Beinschuss-Direkt: Geduld ist gefragt: "Wir stehen vor einem Jahr der Konsolidierung"

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Thomas Siegmund (r.) mit Beinschuss-Redakteur Tobias Ruf

1860-Rosenheim-Teamchef Thomas Siegmund macht im Gespräch mit Beinschuss deutlich, warum der TSV vor einer schweren Saison steht, was die Öffentlichkeit von den Sechzigern erwarten kann und warum 1860 ein ganz besonderer und nachhaltiger Verein ist.

1860-Rosenheim-Teamchef Thomas Siegmund macht im Gespräch mit Beinschuss deutlich, warum der TSV vor einer schweren Saison steht, was die Öffentlichkeit von den Sechzigern erwarten kann und warum 1860 ein ganz besonderer und nachhaltiger Verein ist.

Das Gespräch führte Tobias Ruf

Beinschuss: Herr Siegmund, am Samstag startet die neue Bayernliga-Saison mit dem Heimspiel gegen Pullach. Wie weit ist die Mannschaft?

Thomas Siegmund: Uns fehlen vier Wochen. Für uns geht die Saison erst so richtig Anfang August los, da gibt es nichts zu beschönigen. Mit elf Tagen Sommerpause und dem Verlauf der vergangenen Saison kann die Mannschaft zum 12. Juli gar nicht startklar sein.

Elf Tage Sommerpause, das war für Sie sicher auch ein ganz neues Szenario!?

Siegmund: Ja natürlich. Wir hatten überhaupt keine Zeit, um alle mal runterzukommen, geschweige denn, richtig zu planen. Das ist im gesamten Verein spürbar, die Situation ist einfach sehr schwierig.

Wie haben Sie und ihr Trainerkollege Patrick Peltram darauf reagiert?

Siegmund: Wir hatten gar nicht die Möglichkeit, eine normale Vorbereitung durchzuführen. Wir sind dann auf eine Kombination aus intensiveren und regenerativeren Einheiten gegangen, Volldampf war nicht angesagt. Wir müssen die Spieler einigermaßen fit kriegen und uns bis zum Winter durchschleppen.

Hat die vergangene Saison mentale Spuren bei den Spielern hinterlassen?

Siegmund: Nein. Die Spieler stellen sich der neuen Aufgabe. Zudem haben uns einige dominante Charaktere verlassen. Das schadet uns überhaupt nicht. Jetzt haben die anderen Spieler die Chance, sich besser zu entwickeln und selbst in die Leader-Rolle zu wachsen. Diesbezüglich sind auch schon gute Ansätze zu erkennen.

Wie ist es sportlich zu kompensieren, dass die Mannschaft viele Führungsspieler verloren hat?

Siegmund: Fußballerisch ist der Verlust nicht so groß, wie er auf den ersten Blick erscheint. Danjel Majdancevic hatte vor allem in der Rückrunde viel mit sich selbst zu tun und ist weit unter seinen Möglichkeiten geblieben. Auch Michael Kokocinski hat aufgrund von Verletzungen und Trainingsrückstandes nicht auf seinem eigentlichen Niveau spielen können. Ich will nicht gegen die Spieler nachtreten, das ist eine rein sportliche Analyse.

Da spielen die Neuzugänge natürlich eine umso größere Rolle. Wie ist der erste Eindruck?

Siegmund: Der erste Eindruck ist durchaus positiv. Wir haben uns die Spieler gezielt ausgesucht, das macht sich bemerkbar. Natürlich funktioniert noch nicht alles zu 100 Prozent, aber perspektivisch gesehen sind Patrick und ich guter Dinge.

Sind die Personalplanungen abgeschlossen?

Siegmund: Nein, wir sind weiter auf der Suche nach Verstärkungen. Es sieht gut aus, dass wir zeitnah auf der ein oder anderen Position Vollzug vermelden können.

Gibt es zu Markus Einsiedler schon Neuigkeiten? Es kursieren immer wieder Gerüchte, dass er ins Ausland wechseln könnte.

Siegmund: Markus hat die Möglichkeit, seinen beruflichen mit dem sportlichen Werdegang in Estland zu verbinden. Er wird ein Probetraining bestreiten, danach fällt eine Entscheidung. Markus könnte in Estland bei einem Champions-League-Qualifikanten spielen, dass wäre natürlich eine tolle Sache für den Jungen. Für uns wäre das ein herber Verlust, aber wir alle würden es ihm nicht verdenken, wenn er diese Chance ergreift.

Werden die Neuzugänge am Samstag schon zu sehen sein?

Siegmund: Ja, Jonathan Färber wird im Tor stehen. Er ist einfach der erfahrenste unter unseren Keepern. Alles weitere wird der Samstag zeigen.

Was ist also von der Mannschaft zu Saisonbeginn zu erwarten?

Siegmund: Unser primäres Ziel muss es sein, defensiv kompakt zu stehen. Wie gesagt, wir sind noch lange nicht bei 100 Prozent, das muss man verstehen, berücksichtigen und die Erwartungen entsprechend einordnen. Vier Punkte aus den ersten vier Spielen wären akzeptabel.

Müssen Sie ihren Trainerstil der neuen Liga anpassen?

Siegmund: Ja selbstverständkich. Die Regionalliga ist auf spielerischem Niveau sehr anspruchsvoll. In der Bayernliga erwartet uns ein anderer Fußball, der wesentlich physischer geprägt ist. Wir als Trainerteam müssen uns dem anpassen, obwohl wir grundsätzlich auf offensiven Fußball setzen. 

Der Kader ist in der Breite sehr dünn besetzt. Ist das nicht ein großes Risiko?

Siegmund: Wie gesagt, noch sind unsere Planungen nicht abgeschlossen. Außerdem werden mit der Abmeldung der U23-Mannschaft (alle Infos gibt es hier) die U19 und U17 zusätzlich gefördert. Das ist die Säule unseres Vereins. Der TSV ist ein Ausbildungsklub und definiert sich auch so. Wir betreiben Jugendfußball nicht nur aufgrund der Außenwirkung, sondern mit einer klaren Idee. Wir bilden nachhaltig aus, das ist leider nicht überall der Fall. Viele schmücken sich mit ihrer "tollen" Jugendarbeit, integrieren dann aber unter dem Strich keine Spieler in ihre erste Mannschaft. Das gibt es beim TSV 1860 Rosenheim nicht.

Am Samstag geht es gegen Pullach, nur vier Tage später kommt es zum Rosenheimer Stadtderby. Schielt man da schon mit einem Auge in Richtung Sportbund?

Siegmund: Das ist für die Fans und Spieler sicher etwas Besonderes. Bei uns im Trainerteam ist das ein Spiel wie jedes andere auch. Da bin ich völlig sachlich.

Die übliche Frage kommt zum Schluss. Wie lautet das Saisonziel?

Siegmund: Unserer Zielsetzung ist ein gesicherter Mittelfeldplatz. Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben, das ist in der gesamten Konstellation das Wichtigste. Wenn wir Tuchfühlung nach oben halten können, wäre das ein Erfolg. Aber insgesamt stehen wir vor einem Jahr der Konsilidierung.

Vielen Dank für das Interview

Quelle: rosenheim24.de

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