Wahl in Ägypten: Auszählung der Stimmen

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Kairo - Historischer Urnengang am Nil: Die Auszählung der Stimmen läuft. Ergebnisse soll es frühestens Samstag geben. Der neue Präsident steht wohl erst nach der Stichwahl im Juni fest.

Unmittelbar nach Schließung der Wahllokale hat in Ägypten die Auszählung der Stimmen der Präsidentenwahl begonnen. Das berichtete unter anderem die ägyptische Zeitung „Al-Ahram“ am frühen Freitagmorgen online. Mit Ergebnissen wurde frühestens am Samstag gerechnet. Der Sieger dürfte aber ohnehin erst nach der Stichwahl Ende Juni feststehen. Es galt als unwahrscheinlich, dass einer der zwölf Kandidaten auf Anhieb 50 Prozent der Stimmen gewonnen hat.

Mit weniger Andrang als am Tag zuvor ist die erste Runde der ägyptische Präsidentschaftswahl am Donnerstag zu Ende gegangen. 52 Millionen Bürger waren bei dem historischen Wahlgang aufgerufen, einen Nachfolger für den im Februar 2011 bei einem Volksaufstand entmachteten Langzeitherrscher Husni Mubarak zu bestimmen.

Die Wahlkommission verlängerte die Öffnungszeiten der Wahllokale am Donnerstag um eine Stunde auf 21.00 Uhr. Hatten sich am Mittwoch, dem ersten Wahltag, vor vielen Wahllokalen noch lange Schlangen gebildet, so war der Zulauf am zweiten Tag deutlich geringer. „Die Stimmabgabe verläuft im ganzen Land ruhig“, erklärte Mohammed Abdel Hadi, ein Mitglied der Richterkommission, die den Urnengang überwachte. Wahlbeobachter stellten aber auch Unregelmäßigkeiten wie Stimmenkauf und unerlaubte Wählerbeeinflussung in und vor den Wahllokalen fest.

Der Urnengang galt dennoch als historisch. Zum ersten Mal bestimmten die Ägypter in freier und demokratischer Wahl den ersten Mann des Staates. Als aussichtsreichste Kandidaten galten zwei säkulare Polit-Profis - Mubaraks letzter Ministerpräsident Ahmed Schafik und der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa - sowie zwei Islamisten - der Kandidat der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, und der ehemalige Muslimbruder Abdel Moneim Abul Futuh.

An beiden Tagen zeigten die Menschen vor den Wahllokalen großen Enthusiasmus. „Es ist das erste Mal, dass unsere Stimme bei einer Präsidentenwahl zählt“, sagten viele. Es gab aber auch Befürchtungen, dass am Ende die Anhänger unterlegener Kandidaten das Ergebnis nicht anerkennen und das Land mit neuen Gewaltausbrüchen erschüttern könnten. Andere bezweifelten wiederum, dass die Generäle des seit dem Mubarak-Rücktritt herrschenden Obersten Militärrates die Macht tatsächlich aus den Händen legen, wenn sie diese an einen gewählten Präsidenten aus dem islamistischen Lager übergeben müssten.

Die unabhängige Gruppe Beobachter ohne Grenzen stellte allein am Mittwoch 143 Verstöße gegen die Wahlordnung fest. Die Ägyptische Organisation für Menschenrechte (EOHR) erhielt Kenntnis von mindestens elf Fällen in acht Provinzen, bei denen Geld für die Wahl eines bestimmten Kandidaten angeboten wurde. In einem Fall, in der Mittelmeer-Stadt Marsa Matruh, nahm das Militär deshalb mehrere Personen fest.

Gelegentlich schlugen die Wogen der Leidenschaft hoch. Vor einigen Wahllokalen kam es zu Schlägereien zwischen den Anhängern verschiedener Kandidaten. Nach Medienberichten wurden landesweit mehr als 30 Menschen verletzt. Insgesamt lag aber das Gewaltniveau deutlich unter dem früherer Wahlen in Ägypten. Nach offiziellen Angaben waren 300 000 Soldaten und Polizisten im Einsatz, um für einen friedlichen Wahlverlauf zu sorgen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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