So sieht es in der Geister-Stadt aus

Das unendliche Leiden in Aleppo: Diese schonungslosen Bilder schmerzen

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Aleppo - Seit dem Zusammenbruch der Waffenruhe vor einer Woche starben in Aleppo mehr als 180 Menschen, darunter 26 Kinder. Wir zeigen in Bildern, wie schlimm die Lage in Syrien wirklich ist. 

Am Samstag kam es im Ostteil von Aleppo zu schweren Luftangriffen durch die syrische Armee und ihre Verbündeten. Unter den 250.000 eingekesselten Bewohnern befinden sich schätzungsweise 100.000 Kinder, meldet das Kinderhilfswerk Unicef. 

Doch der Terror nimmt kein Ende: Erst am Montagmorgen soll es weitere Bombardements mit folglich schweren Großbränden gegeben haben.

Die Bundesregierung bezeichnet die Geschehnisse als "barbarisches Vorgehen", berichtet der "Spiegel".

Was die Menschen dort erleiden, ist für uns kaum vorstellbar. Wir haben einige Fotos gesammelt, die die dortige Situation schildern.

Die Bilder zeigen wir nicht aus Sensations-Gründen, denn dem Ernst der Situation ist sich jeder bewusst. Doch so grauenhaft es auch ist, diese Bilder stellen die Realität in Aleppo dar. Wir zeigen hier auch einige Fotos, die auf Instagram hochgeladen wurden und deren Herkunft nicht eindeutig verifizierbar ist.

Diese Eltern konnten ihr Baby aus der Zerstörung retten:

"Habe ich ein Verbrechen begangen, als ich in Syrien geboren wurde?", steht auf dieser Zeichnung.

Der Geruch des Todes sei allgegenwärtig, sagen sie im geschundenen Aleppo. Bunkerbrechende Raketen und Brandbomben zielen auf die eingekesselten Zivilisten in der Stadt. Die Welt schaut der gnadenlosen Gewalt ohnmächtig zu.

Dieser Bub hat überlebt.

Während den heftigsten Bombardierungen im syrischen Bürgerkrieg gibt es in den hoffnungslos überfüllten Krankenhäusern Aleppos nur noch Platz auf dem Boden. Kinderschreie hallten durch die blutverschmierten Flure, in denen überall Verwundete lägen, erzählt Ibrahim al-Hadsch, ein Rettungshelfer der Organisation der Weißhelme. "Der Geruch von Blut und Tod ist überall."

Bei den Angriffen wurden zahlreiche Häuser zerstört.

Der gegenwärtig verheerendste Konflikt der Welt erlebt seit Donnerstag eine Eskalation bislang ungekannten Ausmaßes. Der belagerte Ostteil der Stadt erzittert unter den gnadenlosen und nicht aufhörenden Explosionen der Bomben des syrischen Regimes. Gebäude stürzen ein wie Kartenhäuser und begraben unzählige Bewohner unter sich. Immer öfter fällt das Wort "Kriegsverbrechen".

Und der Welt bleibt nichts anderes, als ohnmächtig auf die geteilte Stadt zu schauen, die längst zum traurigen Symbol geworden ist. "In vielerlei Hinsicht (...) ist Aleppo für Syrien das, was Sarajevo für Bosnien war, oder was Guernica für den Spanischen Bürgerkrieg war", sagte Frankreichs UN-Botschafter François Delattre am Sonntag bei der Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats.

Noch vor wenigen Tagen, vor dem Zusammenbruch der kurzen Waffenruhe, hatten Kinder auf den Straßen der Stadt gespielt. Seit Donnerstag dann hörte das Tösen der Kampfjets am Himmel Nordsyriens nicht mehr auf. Das Regime und seine Verbündeten - vor allem Russland und der Iran - schießen den Osten Aleppos sturmreif. Hunderte Unschuldige wurden getötet.

Viele Straßen werden nur noch von ausgebrannten Häuserskeletten gesäumt. Nachdem eine Verteilstation getroffen wurde, sind Unicef zufolge zwei Millionen Menschen in der Stadt ohne fließendes Wasser.

Ein weiteres Bild der Zerstörung.

Der Gewaltherrscher Baschar al-Assad und seine Alliierten setzen dabei Berichten zufolge schwerste Waffen ein. Die neuen Raketen würden auch die Wände von Bunkern durchbrechen, in denen Bewohner Zuflucht suchten, sagt der Aktivist Baha al-Halabi. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon spricht von "Barbarei".

Viele Menschen hoffen auf Hilfe von außen.

Auch international geächtete Fassbomben, Streumunition und Brandbomben würden über den Rebellenteilen der Stadt abgeworfen. "Wir haben Berichte, Videos und Bilder von gemeldeten Brandbombeneinsätzen gesehen, die so gewaltige Feuerbälle erzeugen, dass sie die pechschwarze Dunkelheit in Ost-Aleppo erleuchten, als ob es Tag wäre", sagte UN-Vermittler Staffan de Mistura vor dem Sicherheitsrat. "Zivilisten überall in der Stadt müssen sich fragen, wo auf Erden sie in dieser gequälten Stadt noch sicher sein können."

Dieser Mann trägt den Körper eines Kleinkindes aus den Trümmern.

Mehr als 250.000 Menschen harren im Osten Aleppos aus. Die syrische Armee und ihre Verbündeten haben das Gebiet abgeriegelt. Nichts und niemand kann hinein oder heraus. Bäckereien würden aus Mangel an Zutaten nur alle drei Tage öffnen, erzählt Kameramann Mahmut Raslan. "Aber die Menschen haben Angst, Brot zu kaufen, weil sie die Bombardierung von Bäckereien befürchten." Sie würden ihre Wohnungen nicht mehr verlassen.

Dieses Foto entstand am vergangenen Freitag.

Arzneien und medizinische Ausrüstung sind nach wochenlanger Belagerung Mangelware. "Menschen sterben in großer Zahl, uns fehlt es an allem Möglichen, um mit so schweren Wunden und den vielen Verletzten fertig zu werden", sagt ein Krankenpfleger. 

Ein verletzter Syrer erhält am vergangenen Samstag ärztliche Versorgung.

Das Personal arbeite rund um die Uhr, doch die meisten Patienten bräuchten aufwendige Operationen, für die es in Aleppo keine Ärzte mehr gebe. "Menschen schauen ihren Geliebten zu, wie sie langsam vor ihren Augen sterben. Und wir können nichts machen."

Die Menschen in Aleppo fühlen sich alleine gelassen von der Welt. Sie sind schutzlos einem menschenverachtenden Massaker ausgesetzt. "Aleppo brennt, die wollen den Osten der Stadt von der Karte Syriens ausradieren", schreibt Brita Hagi Hassan, ein Mitglied des oppositionellen Stadtrates von Aleppo. "Und die ganze Welt hält immer noch still."

(Silvia Kluck/ Korr-Bericht von Benno Schwinghammer und Weedah Hamzah, dpa)

Für die Opfer von Aleppo spenden können Sie unter anderem bei UNICEF oder Save The Children oder anderen Hilfsorganisationen.

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