Wie pikant werden Stoibers Memoiren?

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Edmund Stoiber

München - Edmund Stoiber will nun doch seine Memoiren schreiben. Das Buch könnte vor allem für Kanzlerin Merkel spannend sein, wenn der frühere CSU-Chef und Ministerpräsident auf sein missglücktes Berlin-Abenteuer eingehen sollte.

Im Oktober 2005 hatten sich die Spitzen von Union und SPD eigentlich darauf verständigt, dass Stoiber Bundesminister für Wirtschaft und Technologie werden soll. Doch er entschied sich nach der überraschenden Rücktrittsankündigung des damaligen SPD-Chefs Franz Müntefering für einen Verbleib in Bayern. Stoiber erklärte seinen Schritt mit dem Satz: “Ich bin in dieser veränderten Situation zu der Überzeugung gekommen, dass ich als Parteivorsitzender die Interessen der CSU besser in München vertreten kann.“ Allerdings verlautete damals aus Unions-Kreisen, dass Stoiber verärgert über Merkel gewesen sein soll.

Die CDU-Chefin habe sich beim Tauziehen um den genauen Zuschnitt seines geplanten Superministeriums nicht gerade intensiv für den Bayern eingesetzt. War der Müntefering-Rücktritt also nur ein Vorwand für Stoibers Flucht aus Berlin? Der CSU-Ehrenvorsitzende, der im September 70 wird, hat sich zunächst nicht dazu geäußert, ob er in seinem Buch Einzelheiten verraten wird. Er sagte der “Bild“-Zeitung lediglich: “Nächstes Jahr werde ich zusammenstellen: Was habe ich erlebt? Wie sehe ich die Gegenwart und vor allem auch die Zukunft?“

Was schreibt Stoiber über seinen Sturz in Kreuth?

Von besonderem Interesse sind neben der Merkel-Frage die Umstände von Stoibers Sturz im Januar 2007. Seinerzeit war bei einer Klausur der CSU-Landtagsfraktion in Kreuth deutlicher Unmut über den Parteichef laut geworden. Überraschend einigten sich der damalige bayerische Innenminister Günther Beckstein und Wirtschaftsminister Erwin Huber über eine Nachfolgeregelung. Die sogenannte Tandemlösung sah vor, dass Beckstein neuer Ministerpräsident und Huber CSU-Chef wird. Damit bot sich eine Alternative zu Stoiber - der daraufhin seinen Rückzug ankündigte. Unterschiedliche Schilderungen gibt es allerdings über die genauen Umstände.

So wandte sich Beckstein vehement gegen Spekulationen es habe einen “Putsch“ gegeben. Berichte über “Königsmörder“ seien “Quatsch“. Stoiber habe selbst entschieden, dass er seine Ämter als Ministerpräsident und CSU-Chef aufgeben wolle. Diese These bekräftigte Beckstein auch kürzlich in einem Buch. Stoiber sieht dies ein wenig anders. In einem Interview sagte er 2007: “Klar ist, dass ich natürlich nicht von mir aus in Kreuth meine Ämter zur Verfügung gestellt habe oder zur Verfügung stellen wollte und auch niemanden selbst für die Nachfolge vorgeschlagen habe.“ Doch bislang verzichtete er darauf, Einzelheiten zu nennen. Sie könnten nun in den Memoiren folgen.

Ein Leser steht bereits fest: Erwin Huber, der nach dem CSU-Debakel bei der Landtagswahl 2008 auf den Parteivorsitz verzichtet hatte. Der jetzige Chef des Wirtschaftsausschusses im bayerischen Landtag sagte am Montag der Nachrichtenagentur dapd, er sehe dem Buch Stoibers “mit Interesse entgegen“. Huber fügte hinzu: “Ich werde es sehr schnell lesen und dann möglicherweise kommentieren - mit Beifall oder anders.“

dapd

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