Auszeit mit Gebet und Bibel: Seehofer geht ins Kloster

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Ein Bett, ein Kreuz, viel Stille: Für vier Tage zieht sich Horst Seehofer in ein Kloster zurück. Er will beten, lesen, schweigen. Die Zisterzienserinnen in Waldsassen nehmen den Regierungschef auf.

München - Ein Bett, ein Kreuz, viel Stille: Für vier Tage zieht sich Horst Seehofer in ein Kloster zurück. Er will beten, lesen, schweigen. Die Zisterzienserinnen in Waldsassen nehmen den Regierungschef auf.

Die Pflicht beginnt im Morgengrauen. Gegen 5.45 Uhr, kurz vor Sonnenaufgang, klingen die Laudes durch das Kloster. Die Morgenlobpreisungen heißen einen Tag willkommen, der streng reglementiert ist. Meditation, um 6.30 Uhr Eucharistiefeier, später Tagesweihe und die Hore zum Heiligen Geist. Dann Arbeit, „labora“. So weit die Ordnung bis 8.15 Uhr.

Horst Seehofer ist eigentlich ein Politiker, der sich seinen Tagesplan nicht bis zum Bersten vollpacken lässt. Am heutigen Gründonnerstag aber schließt er sich dem strengen Klosterleben an. Für vier Tage zieht das Ehepaar Seehofer zu den Zisterzienserinnen nach Waldsassen. Es soll eine Phase der inneren Einkehr werden, sagt er: „Die Möbel im Kopf aufräumen.“

Die Abtei in Waldsassen, bald 900 Jahre alt, hatte Seehofer vor einem Jahr eingeladen. Der Ministerpräsident und Äbtissin Laetitia Fech kennen sich persönlich von seinen Oberpfalz-Reisen. Sie trägt die Verfassungsmedaille in Silber, er kam auch zur Feier des renovierten Klosters im März 2011. Für mehr als 25 Millionen Euro waren Klosterflügel, Aula, Kirche und Fassaden saniert und das Gästehaus eingebaut worden, in dem Seehofer wohnen soll.

Vier Tage Kloster – das heißt auch, drei Nächte Stillschweigen. Ohnehin will Seehofer in diesen Tagen möglichst wenig Außenkontakt. Kein Beamter wird ihn begleiten, die Sicherheitsleute halten so viel Distanz wie möglich. Den Mitarbeitern wünschte er bereits Frohe Ostern – was auch so viel heißt wie: Gönnt mir diese Zeit der Ruhe. Sein Handy reist mit, soll aber fast immer ausgeschaltet bleiben. Ein kleiner Zirkel nur weiß, wie man den Regierungschef im Notfall erreichen kann, wenn ihn die Kanzlerin dringend sprechen will zum Beispiel.

„Erfahren, was im Leben wichtig ist“, nennt das Äbtissin Laetitia. Die Welt draußen zu vergessen, dem Hamsterrad zu entkommen – ein Ziel, das schon manche Spitzenpolitiker im Kloster suchten. Ex-Bundespräsident Christian Wulff zog sich nach seinem Rücktritt hinter dicke Mauern zurück; man sagt, ein Tipp von Seehofer. Etliche CSU-Herren, darunter Alois Glück, Siegfried Schneider, Otmar Bernhard, pilgerten zu den griechischen Athos-Klöstern.

Rund 265 Klöster bieten in Deutschland solche Auszeiten an – von kurzen Exerzitien bis zu mehreren Wochen, von spartanisch bis komfortabel. Nach Daten der Ordensoberenkonferenz kommen 255 000 Besucher pro Jahr; nur 76 Prozent katholisch.

Prominente Gäste machen über ihren Kloster-Aufenthalt meist wenig Aufhebens. „Es geht schlicht darum, dass Sie auch mal abschalten dürfen“, sagt Notker Wolf, Abtprimas des Benediktinerordens: „Ruhe, um über das Leben, über das ganze Tun nachzudenken. Einmal nicht getrieben werden – da wird man wieder Mensch.“ Für Politiker und Spitzenmanager, sagt der Abtprimas des ältesten Ordens, hat das Eintauchen in den Kloster-Alltag einen weiteren Reiz: Sie sind dort nichts Besonderes, sind Gleicher und Gleichen, „schlicht Mensch unter Menschen“.

Seehofer wird der Alltag früh genug einholen. Am Ostersonntag startet seine Dienstreise nach Brasilien. Wird er sie geläutert antreten? Seehofer hat Kloster-Erfahrung. Mehrfach, schon als Gesundheitsminister, suchte er Ruhe bei den Orden. Und fand sie auch. Einmal, erzählt er, sei er „fix und foxi ins Benediktinerkloster Plankstetten gekommen. Als ich wieder ging, sagt der Abt zu mir, ohne dass ich ihn gefragt habe: Sie gehen anders, als Sie gekommen sind.

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER UND JÖRG SÄUBERLICH

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