Trotz deutschem Atomausstieg

Seehofer will Atomkraft in China fördern

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Horst Seehofer zu Besuch in China.

Guangzhou - So weit weg von zu Hause hat Horst Seehofer den Atomausstieg anscheinend völlig vergessen. Denn der bayerische Ministerpräsident will künftig die Kernkraft in China fördern.

Trotz Atomausstiegs in Deutschland will die Staatsregierung bei ihrer Partnerschaft mit der chinesischen Provinz Guangdong die Kernkraft fördern. In der am Freitag von Ministerpräsident Horst Seehofer und Gouverneur Zhu Xiaodan in der Provinzhauptstadt Guangzhou unterzeichneten Absichtserklärung werden sowohl Öko-Energie als auch Atomkraft als ein Feld der Zusammenarbeit genannt. „Dabei sollen Unternehmen und Forschungseinrichtungen gleichermaßen unterstützt werden, insbesondere solche, die in der Entwicklung und Nutzung der Solar-, Biomasse, Wind- und Kernenergie tätig sind“, heißt es in dem Papier.

Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause kritisierte das: „Ich finde es scheinheilig, auf der einen Seite die Energiewende loben zu lassen und auf der anderen die Atomenergie zu unterstützen“, sagte sie. „Ich finde nicht, dass wir der Atomenergiesparte von Siemens die Türen öffnen sollten.“ Bause ist Mitglied der bayerischen Delegation in Guangzhou.

Die früher unter dem Namen Kanton bekannte südchinesische Metropole wird möglicherweise bald näher an Bayern heranrücken. Bei seinem Gespräch mit Provinzgouverneur Zhu und Parteisekretär Hu Chunhua trug Seehofer den Wunsch des Münchner Flughafens nach einer direkten Flugverbindung in die über 100 Millionen Einwohner zählende Provinz vor. Beide sagten ihre Unterstützung zu. „Die chinesische Seite hat sofort erklärt, die Chancen stehen gut“, sagte der CSU-Chef. Der Freie-Wähler-Abgeordnete Thorsten Glauber und Bause sagten, die Chinesen forderten dabei die Beteiligung einer einheimischen Fluggesellschaft.

Das Handelsvolumen Bayerns mit China hat sich seit der Jahrtausendwende in etwa verzehnfacht. Allein im ersten Halbjahr 2014 legten die bayerischen Exporte in die Volksrepublik um 11 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro zu.

Guangdong ist neben Schanghai die wirtschaftlich stärkste Region des Landes, in der viele deutsche Unternehmen präsent sind. Dazu gehören Daimler, MTU und der Volkswagen-Konzern, der mit seinem chinesischen Partner FAW 2013 ein neues Werk in der Stadt Foshan eröffnete - eine Investition von einer Milliarde Euro. Dort werden sowohl VW- als auch Audi-Fahrzeuge produziert. China sei der größte Markt für Audi, sagte Finanzvorstand Axel Strotbek bei einer Werksbesichtigung. Der Ingolstädter Autohersteller wolle die Produktionskapazität in der Volksrepublik von derzeit 400 000 auf 700 000 Autos im Jahr steigern.

Die chinesischen Gastgeber brachten ihrerseits einen Wunsch vor: die Ausbildung von Fußballtrainern durch den FC Bayern München. „Wir werden eine Kooperation mit der Provinz Guangdong eingehen“, sagte FC-Bayern-Altstar Paul Breitner, der in Seehofers Delegation mit nach China reiste: „Dass wir da ein bissl Schwung reinbringen und für die Zukunft des chinesischen Fußballs einiges tun können.“ China ist auch für den FC Bayern inzwischen ein wichtiger Markt. Im kommenden Jahr ist eine Gastspielreise nach China geplant, außerdem will der Fußballclub ein Büro in der Volksrepublik eröffnen.

Seehofer bleibt noch bis Montag in China. Am Samstag will der Ministerpräsident in Guangdong eine neue bayerische Vertretung eröffnen, am Montag in Peking zum Abschluss Regierungschef Li Keqiang treffen.

dpa

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