Beinschuss-Direkt: "Wasserburg? Das ist eine verrückte Sauna-Idee!"

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Niki Wiedmann (r.) mit Beinschuss-Redakteur Tobias Ruf

Im Interview der Woche erzählt Niki Wiedmann, warum er und die Haas-Brüder wirklich zum TSV Wasserburg gewechselt sind. Zudem blickt er auf eine beeindruckende sportliche Karriere zurück, in der er unter anderem direkten Kontakt zu Thomas Tuchel und einem frisch-gebackenen Fußball-Weltmeister hatte.

Das Interview führte Tobias Ruf

Beinschuss: Niki, zunächst eine Frage, die du wohl nicht mehr hören kannst. . . Wie geht es dir gesundheitlich?

Niki Wiedmann: Danke der Nachfrage. Mir geht es gesundheitlich sehr gut, meine Knie machen auf dem sportlichen Niveau, auf dem ich mich momentan bewege, gut mit.

Am Wochenende hattest du deinen ersten Einsatz für deinen neuen Verein. Dieser verlief mit dem Gewinn des Meggle-Cups gleich sehr erfolgreich. Wie ist dein Eindruck bisher? Fühlst du dich wohl in Wasserburg?

Wiedmann: Natürlich war im Vorfeld eine gewisse Anspannung da. Aber vom ersten Training an war davon nichts mehr zu spüren. Die Mannschaft hat uns mit offenen Armen empfangen und zieht unheimlich mit. Jeder hängt sich voll rein und gibt 100 Prozent, das habe ich in dieser Form selten erlebt. Auch die Trainer und das Umfeld wollen nur das Beste für den Verein. Der Wechsel nach Wasserburg war die richtige Entscheidung, das merke ich immer mehr.

Das tut nach all den Rückschlägen, die du in deiner Karriere erleiden musstest, sicher gut

Wiedmann: Ja klar. Auch wenn es nur kleine Erfolge sind, für mich haben diese einen hohen Stellenwert. Beim Meggle-Cup haben wir beispielsweise gegen Teams gewonnen, die zwei Klassen über uns spielen. Das ist nicht selbstverständlich und stärkt natürlich das Selbstvertrauen.

 Ein 25-Jähriger, der auf dem Weg zum Profi war, spielt jetzt A-Klasse. Das klingt auf den ersten Blick ungewöhnlich. Erkläre unseren Lesern doch mal die Hintergründe. . .

Wiedmann: Ich bin in sieben Jahren sieben Mal am Knie operiert worden. Das geht unheimlich an die Substanz, vor allem auch im mentalen Bereich. Im Sommer vergangenen Jahres habe ich mich dann entschlossen, vom Profifußball Abstand zu nehmen und mich neu zu orientieren. Ich habe mir dann in recht kurzer Zeit beruflich ein stabiles Standbein aufgebaut, Fußball ist jetzt nur noch ein Hobby für mich.

Was hat dich letztlich dazu bewegt, nach Wasserburg zu wechseln?

Wiedmann: Matthias, Dominik, Georg Hass und ich haben uns gedacht, wir wollen mal etwas total Verrücktes machen. Wir saßen gemeinsam in der Sauna und haben uns gedacht, „warum wechseln wir nicht alle zu Wasserburg und führen den Verein zurück zu sportlich-erfolgreichen Zeiten“? Gesagt, getan. Jetzt spielen wir alle gemeinsam beim TSV in der A-Klasse, das ist schon echt crazy.

Wieso ausgerechnet Wasserburg?

Wiedmann: Die Familie Hain, bekannt durch die Buchbach-Spieler Maximilian und Hannes, hat mich in einer privat-turbulenten Zeit bei sich aufgenommen. Die Hains sind sehr mit Wasserburg und dem TSV verwurzelt und haben mir von den glorreichen Zeiten vorgeschwärmt. Das war letztlich die Brücke zu Wasserburg.

Spielte das Geld eine Rolle?

Wiedmann: Geld spielt nicht die zentrale Rolle. Wir (die Haas-Brüder und ich) sind alle beruflich etabliert und sehen Fußball als Hobby. Da ist es einfach nicht möglich, mehr als drei Mal pro Woche zu trainieren, unsere Prioritäten liegen auf dem Job. Wir kriegen alle eine Aufwandsentschädigung, aber primär geht es uns um den Spaßfaktor und die Möglichkeit, zusammenspielen zu können.

Wasserburg hat eine rabenschwarze Saison hinter sich. Mit diesen Verstärkungen kann das Saisonziel eigentlich nur Wiederaufstieg heißen. . .

Wiedmann: Definitiv. Das ganze Team hat nur ein Ziel vor Augen: den Aufsteig.

Wohin führt der Weg in den kommenden Jahren? Ist Euer Engagement langfristig angedacht?

Wiedmann: Wir haben für zwei Jahre in Wasserburg unterschrieben. Einmal aufsteigen und dann die Biege machen, das ist nicht meine Sache. Wir wollen hier etwas aufbauen und bewegen. Das hat viel mit Nachhaltigkeit im Verein zu tun, vor allem was die Nachwuchs- und Jugendarbeit angeht.

Welche Rolle spielst du im Mannschaftsgefüge?

