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"Freiheit heißt für mich: Im Keller Edelweiß schnitzen"

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Sepp Fürst: Freiheit hat für ihn viele Gesichter

Freiheit gibt es in vielen Formen und Farben. Und jeder versteht etwas anderes darunter. Wir haben uns auf der Straße umgehört, was Freiheit bedeuten kann.

Freiheit ist der Zustand, unabhängig, nicht unterdrückt oder gefangen zu sein – soweit eine allgemeine Erklärung. Aber was steckt wirklich hinter diesem verheißungsvollen Wort?

Karin Hülle, 55, Verkäuferin aus Rottach-Egern: „Das Leben in Deutschland bedeutet für mich Freiheit. So viele Rechte hat man nirgendwo sonst: Wir sind ein freies Land, wir haben eine Demokratie, die Ausbildungsmöglichkeiten sind gut, es gibt genügend Ärzte. Auch mein Leben am Tegernsee bedeutet für mich Freiheit, weil es sehr beschaulich und ruhig ist und ich alles habe, was ich brauche.“

Daniel Alvarenga, 29, Käsespezialist aus Regensburg: „Ich bin frei, wenn ich alles machen kann, ohne dass ich dafür blöd angeredet werde. Das heißt für mich: Einfach mal nichts machen, spazieren gehen oder Rad fahren. Unfrei sein ist für mich genau das Gegenteil. Einen Gegenstand, der Freiheit für mich bedeutet habe ich nicht. Ein Gegenstand würde ja schon wieder Unfreiheit bedeuten, weil man an etwas gebunden ist.“

Anna Bayerl, 83, Rentnerin aus Pipinsried: „Freiheit bedeutet für mich alles - da kann ich machen, worauf ich Lust habe: Ausruhen, Spazierengehen, es sind Dinge, die mir keiner aufzwingt. Unfrei fühle ich mich, wenn ich von Leuten umgeben bin, die ständig meckern und schlecht drauf sind. Als Freiheit sehe ich es, wenn Menschen da sind, die fröhlich sind und gerne reden.“

Kathrin Baumann, 26, Pressereferentin aus Zwiesel: „Freiheit ist für mich, mich ohne Einschränkungen frei bewegen zu können und mich dabei sicher zu fühlen. Oder ganz allein in der Natur zu sein und sehen, wie alles ohne Pläne funktioniert. Freiheit ist, nicht in gesellschaftlichen Zwängen gefangen zu sein, sondern sich individuell entwickeln zu können. Außerdem heißt frei sein: Gesundheit, reisen und über die eigenen Grenzen gehen.“

Sepp Fürst, 79, Rentner aus Schliersee: „Freiheit ist für mich, wenn ich in der früh aufstehe und meine Frau zu mir sagt: Heute darfst du machen, was du willst. Dann gehe ich in den Keller und schnitze Edelweiß, fahre mit dem Motorrad am Schliersee oder gehe dort zum Baden. Freiheit ist, wenn ich ungezwungen alles machen kann. Manchmal muss man da eben auch dem häuslichen Gegenverkehr aus dem Weg gehen.“

Die Autorin dachte eigentlich auch immer, dass Freiheit bedeutet, alles tun zu dürfen. Nach Erdogans "Säuberungswelle" wurde ihr aber klar, dass in einer Demokratie niemand alles machen darf.

Anna Schwarz, 23, Volontärin bei den Dachauer Nachrichten

Freiweh: Eine Volontärs-Beilage

Dieser Artikel ist ein Teil der Beilage zum Thema Freiheit, die von Volontären des Münchner Merkur und der tz erstellt wurde. Sie haben sich mit der Sache auseinandergesetzt, die jeder will aber kaum einer hat und in unserer Zeit doch selbstverständlich sein sollte. Hier geht es zu einer Übersicht zu allen Artikeln der Beilage.

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