Westen warnt Moskau

Bombardements in Aleppo gehen weiter

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Das syrische Regime hat die Bombardierung der Rebellenhochburg Aleppo einstweilen gestoppt. 

Damaskus/Aleppo - Für ein paar Stunden war es still in Aleppo, dann setzten das syrische Regime und seine Verbündeten die tödlichen Bombardements fort. Der Westen spricht von "Kriegsverbrechen" und warnt Russland.

Das syrische Regime setzt seine Luftangriffe auf Aleppo fort. Das berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Angaben über Tote oder Verletzte lägen noch nicht vor.

Nach heftigen internationalen Protesten hatten das syrische Regime und seine Verbündeten die Luftangriffe auf die umkämpfte Stadt Aleppo am Sonntagvormittag eingestellt. In der Stadt herrsche vorläufig Ruhe, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Seit dem Zusammenbruch der Waffenruhe vor einer Woche wurden mehr als 180 Menschen getötet. Nach UN-Angaben handelte es sich um die schwersten Luftangriffe seit Beginn des Bürgerkrieges 2011.

Westliche Außenminister warnen Russland

Westliche Außenminister hatten von Russland ein Ende der eskalierenden Gewalt gefordert. Es liege an Moskau, die diplomatischen Bemühungen als mächtiger Verbündeter des Assad-Regimes zu retten. Die Stellungnahme der Außenminister der USA, Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und der EU-Außenbeauftragten betonte: „Die Geduld mit Russlands andauernder Unfähigkeit oder Unwilligkeit, sich an seine Verpflichtungen zu halten, ist nicht unbegrenzt“.

Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault rief Russland und den Iran auf, die syrische Regierung zu einem Ende der militärischen Eskalation in Aleppo zu bewegen. „Sonst werden Russland und der Iran Komplizen der in Aleppo begangenen Kriegsverbrechen sein“, warnte Ayrault in einer am Sonntag verbreiteten Mitteilung. Das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad habe sich offensichtlich zu einer militärischen Eskalation entschieden. „Ich rufe seine Unterstützer Russland und Iran daher auf, sich zusammenzureißen und Verantwortung zu zeigen, indem sie dieser Strategie Einhalt gebieten, die in eine Sackgasse führt“, erklärte er.

Die Ereignisse in Syrien, insbesondere in Aleppo, stünden im eklatanten Widerspruch zur russischen Behauptung, eine diplomatische Lösung in Syrien zu unterstützen.

Ban Ki-Moon zeigt sich erschüttert 

Der Abwurf von sogenannten bunkerbrechenden Bomben auf Aleppo ist nach Worten von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon nichts anderes als „Barbarei“. Ban sagte am Sonntag in New York: „Wir dürfen nicht vergessen, dass Krankenhäuser und Schulen wegen der Kämpfe nur noch im Keller arbeiten können. Diese Bomben sprengen nicht Bunker, sie vernichten Menschen, die nach dem letzten noch verbliebenen Zufluchtsort suchen.“

Das internationale Recht lasse keine Zweifel zu, wiederholte Ban in einer Erklärung am UN-Hauptsitz: „Der systematische Einsatz von weitreichenden Waffen in dicht besiedelten Gebieten ist ein Kriegsverbrechen.“ Wie lange wollten Regierungen, die Einfluss auf das Chaos haben, derartige Verbrechen noch erlauben, fragte Ban am Rande einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates zu Aleppo. Er appelliere an alle Betroffenen, „den Alptraum zu beenden.“

Moon hatte sich zuvor „erschüttert über die schreckenerregende militärische Eskalation“ im Aleppo geäußert. Aleppo sei der „anhaltendsten und schwersten Bombardierung“ seit Beginn der Syrienkrise 2011 ausgesetzt.

Russland verbittet sich Kritik

Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa entgegnete: „Ich erinnere mich an die 2000er Jahre. Damals forderte man von Russland, sich der richtigen Seite der Geschichte gegen den Irak anzuschließen“. Jetzt fordere der Westen von Moskau wiederum Beweise für den Friedenswillen in Syrien. „Wer von Russland Beweise für seinen Friedenswillen fordert, soll erstmal selbst beweisen, dass er kein Aggressor in Bezug auf Länder der Region ist“, sagte sie der Agentur Interfax zufolge. Bisher zeige die Geschichte das Gegenteil.

dpa

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