FC Ergolding - TSV Kastl 1:0

Kastl verpatzt Hinspiel - aber hält sich alles offen

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Viele gefährliche Standards zu überstehen hatte die Abwehr des in Ergolding offensivschwachen TSV Kastl.

Ergolding - Der TSV Kastl liefert beim Releganten aus der Bezirksliga Niederbayern West FC Ergolding eine enttäuschende Leistung ab und hat Glück, dass er nicht schon vor dem Rückspiel praktisch chancenlos zurückliegt. Trotzdem lässt das Ergebnis für Sonntag alles offen. Wenn die Kastler anders und vor allem mit verbessertem Spielaufbau auftreten, sollte gegen diesen Gegner mehr drin sein.

Aus Ergolding berichtet Christian Schulz

Auch die Bezirksligisten stiegen also an diesem Donnerstag in ihre Relegation um den Landesliga-Aufstieg ein. Und der TSV Kastl wollte sehen, wo er stand. Vor dem Hinspiel der ersten Relegationsrunde sprachen beide Seiten von einer wohl ausgeglichenen Angelegenheit auf Augenhöhe. Grundlage dafür war, dass beide Teams annähernd gleich viele Punkte in ihrer jeweiligen Bezirksliga holen konnten.

Und so entwickelte sich das Spiel vor fast 600 Zuschauern, davon ca. 150 aus Kastl, anfangs auch. Wie so oft in Relegationsbegegnungen wollten natürlich beide Seiten erst einmal den Gegner kennenlernen und hinten nichts zulassen. Bloß kein Fehler. Nicht gleich in der Anfangsphase des ersten Spiels. Beide hoch motiviert – aber eben auch reserviert. Die erste Viertelstunde geriet zu einem reinen Abtasten. Ein typisches Relegations-Hinspiel.

Abtasten in ausgeglichener Anfangsphase – Ergolding mit den ersten Akzenten

Dann waren es die Gastgeber aus der Bezirksliga Niederbayern West, welche den ersten Akzent setzten. Kapitän Sebastian Lackemeier schlenzte einen direkten Freistoß aus etwa zwanzig Metern zentraler Position Richtung des von Egon Weber gehüteten Gehäuses der Kastler – doch der Ball strich ganz knapp rechts am Tor vorbei (16.)! Eine gute Möglichkeit.

Service:

Der Freistoß war wohl so etwas wie ein Weckruf für die Hausherren. Denn sie kamen jetzt immer besser ins Spiel, taten mehr, wollten als Gastgeber die aktivere Mannschaft sein – und das Heft des Handelns und ihr eigenes Schicksal selbst in die Hand nehmen. Kastl konnte abwarten – man hatte das eigene Heimspiel schließlich noch vor sich. Doch ganz freiwillig geschah dies sicher nicht – denn nach und nach offenbarten sich auch spielerische Vorteile der Niederbayern – ein Ticken mehr Tempo, die etwas bessere Ballbehandlung. Obwohl auch die Ergoldinger immer wieder lange Bälle spielten, welche die Spitzen abtropfen ließen, gelang den Kastlern kaum Zugriff. Weil die Gastgeber oft auch ihren Körper besser einsetzten. Die junge TSV-Truppe von Coach Sven Vetter zahlte hier sicher auch etwas Lehrgeld.

Ergoldings Offensivdrang führt zu guten Chancen nach Standards

Das Plus an Aktivität der Ergoldinger bescherte ihnen nun auch ein oder andere gute Torgelegenheit. Vor allem nach Standards zeigten sie sich äußerst gefährlich: Nach einer Ecke von links stieg Benjamin Sowade acht Meter vor dem Kastler Tor zum Kopfball nach oben. Der Ball wurde im Luftduell noch abgefälscht und ging knapp am Kasten vorbei (21.).

Einige Minuten später gab es wieder Eckstoß für den FC Ergolding – diesmal von rechts. Kopfballduell kurz vor dem Fünfer, die Kugel fliegt Richtung rechte untere Ecke, Weber ist bereits geschlagen – doch Kastls Tobias Urban schlägt auf der Linie stehend geistesgegenwärtig den Ball weg (28.)! Durchschnaufen bei den Kastlern. Langsam hätten sich die Gäste über eine mögliche Führung der Niederbayern nicht beschweren dürfen.

Einseitiges Spiel in Hälfte Eins – Ergolding am Drücker

In der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit wurde das Geschehen im Ergoldinger Stadion immer einseitiger. Die Gäste vom TSV sicher nicht auf Höhe ihrer bisher in dieser Saison bereits gezeigten Form – zu oft den berühmten Schritt zu spät. Ergolding dominierte nun völlig die Partie, zwang de Kastlern ihre Spielweise auf, hatte viel mehr Ballbesitz und setzte sich durch. Allerdings verpassten es die Gastgeber sich konsequent entscheidende Chancen herauszuspielen. Richtig gefährlich wurden sie nur nach den Standardsituationen. Dennoch waren nur noch das Heimteam am Drücker – Kastl kam überhaupt nicht mehr in die gegnerische Hälfte. Viele lange Bälle der Gäste in die Spitze wurden Befreiungsschläge zum Gegner.

