Franziskus sprach mehrfach davon

Der Papst, der Dritte Weltkrieg und der IS: Was steckt dahinter?

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Der Dritte Weltkrieg hat für Papst Franziskus bereits begonnen.

München - Papst Franziskus hält den Terror in Paris für einen Teil des Dritten Weltkriegs. So versteht der Papst den Dritten Weltkrieg - und diese Rolle spielt der IS darin. 

Nach den Anschlägen von Paris tobt die Debatte, wie man einen Krieg gegen den Islamischen Staat gewinnen kann. Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem „Kriegsakt“ des IS und kündigte „angemessene Entscheidungen“ an. Premierminister Manuel Valls sagte am Samstagabend dem Sender TF1: „Ja, wir sind im Krieg.“ Auch Bundespräsident Joachim Gauck hat nach den Anschlägen in Paris von einem "Krieg" gesprochen. "Wir leben in Zeiten, in denen wir Opfer einer neuen Art von Krieg beklagen", sagte Gauck am Sonntag in der zentralen Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Berlin. Papst Franziskus geht nach dem Terror in Paris sogar noch weiter als alle Politiker. Er sprach nach den Anschlägen davon, dass sie Teil eines „Dritten Weltkrieges“ seien.

Papst Franziskus sprach mehrfach vom Dritten Weltkrieg

Es war nicht das erste Mal, dass Papst Franziskus den Dritten Weltkrieg ansprach. Mehrfach äußerte er sich auf Papstreisen zu diesem Thema.

  • Bei der Pressekonferenz auf dem Rückflug von seinem Besuch in Südkorea erklärte Papst Franziskus im August 2014: "Heute sind wir in einer Welt des Krieges, überall. Jemand sagte mir: Wissen Sie, Pater, dass wir im Dritten Weltkrieg sind, aber schrittweise. In Kapiteln. Es ist eine Welt im Krieg, in der diese Grausamkeiten begangen werden." Auf die Frage, ob er eine Bombardierung des Islamischen Staates billige, antwortete der Papst: "In diesen Fällen, wo es sich um einen ungerechten Angriff handelt, kann ich nur sagen, dass es legitim ist, dem ungerechten Angreifer Einhalt zu gebieten." Papst Franziskus stellte zudem klar, dass man das Morden des IS ohne Rücksicht auf den Glauben seiner Opfer stoppen müsse: "Zu mir wird gesagt: 'Die Christen, die armen Christen…' Und es ist wahr, sie leiden. Die Märtyrer, ja, es gibt viele Märtyrer. Aber hier gibt es Frauen und Männer, religiöse Minderheiten, nicht alle christlich, und alle sind vor Gott gleich. Die Menschheit hat ein Recht darauf, dem ungerechten Angreifer Einhalt zu gebieten, aber auch der Angreifer hat ein Recht darauf, zurückgehalten zu werden, damit er nicht Böses tut."
  • Bei einer Messe anlässlich des Gedenktages zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs im September 2014 in Italien sagte Papst Franziskus: "Auch heute, nach dem zweiten Scheitern eines weiteren Weltkriegs, kann man vielleicht von einem dritten Krieg reden, der 'in Abschnitten' ausgefochten wird, mit Verbrechen, Massakern, Zerstörungen…"   
  • Bei seinem Besuch in Sarajewo sagte Papst Franziskus am 6. Juni dieses Jahres während einer Messe im Koševo-Stadion: "Es ist eine Art Dritter Weltkrieg, der 'stückweise' geführt wird; und im Bereich der globalen Kommunikation nimmt man ein Klima des Krieges wahr." Der Papst mahnte vor den Teilnehmern der Messe (von denen viele in ihrem Heimatland Bosnien-Herzegowina den Krieg noch selbst erlebten): "Es gibt welche, die ein solches Klima absichtlich schaffen und schüren wollen, insbesondere jene, die den Zusammenstoß zwischen verschiedenen Kulturen und Zivilisationen suchen, und auch jene, die mit den Kriegen spekulieren, um Waffen zu verkaufen."
  • Beim Papstbesuch in Kuba im September erklärte Papst Franziskus während der Willkommenszeremonie: "Die Welt braucht Versöhnung in dieser Atmosphäre des in Etappen geführten 'Dritten Weltkriegs', die wir erleben."

Dritter Weltkrieg: Terrorismus-Expertin unterstützt Sichtweise von Papst Franziskus 

