"Das hätten Magath oder Mourinho auch nicht besser gemacht"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
v.links: Seref Sahintürk, Beinschuss-Chefredakteur Tobias Ruf und Hakan Kus

Im Interview der Woche kommen Hakan Kus und Seref Sahintürk von Türkspor Rosenheim zu Wort. Hier lest Ihr, warum Kus sein Traineramt niederlegt, wie es dem einst angeschlagenen Verein heute geht und warum José Mourinho und Felix Magath keine geeigneten Trainer für Türkspor wären.

In der letzten Beinschuss-Direkt-Ausgabe vor der Sommerpause kommen Hakan Kus und Seref Sahintürk von Türkspor Rosenheim zu Wort. Hier lest Ihr, warum Kus sein Traineramt niederlegt, wie es dem einst angeschlagenen Verein heute geht und warum José Mourinho und Felix Magath keine geeigneten Trainer für Türkspor wären.

beinschuss.de: Hakan, was ist mit deiner Schulter passiert?

Hakan Kus: Ich wollte es am letzten Spieltag nochmal wissen und bin kurz vor der Halbzeit auf die Schulter gefallen. Ich habe mir das rechte Schlüsselbein angebrochen, keine schöne Sache als Rechtshänder. . .

Du hast mit dem letzten Spieltag dein Traineramt niedergelegt. Aus welchen Gründen?

Kus: Ich brauche einfach mal eine Pause. Der Fußball ist so zeitintensiv, da bleibt viel auf der Strecke. Ich will mich jetzt gezielt um mein Privatleben kümmern und auch mal ein freies Wochenende genießen. Aber ich bleibe Türkspor als sportlicher Leiter erhalten, so ganz ohne Fußball geht es dann doch nicht.

Wer wird dein Nachfolger?

Kus: Heinz Lamprecht übernimmt das Traineramt. Viele Spieler kennen Heinz noch als Jugendtrainer von Kolbermoor, auch ich halte ihn für die beste Wahl. Er ist ein guter Trainer, der viel Wert auf Disziplin legt, das wird sehr gut passen.

Wann ist die Entscheidung gefallen?

Kus: Anfang März ist die Entscheidung gefallen. Wenige Wochen vor dem Saisonende habe ich dann Heinz als Nachfolger vorgeschlagen. Heinz hat sich das Spiel gegen Grabenstätt angesehen und danach entschieden, den Job zu übernehmen. Für uns ging es um nichts mehr, trotzdem haben die Jungs alles gegeben. Das hat Heinz letztlich überzeugt.

Ihr seid in der abgelaufenen Saison Vierter in der Kreisklasse 1 geworden. Seref, bist Du damit zufrieden?

Seref Sahintürk: Auf jeden Fall. Unser Ziel war der Klassenerhalt, den haben wir frühzeitig erreicht. Wir haben eine junge Mannschaft, zudem war das Niveau in der Kreisklasse heuer sehr hoch. Unser Tospieler Ümit Ari war neun Wochen gesperrt, auch das hat es uns nicht leicht gemacht.

Bedauerst du Hakans Entscheidung?

Sahintürk: Natürlich. Hakan ist ein super Trainer, wir hätten gerne mit ihm weitergemacht. Aber Heinz ist eine sehr gute Alternative, ich bin fest davon überzeugt, dass er uns helfen wird. Außerdem bleibt uns Hakan erhalten. Er wird künftig die Brücke zwischen dem Trainer und dem Vorstand sein. Das ist eine ideale Konstellation.

Es gibt einige schwierige Typen bei Türkspor. Wird Heinz mit den Jungs umgehen können?

Kus: Das ist richtig. Wir haben einige schwierige Typen im Team. Aber Heinz kennt das aus seiner Zeit als Jugendtrainer in Kolbermoor. Ich habe da gar keine Bedenken. Und wenn es mal Probleme gibt, bin ich ja auch noch da.

Was unterscheidet türkische von deutschen Fußballern?

Kus: Wir Türken spielen mit mehr Herz und Emotion. Manchmal übertreiben wir es, aber meistens ist das schon ein Vorteil.

Sahintürk: Die Deutschen sind taktisch viel disziplinierter. Das ist unsere große Schwachtselle.

