Beinschuss-Direkt: Ein Fußballbekloppter im Gespräch

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Patrick Steinberger (rechts) im Beinschuss-Selfie mit Tobias Ruf

Jugendleiter, Jugendtrainer, Fußball-Pionier in Afrika. . . Und das im Alter von 22 Jahren. Beinschuss-Chefredakteur Tobias Ruf hat in dieser Woche mit Patrick Steinberger vom SV Schloßberg gesprochen.

Jugendleiter, Jugendtrainer, Fußball-Pionier in Afrika. . . Und das im Alter von 22 Jahren. Beinschuss-Chefredakteur Tobias Ruf hat in dieser Woche mit Patrick Steinberger vom SV Schloßberg gesprochen.

beinschuss.de: Hallo Patrick. Du bist kurz vor Weihnachten aus Tansania zurückgekehrt. Gut eingelebt?

Patrick Steinberger: Von 35 Grad zurück in die fröstelnde Heimat war nicht ganz einfach. Da ich aber nur einen Monat in Tansania war, hat die Umstellung entsprechend gut geklappt.

Was ist dir besonders positiv in Erinnerung geblieben?

Steinberger: Grundsätzlich ist das Leben natürlich ein ganz anderes als das, was wir aus heimatlichen Gefilden gewohnt sind. Die offene und positive Art der Menschen hat mir besonders zugesagt. Wir wurden mit offenen Armen und Begeisterung empfangen, das gibt schon ein gutes Gefühl.

Wie kann man sich deinen Alltag vorstellen?

Steinberger: Aufbauarbeit, das stand während meines Aufenthaltes im Vordergrund. Strukturen etablieren, Spenden sammeln und koordinieren, eine Homepage aufbauen (die Homepage findet Ihr hier) und so weiter. Fußballerisch haben wir dafür gesorgt, dass die drei Vereine, die das Projekt betreut, feste Trainingszeiten etablieren und so etwas wie einen konkreten Trainingsplan entwickeln. Zudem habe ich Trainerschulungen abgehalten, vor allem im Torhüterbereich, der in Afrika leider noch immer rückständig ist.

Habt Ihr große Fortschritte erzielt?

Steinberger: Natürlich braucht ein neues Projekt immer Zeit. Aber in nur wenigen Monaten ist es uns gelungen, gute Grundlagen zu schaffen. Ein Verein hatte beispielsweise keinen echten Fußballplatz, sondern hat auf einer Wiese trainiert. Daraus haben wir ein Spielfeld gemacht. Oder die Jugendstruktur. Verschiedene Altersklassen oder Gruppen, wie man es bei uns kennt, spielten dort keine Rolle. Ab dem U20-Bereich hieß das Motto eigentlich "Jeder gegen Jeden". Das haben wir geändert, so dass sich Kinder der selben Altersklasse inzwischen miteinander messen.

Wo siehst du abseits des Fußballs die größten Hindernisse?

Steinberger: Das schulische System leuchtet mir nicht ganz ein. Die erste Etappe der schulischen Ausbildung absolvieren die Kinder aus suaheli, die weiterführenden Schulen sind aber allesamt auf englisch. Viele Kinder scheitern auf den weiterführenden Schulen schlicht an den sprachlichen Kompetenzen. Deswegen liegt ein Fokus des Projekts auch auf den zusätzlichen Englischkursen, die angeboten werden.

Planst du eine Rückkehr nach Tansania?

Steinberger: 2015 nicht, aber gerne würde ich 2016 wieder nach Mwanza fahren. Das hängt allerdings davon ab, ob das Projekt bis dahin noch existiert.

Ist es in Gefahr?

Steinberger: Bislang nicht. Die Strukturen sind gelegt, aber es bedarf finanzieller und personeller Unterstützung. Dafür werden auch weiterhin großzügige Spender gesucht (wie Ihr Euch beteiligen könnt, erfahrt Ihr hier) und am wichtigsten ist, dass es frewillige Helfer gibt. Wir sind auf der Suche nach jungen Leuten, die sich künftig für das Projekt einsetzen und vor Ort Aufbauhilfe leisten.

Was muss man mitbringen, um sich persönlich am Projekt zu beteiligen?

Steinberger: Man muss sich natürlich für Fußball begeistern und darf keine Angst vor einer anderen Lebensweise haben. Angst ist auch nicht berechtigt, denn die Menschen und das Leben in Tansania sind wirklich großartig. Ich kann diese Erfahrung jedem empfehlen, das ist wirklich einzigartig und für die Persönlichkeitsentwicklung von unschätzbarem Wert. Wer Interesse hat, kann sich jederzeit bei mir melden oder über info@beinschuss.de den Kontakt zum Projekt aufnehmen.

Kommen wir zu Dir. Würdest du dich als fußball-bekloppt bezeichnen?

Steinberger (lacht): Ja, das kann man wohl so sagen. Ich habe als kleiner Bub hier in Schloßberg angefangen, der Fußball lässt mich bis heute nicht los und wird es wohl auch in Zukunft nicht tun.

Es hat sich in den letzten Jahren einiges bewegt beim SV Schloßberg-Stephanskirchen. Kannst Du uns die Gründe dafür nennen?

Steinberger: Die positive Entwicklung beim SVS hat ihren "Ursprung" im Jahre 2007. Wir haben damals in der B-Jugend gespielt und waren eigentlich ein guter Jahrgang. Wir haben uns dann überlegt, wo wir unter besseren Rahmenbedingungen hätten stehen können. Aber Denken und Reden alleine hilft ja bekanntlich nicht aus, deswegen haben wird die Zukunft in die Hand genommen.

Was heißt das in deinem Fall konkret?

Steinberger: Ich habe mit 15 meine ersten Erfahrungen als Trainer gesammelt und diese dann kontinuierlich ausgebaut. Der Verein hat mir die Chance gegeben, mich praktisch und theoretisch weiterzubilden. Zudem habe ich auch über den berühmten Tellerrand herausgeblickt und auch dadurch viel gelernt. Dann habe ich den Posten als Jugendleiter übernommen.

Der welche Arbeit genau übernimmt?

Steinberger: Grundsätzlich ist es so, dass ich hier kein Alleinunterhalter bin. Wir haben ein großes und überragendes Team, das die Jugendabteilung betreut und begleitet. Ohne dieses Team wäre der Arbeitsumfang und die Qualität, die wir inzwischen erreicht haben, keinesfalls möglich. Mein Job ist es dann konkret, die organisatorischen und sportlichen Bereiche zu koordinieren und zu verknüpfen.

Würdest du die Entwicklung der vergangenen Jahre als Erfolgsstory bezeichnen?

Steinberger: Vor sieben Jahren hatten wir sieben Jugendmannschaften im Spielbetrieb, heute sind es deren 17. Dabei darf man den demografischen Wandel nicht außer Acht lassen. Viele Vereine haben heutzutage Probleme, eigene Jugendmannschaften auf die Beine zu stellen. Bei uns ist das nicht der Fall, der Zulauf ist weiter groß. Viele unserer Coaches haben bereits den Trainerschein gemacht und elf Trainer sind gerade dabei. 

Also ja!?

Steinberger (lacht): Es ist ganz gut gelaufen, würde ich sagen. Wir hatten natürlich Glück, dass die Gemeinde gewachsen ist und wir über ein relativ hohes Einzugsgebiet verfügen. Zudem haben wir natürlich unheimlich davon profitiert, dass wir von der Gemeinde beim Bau des Kunstrasenplatzes stark unterstützt wurden. Ohne den wäre der heutige Umfang nicht zu stemmen.

Wie schwierig ist es, einen so große Jugendabteilung zu koordinieren?

Steinberger: Wie schon gesagt, das ganze Team und Umfeld spielen dabei eine zentrale Rolle. Wir stehen als Gesamtverein sehr eng zusammen und unterstützen uns abteilungsübergreifend. Außerdem sind die einzelnen Altersklassen eng verzahnt. Wir haben beispielsweise eine gemeinsame Abschlussfeier, das stärkt das Miteinander und ist ein zentraler Faktor.

Mit der U13 spielt Ihr inzwischen in der Bezirksoberliga. Ihr hattet unter Anderem den FC Bayern in Schloßberg zu Gast. War das ein Highlight?

Steinberger: Auf alle Fälle. Wenn man ein paar Jahre zurückdenkt wäre es utopisch gewesen, den FC Bayern in einem Punktspiel zu empfangen und das noch auf einem eigenen Kunstrasenplatz. Über 250 Zuschauer waren zu Gast, um sich ein Spiel der D-Jugend anzuschauen. Das war für den ganzen Verein etwas Besonderes.

Wie geht die Entwicklung weiter?

Steinberger: Wir wollen uns natürlich kontinuierlich weiterentwickeln. Die Partnerschaft mit Activa Medici ist dabei ein großer Schritt gewesen. Unsere Jungs werden jetzt nicht nur fußballerisch betreut, auch im medizinischen Bereich und in der Leistungsdiagnostik können wir inzwischen ein umfassendes Angebot bereitstellen. Wir haben zwei Physiotherapeuten und seit Neuestem auch eine Kooperation mit dem Ortho-Zentrum in Rosenheim.

Wie sehen dabei deine persönlichen Ziele aus?

Steinberger: Wir wollen den Fußball einerseits leistungsorientiert fördern, aber zugleich den Breitensport sichern. Wir wollen allen Kindern in der Gemeinde die Möglichkeit geben, beim SV Schloßberg-Stephanskirchen Fußball zu spielen. Jedes Kind nach den eigenen Bedürfnissen fördern zu können, das ist letztlich mein Ziel.

Dabei viel Erfolg! Vielen Dank für das Gespräch

Quelle: rosenheim24.de

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