Wiedmann: Auf dem Platz bin ich definitiv eine Führungsfigur. Das habe ich so in mir und bei jeder Station auch ausgelebt. Das hat beim VfB Stuttgart angefangen und ist bis heute so geblieben. Neben dem Platz bin ich eher ruhig, da gibt es andere Spieler, die den Ton angeben.

Früher VfB Stuttgart, Mainz 05, FC Basel, 1860 Rosenheim und jetzt geht es gegen Soyen, Albaching oder Rechtmehring. Wie groß ist die sportliche Umstellung für dich?

Wiedmann: Die Umstellung ist natürlich groß. Da gibt es Momente, da spielst du einen Pass, und plötzlich steht da ein Gegner, der in den letzten 20 Jahren dort nie gestanden wäre. Das Spiel ist einfach kampfbetonter, deutlich langsamer und weniger von Taktik geprägt. Dennoch fehlt es nicht grundsätzlich an spielerischen Elementen.

Es geht in den unteren Spielklassen bekanntlich härter zur Sache. Hast du da nicht Angst um deine Knie?

Wiedmann: Nein, sonst könnte ich es gleich sein lassen. Außerdem geht es in den unteren Ligen nicht nur auf die Knochen.

Kommen wir zu deiner Vergangenheit. Welche deiner Stationen hat dich fußballerisch am meisten geprägt?

Wiedmann: Die Zeit beim FC Basel war die intensivste meiner Karriere. Basel bedeutet für mich Heimat. Ich habe mich dort sportlich und auf menschlicher Ebene unheimlich weiterentwickelt, wenn es auch Rückschläge gab. In Mainz ist mir vor allem der enge Kontakt mit Thomas Tuchel positiv in Erinnerung geblieben.

Apropos. . erzähl uns doch, mit wem du früher so alles zusammengespielt hast?

Wiedmann: Beim VfB Stuttgart habe ich beispielsweise mit Sami Khedira, Serdar Tsci oder Andreas Beck zusammengespielt. Bei Mainz 05 hatte ich wie bereits erwähnt engen Kontakt zu Tuchel, daraus ist auch eine Freundschaft entstanden. In Basel habe ich eigentlich mit all denen zusammengespielt, die heute in der Bundesliga ein Begriff sind. Xerdan Shaqiri, Granit Xhaka, Valentin Stocker oder auch Yann Sommer.

Gibt es noch Kontakte?

Wiedmann: Ja, zu Shaqiri und Sommer habe ich beispielsweise noch einen guten Draht. Insgesamt sind die Kontakte gerade nach Basel und Mainz noch gut.

Dein Ziel war es, Profi zu werden. Wie schwer ist es dir gefallen, diesen Traum aufzugeben?

Wiedmann: Eigentlich war es eine Erlösung für mich. Nach all den Jahren voller Verletzungen, Rehamaßnahmen und Ängste um die sportliche Zukunft war ich erleichtert, endlich einen anderen Weg einschlagen zu können.

Statt durch die großen Fußball-Stadien des Landes zu tingeln, bist du in Rosenheim sesshaft geworden. Wieso ausgerechnet Rosenheim?

Wiedmann: Ich bin wegen meiner damaligen Freundin nach Rosenheim gekommen. Die Eingewöhnungszeit war dann sehr unkompliziert, da bin ich der Familie Hilger auch zu großem Dank verpflichtet. Dann habe ich hier wahnsinnig schnell sehr enge Freundschaften geknüpft, das habe ich so noch nirgends erlebt.

Verfolgst du die Entwicklung deines Ex-Klubs 1860 Rosenheim noch?

Wiedmann: Ehrlich gesagt hält sich mein Interesse in Grenzen. Es ist einfach aus meiner Sicht zu viel Negatives geschehen, als das ich da noch mit Leidenschaft bin.

Was ist konkret vorgefallen?

Wiedmann: Ich habe mit dem Rosenheimer Teamchef Thomas Siegmund kein gutes Verhältnis gehabt. Es gab zwischen uns einige Dinge, die ich nicht nachvollziehen konnte.

Die da wären?

Wiedmann: Er hat den Schritt von Matthias Haas und mir, 1860 zu verlassen, nicht akzeptiert und wollte aber gleichzeitig, dass wir spielen. Und das obwohl wir nicht 100 Prozent fit waren. Das hat mich sehr geärgert, der Verein liegt mir nämlich eigentlich am Herzen.

Bereust du die Entscheidung?

Wiedmann: Nein. Nachdem ich im Interview mit Beinschuss gelesen habe, dass er von Michael Kokocinski und Danjiel Majdancevic in der vergangenen Saison auf sportlicher Ebene enttäuscht gewesen sei, fühle ich mich in meiner Entscheidung erst recht bestätigt. Koko und Danjiel haben bis zum letzten Spiel alles für diesen Verein gegeben. Koko hat sogar seinen Urlaub verschoben, um am Relegationsspiel in Schweinfurt teilzunehmen. Danjiel hat sich in jedem Spiel und in jedem Training maximal reingehängt, da kann ich solche Aussagen nicht nachvollziehen. Außerdem muss man mal klipp und klar festhalten, dass es 1860 ohne die zwei erst gar nicht in die Relegation geschafft hätte.

Danke für das Interview

 

 

Quelle: rosenheim24.de

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