Kus: Absolut richtig. Man sieht es ja auch bei der türkischen Nationalmannschaft. Wir haben echt geile Kicker, aber ohne Disziplin geht es nicht. So ist das auch bei Türkspor. Spielerisch hat die Mannschaft alles drauf, aber mit der Disziplin ist es oft nicht weit her. Da kannst du Mourinho, Magath oder einen anderen Hardcore-Trainer hinschicken. Die hätten das bei Türkspor auch nicht besser hingekriegt als ich.

Was ist dann das Ziel für die neue Saison?

Kus: Mit Cevdet Akkaya, der nach Westerndorf geht, haben wir nur einen Abgang. Deswegen wollen wir uns verbessern und wieder oben mitspielen. In zwei Jahren wollen wir dann um den Aufstieg kämpfen.

Wie geht es dem Verein insgesamt?

Kus: Zum Glück wieder gut. Vor einigen Jahren waren wir kurz davor, den Verein auflösen zu müssen. Dann haben wir Seref als Präsidenten installiert, seitdem hat sich vieles verbessert.

Seref, was hast du verändert?

Sahintürk: Wir hatten Schulden in Höhe von fast 60.000 Euro. Ich musste mit vielen Leuten sprechen und Gelder akquirieren. Ob Mitglieder, Sponsoren, Vermieter oder Finanzamt, überall gab es Baustellen. Das waren sehr schwierige Jahre, aber jetzt sind wir schuldenfrei.

Wie viel Energie hat das gekostet?

Sahintürk: Das war eine sehr anstrengende Zeit. Ich habe fast ununterbrochen dafür gekämpft, dass es Türkspor wieder gut geht. Viele Mitglieder und Freunde haben mir dabei geholfen, jetzt sind wir zum Glück wieder gesund. Wir haben sogar eine Jugendmannschaft anmelden können, eine Spielgemeinschaft im Jugendbereich mit der FT Rosenheim ist zudem in Planung. Das ist für uns etwas Besonderes.

Wie wichtig war das Konfliktgespräch mit dem Verband?

Kus: Das war sehr wichtig. Seit den Gesprächen mit dem Verband haben wir regelmäßig Beobachter vom BfV bei uns an der Anlage. Die haben uns ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt und gemerkt, dass nicht immer wir Schuld haben.

Was genau meinst du damit?

Kus: Es gab in der Vergangenheit oft Probleme, das ist bekannt. Aber wenn man hinter die Kulissen blickt, stellt man fest, dass wir oft provoziert werden. Da fallen dann Begriffe wie "Dönerfresser" und ähnlicher Unsinn. Klar sind wir nicht unschuldig, aber durch die Spielbeobachtungen hat der BfV gemerkt, dass wir nicht immer der Sündenbock sind.

Sahintürk: Auch wir haben uns verändert. Wenn wir provoziert werden, melden wir das dem Verband. Das haben wir früher nicht gemacht.

Hat sich die Situation für Mannschaften mit Migrationshintergrund in den letzten Jahren verbessert?

Kus: Es gibt einige Beispiele, bei denen es wirklich deutlich besser geworden ist. Leider aber auch noch immer einige Orte, an denen wir beschimpft werden.

Sahintürk: Mit den meisten Vereinen haben wir ein sehr gutes Verhältnis. Daran wollen wir weiter arbeiten. Den besten Gastgeber, den ich seit langer Zeit erlebt habe, war der SV Seeon/Seebruck.

Kus: Absolut. Seeon ist ein toller Verein, sportlich und menschlich absolut spitze. Auf diesem Wege möchte ich dem SV noch herzlich zur Meisterschaft gratulieren!

Hakan, ist deine aktive Karriere mit der neuerlichen Verletzung eigentlich endgültig vorbei?

Kus: Absolut. Das wars für mich.

Sahintürk: Da bin ich mir nicht so sicher. Bei Hakan ist alles möglich.

Kus: Ok, sagen wir es so. Normalerweise ist Schluss (lacht).

Schluss ist ein gutes Stichwort. Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft.

Damit geht Beinschuss-Direkt in eine vierwöchige Sommerpause. Am 8. Juli sind wir mit dem Interview der Woche zurück!

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Magazin

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare