Auch das Freibad ist froh

Syrischer Bademeister in Tübingen: OB Palmer stolz

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Im Sommer gern gesehen: das Freibad.

Tübingen - Im vergangenen Sommer haben einige Vorfälle in deutschen Schwimmbädern für Aufsehen gesorgt. Flüchtlinge hatten Frauen und Mädchen sexuell belästigt. Deutschlands erster syrischer Bademeister versucht es zu erklären.

Tübingens OB Boris Palmer ist stolz auf den ersten syrischen Bademeister in Deutschland.

Aiham Shalghin kann stolz auf sich sein. Der 24-jährige Syrer hat es geschafft. Er ist der erste syrische Bademeister in Tübingen - und das seit Mai dieses Jahres. Oberbürgermeister Boris Palmer freut es. Am Montag verkündete er auf seiner Facebook-Seite: "Die Berichte von sexuellen Übergriffen in öffentlichen Bädern gehören sicher zu den emotionalisierendsten überhaupt", schreibt Palmer. In Tübingen sei das bisher noch nicht vorgekommen und damit das so bleibe, haben die Stadtwerke eine "großartige Präventions- und Integrationsmaßnahme ergriffen".

Der Vorteil von Aiham: Er spricht Arabisch und kann mithilfe seiner Autorität rechtzeitig eingreifen. Ermöglicht hat ihm das die Industrie- und Handelskammer, die im Januar ein Treffen von Flüchtlingen und Unternehmen organisierte. Aiham, der in Damaskus Jura studierte, jobbte in seinem Heimatland schon als Bademeister und spielte in seiner Freizeit Wasserball.

Bademeister Aiham: "Wir hatten keine Zukunft mehr"

"Wir wussten nicht, wann der Krieg nach Damaskus kommt", sagt er zum Schwäbischen Tagblatt. "Wir hatten keine Zukunft mehr." Also machte er sich auf den Weg. Über die Türkei und im Schlauchboot nach Griechenland, weiter mit dem Zug und zu Fuß. Er landete vor einem Jahr in Bruchsal und lebt nun in Tübingen.

Natürlich hat auch er die sexuellen Belästigungen in Schwimmbädern durch die Medien mitbekommen. In Tübingen habe er so etwas noch nicht bemerkt. Sein Erklärungsversuch für die Übergriffe in anderen Badeanstalten: In großen Teilen Syriens gibt es geschlechtergetrennte Schwimmbäder, das heißt Frauen und Männer baden nicht gemeinsam. Viele männliche Flüchtlinge seien noch nie mit Frauen schwimmen gewesen, sagt er. „Einige der Männer wollen Frauen nicht in Badekleidung sehen", vermutet er. Ob das dann auch der einzige Grund ist, ist jedoch fraglich, da es nur wenige Vorfälle im Vergleich zur Anzahl der Flüchtlinge gab.

Schwimmbad: Aihan ist eine große Unterstützung

In Tübingen ist Aihan dem Schwimmbad eine große Unterstützung. "Er ist im Freibad Tübingen eine wertvolle Hilfe als Dolmetscher und Ansprechpartner zu anderen arabisch sprechenden Mitmenschen", stellt ihn sein Arbeitgeber auf Facebook vor.

Aiham hat inzwischen eine Aufenthaltserlaubnis über drei Jahre und eine Arbeitserlaubnis. Die erster Hürde ist gemeistert, doch für sein großes Ziel muss er sich noch strecken: Das Studium der Rechtswissenschaften beenden.

ms

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