durchdrehen", sagt seine Ex-Frau Sitora Yusufiy, die er geschlagen haben soll. Hass auf Schwule führt Mateens Vater Mir Seddique als mögliches Motiv an. Und das FBI teilt mit, Mateen habe sich kurz vor dem Massaker zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. 

Einige Stücke des Puzzles, die nach dem Anschlag von Orlando nun akribisch zusammengesetzt werden müssen, hatte die US-Bundespolizei FBI bereits in den vergangenen Jahren zusammengetragen. Sie hatte Mateen in den Jahren 2013 und 2014 wiederholt befragt - zu angeblich radikalen Reden bei seiner Arbeit als Sicherheitsmann und zu seinen Kontakten zu dem späteren Selbstmordattentäter Moner Mohammad Abusalha. "Es gab nichts, was eine Fortsetzung der Untersuchung gerechtfertigt hätte", sagt Ronald Hopper vom FBI. 

"Er wollte Polizist werden"

Seit 2007 und bis zum Attentat von Orlando, bei dem er von der Polizei getötet wurde, ging Mateen für das britische Sicherheitsunternehmen G4S seiner Tätigkeit als Wächter nach. "Er wollte Polizist werden", sagt seine Ex-Frau. "Also hat er mit seinen Freunden bei der Polizei trainiert, er hatte einen gültigen Waffenschein für Florida." 

Wenige Tage vor dem Anschlag kaufte Mateen ein Gewehr und eine Faustfeuerwaffe. Die Ex-Frau legt in ihrer Beschreibung Mateens den Akzent auf seine aufbrausende, unberechenbare Seite, nicht auf einen islamischen Fundamentalismus. "Er war psychisch instabil, psychisch krank", sagte Sitora Yusufiy. Er habe Steroide konsumiert, die bei falscher Dosierung Psychosen auslösen können, auch Paranoia. 2011 sei sie von ihrer Familie "seinen Armen entrissen" und damit "gerettet" worden. 

In der vergangenen Woche soll er traurig gewirkt haben

Sadeen hat afghanische Wurzeln, geboren wurde er aber in New York. Sein Vater, Mir Seddique, ist in den afghanischen politischen Zirkeln in den USA eine kleine Berühmtheit. In der "Durand Jirga Show" macht er via YouTube Stimmung gegen die pakistanische Regierung. Gelegentlich ließ er einen überspannten Plan einfließen, er wolle afghanischer Präsident werden. Dass sein Sohn durch den Islam zu seiner Tat ermuntert worden sei, hält Seddique für ausgeschlossen: "Das hat nichts mit Religion zu tun." Er verweist vielmehr auf dessen Abneigung gegen Schwule und beschreibt eine Strandszene aus Miami, bei der sein Sohn über ein sich küssende Schwulenpaar "sehr wütend" geworden sei. 

Das meint auch Syed Shafeeq Rahman, der Imam des Islamischen Zentrums von Fort Pierce, das Mateen ab 2003 aufsuchte. "Das habe ich niemals erwartet", sagt Rahman nach dem Massaker von Orlando, einen Koran in der Hand. "Wir unterrichten Frieden und Gerechtigkeit." 

50 Tote nach Blutbad in US-Schwulenclub - Bilder

In dem Islamischen Zentrum tauchte Mateen noch in der vergangenen Woche mit seinem kleinen Sohn auf. Einer der anderen Gläubigen aus der Moschee, Bedar Bakht, sagt, Mateen habe in der vergangenen Woche sehr traurig und in sich gekehrt gewirkt. "Vielleicht hat er Ärger gehabt." Mateen habe sonst gerne über religiöse Fragen gesprochen. Wenn er mit etwas nicht einverstanden gewesen sei, habe er es direkt gesagt, er habe furchteinflößend wirken können.

afp

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