Vor dem Duell mit dem Angstgegner

Frankreich will "Rache" und die Vergangenheit vergessen

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Didier Deschamps

Marseille - Nach den bitteren Niederlagen der Vergangenheit hat die Équipe tricolore "Rachedurst": Im EM-Halbfinale am Donnerstag in Marseille soll der erste Sieg gegen Deutschland bei einem großen Turnier seit der WM 1958 gelingen.

Am Tag vor dem Showdown (Live-Ticker) wirkte Didier Deschamps völlig entspannt. Er war zu Scherzen aufgelegt, lachte in der offiziellen Pressekonferenz immer wieder - doch in die Karten ließ er sich nicht schauen. "Das bleibt geheim. Alles ist möglich", sagte der 47-Jährigen zur Taktikdiskussion. Ob die Franzosen gegen die DFB-Elf in einem stabilen 4-2-3-1 oder einem offensiveren 4-3-3-System spielen? "Wir haben viele Formationen einstudiert", sagte Kapitän Hugo Lloris, der auch meinte: "Ich weiß nicht, ob Deutschland wirklich besser ist."

Egal wie: Frankreich sinnt gegen den Nachbarn auf Rache, denn die letzten Niederlagen haben Spuren hinterlassen. "Das ist eine Narbe, die für immer bleiben wird", sagt Alain Giresse noch heute über das dramatische 4:5 im Elfmeterschießen im Halbfinale der WM 1982. Die Niederlage hat sich in sein Gedächtnis gebrannt, die Nachfolgegeneration will sich nun auch für das 0:1 im WM-Viertelfinale 2014 in Brasilien revanchieren. "Wir sind noch nicht darüber hinweg. Es ist an der Zeit, das wiedergutzumachen", sagte Mittelfeldspieler Moussa Sissoko.

Griezmann der gefährlichste Franzose

Beim EM-Heimspiel hat sich der Gastgeber im Viertelfinale gegen Außenseiter Island (5:2) warmgeschossen und pünktlich zum Duell mit den Deutschen die Grande Nation geschlossen hinter sich. "Diesmal glauben wir daran!", titelte das Boulevardblatt Le Parisien. Die L'Equipe schrieb vom "Rachedurst" und legte am Tag vor dem Spiel nach - auf der Titelseite druckte sie ein Jubelfoto von Stürmer Antoine Griezmann mit den Worten: "Sie haben Angst vor ihm."

Mit seinen vier Turniertreffern ist der 25-Jährige von Atlético Madrid bislang der gefährlichste Mann der EM. Griezmann ist aber längst nicht die einzige Gefahr. Auch Giroud, Dimitri Payet (beide 3 Tore) und Paul Pogba (1) sind zu jeder Zeit brandgefährlich. Außerdem traf Giroud in seinen letzten drei Spielen gegen Manuel Neuer. "Er ist im Strafraum sehr gefährlich, aber wir kennen ihn und werden uns auf ihn vorbereiten", sagte der Schlussmann von Bayern München.

Frankreich: Es gibt keinen Deutschland-Fluch

Vor allem auf dem Offensivtrio Griezmann-Giroud-Payet ruhen nach den Ausfällen von Innenverteidiger Mats Hummels (Gelbsperre) und Sami Khedira (Adduktorenverletzung) die Hoffnungen. "Es ist ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis. Trotz all des Respekts vor dem Weltmeister wollen wir unser Spiel durchziehen", sagte Deschamps: "Wenn wir es bis hierher geschafft haben, bedeutet es aber auch, dass wir Qualitäten haben. Wir können unsere Gegner vor Probleme stellen."

Auf dem Weg ins Finale am 10. Juli in St. Denis setzen Les Bleus nun wieder auf den Heimvorteil. "Wir spielen in Frankreich und fühlen den Enthusiasmus der Fans. Sie werden uns helfen, die letzten Prozente herauszuholen", sagte Lloris. Ein weiterer Vorteil: Nach ihren Gelbsperren stehen Adil Rami und N'Golo Kanté wieder zur Verfügung.

Von einem Fluch gegen Deutschland wollen die Franzosen nichts wissen. "Damals gehört zur Vergangenheit", sagte Lloris. Allerdings spricht noch eine Statistik für eine Niederlage Frankreichs: Seit dem WM-Finale 1966 in Wembley gegen England (2:4 n.V.) hat der Weltmeister nicht gegen einen Turnier-Gastgeber verloren, zuletzt gab es bei der WM 2014 das 7:1 gegen Brasilien.

sid

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