Kurz gefasst: Der Dritte Weltkrieg hat für Papst Franziskus bereits begonnen. "Und zwar in Form einer regelrechten Epidemie von Konflikten, die sich über den ganzen Globus ausbreite und wenig Ähnlichkeit habe mit den zwei Weltkriegen des 20 Jahrhunderts." So beschreibt die italienische Terrorismus-Expertin Loretta Napoleoni die Sichtweise des Papstes in ihrem aktuellen Buch "Die Rückkehr des Kalifats. Der Islamische Staat und die Neuordnung des Nahen Ostens". Sie stimmt Papst Franziskus völlig zu und erläutert ihrerseits: "Die neuen Konflikte erinnern an vormoderne Kriege, in denen die Hauptakteure nicht souveräne Staaten sind, sondern Kriegsherren, Terroristen, Milizen und Söldner; das ultimative Ziel dieser Akteure ist die Gebietseroberung zum Zweck der Ausbeutung dieser Bewohner und der natürlichen Ressourcen." Was natürlich auch zu 100 Prozent auf den Islamischen Staat zutrifft, der ein "Kalifat" errichten will, das sich aktuell über Teile Syriens und des Iraks erstreckt. Allerdings findet der von Papst Franziskus ausgemachte Dritte Weltkrieg laut Napoleoni auch an anderen Fronten statt: In Nigeria wütet Boko Haram. In der Ukraine kämpfen prorussische Separatisten gegen die reguläre Armee. In Libyen kämpfen nach dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi schwer bewaffnete Milizen um die Macht. In Mali bekämpfen sich Tuareg Sepraratisten und islamistische Faktionen gegenseitig. In der Zentralafrikanischen Republik tobt ein Bürgerkrieg. In Westafrika wütet der Terror von al-Qaida im Maghreb.

Allerdings stellt Loretta Napoleoni fest: "Obwohl der Krieg des IS Bestandteil des Dritten Weltkrieges ist, wie ihn Papst Franziskus beschrieben hat, unterscheidet er sich fundamental von den anderen Konflikten, in die bewaffnete Gruppen heute verwickelt sind." Konkret meint Napoleoni: Noch nie wurde vor dem Auftreten des IS versucht, einen Staat durch Terrorismus zu gründen. "Während die Revolution als eine akzeptable Quelle der Legitimität eines modernen Staates erachtet wird, gilt dies nicht für den Terrorismus." Die Strategie des Islamischen Staates könnte zu einem gefährlichen Vorbild für andere bewaffnete Gruppen auf der ganzen Welt werden. 

Der Islamische Staat will den Vatikan erobern und den Papst töten

Papst Franziskus hat mehrfach die Gewalt des IS gegen Christen und Menschen anderer Religionen im Nahen Osten verurteilt. Auch wenn der Vatikan militärischer Gewalt traditionell ablehnend gegenüber steht, hält der Papst das Eingreifen der internationalen Gemeinschaft im Kampf gegen den IS für berechtigt. Solche Äußerungen bleiben natürlich nicht ohne Konsequenzen. Der Islamische Staat droht mit Tod und Gewalt. Im vergangenen Oktober zeigte das Cover des Propaganda- und Rekrutierungsmagazins "Dabiq" in einer Fotomontage den Petersplatz in Rom mit aufgepflanzter IS-Flagge auf dem Obelisken. Der Sprecher des IS, Abu Mohammad al-Adnani, erklärte dazu: "Wir werden euer Rom erobern, eure Kreuze zerbrechen und eure Frauen versklaven, wenn es Allah, der Höchste, gestattet." Sollte der Islamische Staat dies nicht in absehbarer Zeit erreichen, "dann werden es unsere Kinder und Kindeskinder erreichen, und sie werden eure Söhne als Sklaven auf den Sklavenmarkt schicken".

Bereits im September 2014 gab es Hinweise auf Pläne des Islamischen Staates für ein Attentat auf Papst Franziskus. Im Vatikan wurden daraufhin die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Zudem warnte damals der Botschafter Iraks am Heiligen Stuhl, Habib Al-Sadr, dass der IS den Papst im Visier haben könnte.

Plant Islamischer Staat Anschlag auf den Vatikan im "Heiligen Jahr"?

Wie das österreichische Magazin "Der Standard" berichtet, bereitet den Behörden in Italien das von Papst Franziskus ausgerufene "Heilige Jahr der Barmherzigkeit", das am 8. Dezember offiziell eröffnet wird, große Sorgen. Zum Jubiläumsjahr werden über 30 Millionen Pilger in Rom erwartet. Bereits im Vorfeld ist die Befürchtung groß, dass der Islamische Staat Terroristen den Menschenandrang für einen spektakulären Anschlag gegen die Hauptstadt des Christentums nützen könnten. Laut Italiens Innenminister Angelino Alfano sind nach den Anschlägen von Paris bereits 700 Soldaten als Verstärkung nach Rom geschickt worden; sie wären ab dem Beginn des Heiligen Jahres ohnehin vorgesehen gewesen. Laut Alfano ist außerdem im ganzen Land die zweithöchste Sicherheitsstufe ausgerufen worden.

Der Vatikan will "Heiligen Jahr der Barmherzigkeit" festhalten. "Das Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit brauchen wir nun erst recht", betonte Vatikan-Sprecher Pater Federico Lombardi. Es müsse "wachsam, aber gelassen" gefeiert werden. Wenn man sich nun verängstigen lasse, dann hätten die Terroristen ihr wichtigstes Ziel erreicht. "Das ist ein Grund mehr, mit Mut und Entschlossenheit der Versuchung der Angst zu widerstehen", so Lombardi.

Auch Papst Franziskus will sich nicht einschüchtern lassen. Er erklärte zur Terrorgefahr durch den IS: "Alles vergeht: die Kriege, die Kalamitäten, die Desaster. Nur Jesus Christus bleibt. Auf ihn müssen wir vertrauen."

fro

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