In der Halbzeitpause nahm Vetter einige Veränderungen in seinem Team vor: Zum einen brachte er zu Beginn der zweiten Hälfte Amara Cole für Tobias Urban. Zum anderen stellte er auch etwas um, machte die rechte Seite zu, über welche die Einheimischen immer wieder viel Dampf machen konnten. Dies zeigte auch Erfolg. Ergoldings Offensive über rechts wurde eingebremst, das Spiel gestaltete sich wieder ausgeglichener.

Kastls Offensive nicht zu sehen – Chancen weiter nur für Ergolding

Im eigenen Angriff hingegen fanden die Kastler weiterhin nicht statt. Kein konstruktives Aufbauspiel, kein Zug nach vorne, null Torgefahr – offensiv war das ganz schwach, was die Vetter-Schützlinge zeigten. Die Bilanz von keiner einzigen Torchance im gesamten Spiel und so gut wie null Abschlüssen spricht Bände. Obwohl Ergolding lange nicht mehr so dominant war, wie in den 25 Minuten vor der Halbzeitunterbrechung, waren weiter nur die Hausherren im Vorwärtsgang aktiv. Wenn es überhaupt zu Chancen kam, hatte sie der FCE. Und wie in Hälfte Eins waren sie brandgefährlich.

In der 50. Minute Ecke Ergolding von links: Der bis dahin starke und Sicherheit ausstrahlende Weber kam nicht ran, sprang am Ball vorbei. Das Leder fiel sechs Meter vor dem Tor zu Boden, aus dem Getümmel kam ein Ergoldinger zum Schuss, die Ergoldinger Zuschauer hatten schon den Torschrei auf den Lippen – doch wieder wurde der Ball von der Linie gekratzt. Diesmal war es Kastls Philipp Grothe, der sein Team vor dem Rückstand bewahrte.

Eine gute Viertelstunde lang passierte wenig, dann setzte sich Ergoldings Lackermeier fein mit einem Hackentrick am linken Flügel durch, zog nach innen und brachte die Flanke. Am langen Eck nahm Sebastian Zettl den Ball volley – aber jagte ihn über das Kastler Tor (66.)! Aufgrund der Torchancen mussten sich die Gastgeber mittlerweile anfangen zu fragen, ob sie hier in diesem Hinspiel gegen äußerst passive unter Form spielende Gäste nicht vielleicht etwas liegen ließen.

Ergolding macht hochverdient das goldene Tor

Das goldene Tor für den FC Ergolding fiel aber doch noch: Armin Schnur setzte aus dem zentralen Mittelfeld heraus schön den eingewechselten Michael Roider in Szene. Der fasste sich ein Herz und hielt aus dem Lauf heraus einfach drauf. Strammer Schuss – Latte! Doch der Ball sprang von der Torstange zurück, keiner der Kastler Abwehrrecken konnte klären – und diesmal war Zettl zielsicherer. Er reagierte von allen am Schnellsten und drosch das Leder mit Urgewalt in die Maschen (78.)! 1:0 für Ergolding. Mittlerweile ein hochverdientes Ergebnis!

Da im Anschluss weder Kastl urplötzlich Offensivaktionen gelangen, noch Ergolding sich entscheidend Durchsetzen und weitere Großchancen erspielen konnte, blieb es bis zum Ende bei diesem Spielstand. Aufgrund der Tatsache, dass heute die Tagesform einfach nicht stimmte und der TSV Kastl im gesamten Spiel zu keiner Torchance kam – dürfen sich die Gäste eigentlich glücklich schätzen, dass sie mit diesem Ergebnis nachhause fahren durften. Denn es ist weiterhin alles offen! Ob die Ergoldinger bereits im Hinspiel ihr Pulver verschossen haben oder es in ihrem Heimspiel verpassten aus der schlechten Performance der Kastler mehr Kapital zu schlagen, wird sich erst am Sonntag zeigen.

Trotzdem allem gehen die Kastler voller Zuversicht ins Rückspiel

Dann steht das Rückspiel in Kastl an. Und TSV-Trainer Sven Vetter ist zuversichtlich, dass es zuhause ganz anders aussehen könnte: „Wir haben heute absolut nicht das gezeigt, was wir eigentlich zu leisten im Stande sind. Offensiv war das heute gar nichts. Trotzdem steht es nach einem von zwei Spielen nur 1:0. Die Ergoldinger müssen auch noch nach Kastl. Es ist alles drin. Das wird ein anderes Spiel werden! Man darf nicht vergessen, wo wir her kommen und was für eine junge Mannschaft wir haben. Das ist erst unser zweites Jahr in der Bezirksliga. Und dann gleich Relegation. Die Jungs lernen jedes Spiel dazu – auch heute. Wir werden im Rückspiel noch mal alles in die Waagschale werfen – und Ergolding mit Sicherheit alles abverlangen. Dann ist auch Andreas Lahner im Mittelfeld wieder dabei, der heute leider verhindert war. Ich werde mir was einfallen lassen und wir werden sehen! Wir haben in Kastl nichts zu verlieren! Und wenn es nichts wird – dann geht hier die Welt bestimmt auch nicht unter!“

Quelle: rosenheim24.de

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