Nach Diagnose Lungenentzündung

US-Wahl: Was wäre, wenn Hillary Clinton aufgeben müsste? 

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Hillary Clinton bei der Gedenkfeier zum 11. September. 

New York/München - Über Hillary Clintons Gesundheitszustand kursieren Gerüchte. Der republikanische Kandidat Donald Trump (70) wünschte ihr gute Besserung. Was passieren würde, wenn sie sich zurückziehen müsste, erzählt Prof. James Davis.

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Nach dem Schwächeanfall der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton bei der 9/11-Gedenkfeier gab ihre Wahlkampfleitung bekannt, dass ihr schon am Freitag die Diagnose Lungenentzündung gestellt wurde. Die 68-Jährige werde eine kurze Wahlkampfpause einlegen; sie sagte Termine in Kalifornien ab. Nach der Einnahme eines Antibiotikums geht es Clinton laut ihrer Ärztin wieder besser. Über den Gesundheitszustand der ehemaligen Außenministerin kursieren seit einigen Problemen am Ende ihrer Amtszeit 2012 immer wieder Gerüchte. Der republikanische Kandidat Donald Trump (70) wünschte ihr, ungewohnt sanft, gute Besserung. Er selbst werde bald ein umfangreiches Gesundheitsgutachten vorlegen. Die tz sprach mit Prof. James Davis über die beiden Kandidaten.

Wie die Umfragewerte für Clinton und Trump aktuell aussehen, können Sie hier nachlesen.

War es angesichts der 9/11 Gedenkfeier verständlich, dass Hillary Clinton ihre Lungenentzündung nicht gleich letzten Freitag öffentlich gemacht hat, oder war es ein Fehler? 

Prof. James Davis, Politikwissenschaftler Universität St. Gallen: Donald Trump und seine Kampagne bemühen sich schon lange, Hillary Clinton als unehrlich und nicht transparent darzustellen - so gesehen war es nicht besonders klug. Hätte man am Freitag gesagt, dass Frau Clinton, nach anderthalb Jahren intensiven Wahlkampfs, wegen einer Lungenentzündung ein paar Tage aussetzen muss, hätten doch alle Verständnis dafür gehabt. Die 9/11-Gedenkfeierlichkeiten hätte sie vielleicht dennoch besuchen können – jeder hätte ihr gute Besserung gewünscht. 

"Nicht vorgeschrieben, dass Kandidaten Gesundheitszustand bekannt machen müssen"

Gibt es obligatorische Gesundheitschecks für Präsidentschaftskandidaten? 

Davis: Es ist nicht vorgeschrieben, dass Kandidaten ihren Gesundheitszustand bekannt machen müssen; es gibt auch keine amtsärztliche Untersuchung. Es hat sich aber eingebürgert, dass Kandidaten von einem Arzt ihrer Wahl untersucht und die Ergebnisse dann veröffentlicht werden. Das hat dieses Mal nur bedingt stattgefunden. Ich kann mir vorstellen, dass diese Forderung, die ja legitim ist, gerade angesichts des Alters beider Kandidaten jetzt wieder aufkommen wird. 

Hillary hat nicht nur gesundheitlich eine schlechte Phase. Auch die E-Mail-Affäre will nicht enden. Können die angekündigten weiteren WikiLeaks-Enthüllungen ihr zusätzlichen Schaden zufügen?

Davis: Das Problem dabei ist, dass man immer noch nicht weiß, ob sie bisher die Wahrheit erzählt hat. Dass es die E-Mail-Affäre gibt, ist ja bekannt. Die Menschen fragen sich aber, warum es ihr nicht gelingt, diese Affäre hinter sich zu lassen. 

Was würde passieren, sollte Hillary Clinton tatsächlich als Kandidatin ausfallen? 

Davis: Dafür gibt es parteiinterne Regelungen: In diesem Fall wird der Vorstand, sicher ein erweiterter Vorstand, einen Ersatzkandidaten küren. Zwei Persönlichkeiten kämen infrage. Einmal Clintons Vizekandidat Tim Kaine oder aber Bernie Sanders, ihr Konkurrent aus dem Vorwahlkampf. 

Wie viel Einfluss können die Kandidaten dritter Parteien auf den Wahlausgang haben? 

Davis: Gary Johnson, der Kandidat der Libertären Partei, gilt als Alternative für Republikaner, die mit Trump nichts am Hut haben. Johnson könnte durchaus zehn Prozent bekommen, die Trump fehlen würden. Die Grünen-Kandidatin Jill Stein, die eher Clinton schaden könnte, wird nicht mehr als zwei, drei Prozent einfahren. Im Jahr 2000 hat der grüne Bewerber Ralph Nader wahrscheinlich George W. Bush geholfen, weil dem Demokraten Al Gore Naders Stimmen fehlten. Auf der anderen Seite sagt man, Bill Clinton hätte ohne den Parteilosen Ross Perot 1992 die Wahl nicht gewonnen: Perot hat Bush senior Stimmen weggenommen. Bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen der Hauptkandidaten können andere Kandidaten viel Einfluss ausüben. 

"Clinton führt derzeit in den meisten Swingstates"

Wer hat im aktuellen Kopf-an-Kopf-Rennen die Nase ein bisschen vorn? 

Davis: Clinton führt in den meisten Swing States und hat mehr Aussicht, die erforderlichen 270 Wahlmänner zu bekommen. Entschieden ist aber noch nichts. 

Beide Kandidaten sind unbeliebt. Wie wirkt sich das auf die Wahl aus? 

Davis: Zunächst wirkt es sich auf den Wahlkampf aus. Die Folge der mangelnden Sympathiewerte ist, dass beide Kandidaten diese Wahl schwerpunktmäßig zu einer Entscheidung weniger für sich selbst als vielmehr gegen den anderen zu machen.

Bei den Vorwahlen 2008 rief Clintons Bewerbung Begeisterung bei Frauen hervor. Ist die verschwunden? 

Davis: Hillarys Anhängerinnen von damals unterstützen sie immer noch. Aber eine neue Generation von Frauen, zwischen 18 und 30, ist nicht begeistert von ihr. 

Die will Bernie Sanders, der eine soziale Revolution versprach. 

Davis: Jetzt ist es auch die Aufgabe von Bernie Sanders, seinen Anhängern zu sagen: Ich weiß, ihr seid enttäuscht, aber ihr werdet noch viel enttäuschter sein, wenn ihr nicht verhindert, dass Donald Trump Präsident wird. 

Hillary Clinton hatte bei der Gedenkfeier zu 9/11 einen Schwächeanfall erlitten - und natürlich sah die Welt ganz genau hin. Einen Kommentar zu Clintons Zwischenfall und dessen mögliche Folgen lesen Sie hier.

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