Kommentar nach dem Tag der Einheit

Hetze gegen Sachsen im Netz: Ein neues Feindbild 

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Demo vor den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden. 

Für das Fehlverhalten Einzelner kann man nicht eine ganze Gruppe verantwortlich machen. In der Frage um die Integration von Asylbewerbern verweisen Flüchtlingshelfer und Linke gerne auf diese Wahrheit. Ein Kommentar.

Im Netz ist ein erstaunliches Phänomen zu beobachten. 

Ausgerechnet diejenigen, die sich sonst um eine differenzierte Betrachtungsweise bemühen und gegen kollektive Anschuldigungen sind, wenn es um Asylbewerber oder Muslime geht, hauen pauschal auf die Sachsen drauf. 

Diese - oder gleich alle "Ossis" - wären ein undankbares Pack, alle rechtsextrem und eigentlich sei es fast schon bedauerlich, dass die Mauer gefallen ist. 

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Diejenigen paar Hundert Demonstranten, die am Montag in Dresden stumpfsinnig ihre Hass-Parolen vor der zentralen Einheitsfeier grölten, haben keinen Respekt verdient. 

Social Media Manager Marcel Görmann beobachtet ein neues "Feindbild" im Netz. 

Ein dunkelhäutiger Mann, der zum Gottesdienst wollte, wurde mit "Abschieben"-Rufen empfangen. Ein Schild mit einem Zitat von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels wurde hochgehalten. Auf einem anderen Plakat stand die Beschimpfung "Politiker-Abschaum". "Merkel nach Sibirien, Putin nach Berlin" wurde skandiert.

Dass diese Frustrierten demonstrieren dürfen, ist ein hohes Gut unserer Demokratie. Doch dass man diesem wütenden Mob ausgerechnet diese Plattform an diesem Ort bieten musste, war - sagen wir mal - "unglücklich". 

Beispiele für Hetze gegen Sachsen im Netz

Auf dem Niveau von PEGIDA ist es jedoch, dass nun Prominente und andere User über die Sozialen Netzwerke pauschal über alle Sachsen Vorurteile verbreiten und hetzen - gegen ein Bundesland mit über vier Millionen Einwohnern! 

Der Herausgeber der Wochenzeitung "Der Freitag", Jakob Augstein, postete am Montag: 

Auch Satiriker Jan Böhmermann erwähnt in einem Tweet gleich ganz Sachsen: 

Doch das sind nur zwei Beispiele für das, was sich derzeit im Netz abspielt. Hier noch mehr:

Ist das hilfreich? Nein! Es spaltet nur noch mehr. 

In Sachsen gibt es viele aufrichtige Bürger. Ich wünsche mir, dass sie noch lauter auftreten. Insbesondere seit Montag. Dass die Demokraten nun selbst demonstrieren und sich von dem negativen Sachsen-Image distanzieren, das die Wutbürger von PEGIDA vermitteln. Die Hetze im Netz macht ihre Arbeit nur schwieriger. 

Kollektive Beschimpfungen und Verurteilungen sind jedoch genauso falsch, wie sie es gegen Muslime, "den Islam" oder Asylbewerber sind. 

Kommentar von Marcel Görmann (marcel.goermann@ovb24.de)

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: reingeklickt

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser