Spekulationen nach beiläufigen Sätzen

Schickt Seehofer Söder 2017 nach Berlin?

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Krawatte? In Ordnung. Den Rest der CSU versetzt Horst Seehofer (hier bei einem Fernsehinterview am Rande der Oberpfalz-Klausur) mit Andeutungen in kreative Unordnung.

Schwarzenfeld - Mit ein paar beiläufigen Sätzen bringt Horst Seehofer das Personalkarussell für 2017 in Schwung. Parteifreunde erfreuen sich an der Idee, Markus Söder nach Berlin zu schicken. Der Betroffene findet das nicht so lustig.

Es sieht aus wie ein wundervoller Termin für den Heimatminister. 20.000 Besucher strömen bei Sonnenschein zum großen Viehscheid im Allgäu, er als Ehrengast zwischen riesigen Kuhglocken, sogar die Krawatte passt perfekt zum Blumenschmuck der Tiere. „Bayern, unser Land“, sagt Markus Söder stolz. Einen kleinen Haken gibt es: Zeitgleich sitzen drei Fahrstunden entfernt die wichtigsten CSUler zusammen und fragen sich, ob Söder aus Bayern nicht nach Berlin versetzt werden sollte.

Er hat die CSU-Klausur in der Oberpfalz für den Termin verlassen, lang vorher angekündigt. Es war ja kaum absehbar, dass dort so viel über ihn geredet würde. Zu verdanken hat Söder das seinem Parteichef. Hinter verschlossenen, aber nie schalldichten Türen machte Horst Seehofer Andeutungen über die Bundestagswahl im Herbst 2017.

Seehofer will vor Frühjahr keine Personaldebatte

Man brauche die beste Mannschaft für Berlin. Das sei „von existenzieller Bedeutung“ für die CSU. Seehofer deutete an, ein Nein von Münchner Ministern für eine Umsetzung nach Berlin nicht zu akzeptieren. Er habe sich 2008 den Wechsel nach München auch nicht ausgesucht, mit finanziellen Einbußen. Aus Versehen rutschen solche Sätze kaum heraus. Seehofer will zwar vor Frühjahr offiziell keine Personaldebatte. Aber er will in den nächsten Wochen sondieren, wer CSU-Nr-1 in Berlin sein könnte.

Dort hat er ein dickes Dilemma. Seehofers Basis strebt immer weiter weg von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Er will gleichzeitig eine Kurswende in der Flüchtlingspolitik erzwingen, weiß aber nicht, ob das noch klappt. Zur Wahl 2017 muss Seehofer einen Kandidaten vorzeigen, der als glaubwürdiges Korrektiv zu Merkel taugt. Seinen Bundestagsabgeordneten traut er da wenig zu. Söder dürfte er im Auge haben und Innenminister Joachim Herrmann, auch den Brüsseler Fraktionschef Manfred Weber. Auf sie erhöht er den Druck. Herrmann hatte 2011 für Berlin abgesagt, was den Chef noch heute ärgert. Söder bekundete auf Nachfrage unlängst, seine Zukunft liege in Bayern. Seehofer sagt deshalb einen komplizierten, im Kern gemeinen Satz: „Wer dann, wenn es notwendig ist, sich einer Verantwortung zu stellen, diese Verantwortung nicht wahrnehmen will, der bekommt sie später auch nicht.“

Im Zweifel muss Seehofer selbst kandidieren

Dilemma zwei: Falls er keinen findet, muss er selbst ran und 2017 für Berlin kandidieren. Stapelweise Post mit der Forderung sogar nach einer Kanzlerkandidatur kam zuletzt in der CSU-Zentrale an. Die „Welt am Sonntag“ berichtet von einer Umfrage, nach der 42 Prozent einem Kanzlerkandidaten Seehofer größere Chancen als Angela Merkel zurechnen. Seehofer will sich darauf aber nicht festlegen. „Das gehört nicht zu unserer Gedankenwelt“, sagt er nur – eine abgewogene, bewusst weiche Formulierung.

Parteifreunde, die wahrlich nicht Söders Freunde sind, steigen fröhlich in die Debatte ein, natürlich ohne ihn zu nennen. Oberbayerns CSU-Chefin Ilse Aigner erinnert an ihren Wechsel aus Berlin nach Bayern 2013. Sie habe das getan, weil sie „gebraucht wurde“. Das erwarte sie nun auch von jedem anderen. Bundesminister Alexander Dobrindt stellt sich in den Innenhof des Tagungszentrums und verkündet: „Politik ist kein Ponyhof.“ Die CSU stehe 2017 vor einer der schwierigsten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte. „Dabei geht’s nicht um Spezialwünsche und Eitelkeiten. Jeder hat die Pflicht, die Verantwortung zu übernehmen, für die er eingeteilt wird.“ Einteilen wird, findet er, Seehofer – sonst keiner.

Söder: "Ich bleibe Bayern treu"

Ob am Ende einer umzieht, und wer, taugt zur Machtfrage in der CSU. Söder lehnt nochmal dankend ab. Er habe alles dazu gesagt, erklärt er am Sonntag, „Ich bleibe Bayern treu. Schuster, bleib’ bei Deinen Leisten.“ Ihm dürfte die Debatte unrecht sein. Er plant eher, in München als Ministerpräsident auf Seehofer zu folgen. Die Spekulationen dürften den Burgfrieden der beiden Alphatiere gefährden, sagen Parteifreunde.

Davon abgesehen, endet die Klausur harmonisch. Einstimmig beschließt der Parteivorstand einen Stapel Positionspapiere, auch jene zur Asylpolitik. Der Konflikt mit der CDU bleibt allerdings. Seehofer betont, er wolle keinesfalls aus Gründen der Koalitionsharmonie auf die Forderung nach einer Obergrenze verzichten. „Was zur DNA einer Partei gehört, darf man nicht zur Disposition stellen.“

Offen lässt er, ob Merkel Anfang November zum CSU-Parteitag nach München eingeladen wird. Bayerns Junge Union stellt sogar eine Art Ultimatum. „Nur wenn Merkel vorher einen Umschwung macht, ist sie herzlich willkommen“, sagt Landeschef Hans Reichhart, und verlangt unter anderem ein Einwanderungsbegrenzungsgesetz.

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