Zum Auftakt nur ein 0:0

DFB-Frauen legen EM-Fehlstart hin

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Anja Mittag schreit sich ihren Frust über das torlose Unentschieden von der Seele

Växjö - Das hatte sich Frauen-Bundestrainerin Silvia Neid ganz anders vorgestellt. Ihr Nationalteam kam zum EM-Auftakt nicht über ein 0:0 hinaus. Nun steht Deutschland im nächsten Spiel unter Druck.

So spielt kein Europameister: Die völlig verkrampft agierenden deutschen Fußballerinnen haben einen Fehlstart in die EM hingelegt und können in dieser Form keine Ansprüche auf den achten Triumph anmelden. Die runderneuerte Mannschaft von Bundestrainerin Silvia Neid, die bei der Endrunde ohne sechs Stammkräfte auskommen muss, kam in ihrem Auftaktspiel nicht über ein schmeichelhaftes 0:0 gegen die Niederlande hinaus. Damit ging die deutsche Auswahl, die zuletzt fünfmal in Folge den EM-Titel geholt hat, zum ersten Mal nach 16 Jahren und 19 EM-Siegen in Folge nicht als Gewinner vom Platz.

Das deutsche Team, das im schwedischen Växjö seine erste Endrundenpartie seit dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus bei der Heim-WM vor zwei Jahren absolvierte, zeigte eine ganz schwache Vorstellung. Durch das Remis hielt aber immerhin eine andere Serie: Die Deutschen, die noch nie ihr erstes EM-Spiel verloren haben, sind seit über 20 Jahren und nunmehr 27 Partien bei einer EM ungeschlagen. Im anderen Spiel der deutschen Gruppe trennten sich Norwegen und Island 1:1 (1:0).

Wenige Stunden vor dem Spiel hatte die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Unterstützung von höchster Stelle erhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief bei Neid an und wünschte dem Titelverteidiger viel Glück für das Turnier.

„Swanz“ und „Matildas“ - Die Spitznamen der Frauen-Teams

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„Ich bin natürlich enttäuscht. Weil wir nicht abgerufen haben, was wir können und was wir uns vorgenommen haben. Das muss in den nächsten Spielen besser werden“, sagte Celia Okoyino da Mbabi im ZDF: „Wir haben total unsicher gewirkt und haben viele einfache Fehler gemacht. Aber dass man bei so großen Aufgaben unkonstant ist, ist vielleicht der Nachteil einer jungen Mannschaft.“

Der Anruf half aber nicht. Vor 8861 Zuschauern war der stark verjüngten deutschen Auswahl (23,5 Jahre im Durchschnitt), die ohne die verletzten oder kranken Kim Kulig, Viola Odebrecht, Verena Faißt, Babett Peter, Linda Bresonik und Alexandra Popp zur Endrunde reisen musste, die Nervosität anzumerken. Im Spielaufbau lief nicht allzu viel zusammen, lediglich Okoyino da Mbabi hatte eine Chance auf dem Fuß (7.).

Die Mannschaft Neids, die nur noch neun Europameisterinnen von 2009 und zehn Teilnehmerinnen der WM 2011 in ihren Kader berufen hatte, konnte keinen Druck auf das gegnerische Tor ausüben. Die defensiv ausgerichtete Kontertaktik der Niederländerinnen, die es bei der EM vor vier Jahren immerhin ins Halbfinale geschafft hatten, ging voll auf. In der 17. Minute wäre Oranje durch einen Distanzschuss von Lieke Martens sogar fast in Führung gegangen. Fünf Minuten später musste Torhüterin Nadine Angerer bei einem Kopfball von Kirsten van de Ven erneut parieren.

So schön ist der Frauenfußball

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Auch Mitte der ersten Hälfte löste sich die Verkrampfung im deutschen Spiel nicht, die unzufriedende Neid wurde an der Seitenlinie immer lauter. Erst in der 29. Minute sorgte Nadine Keßler wieder für einen Hauch von Gefahr vor dem holländischen Tor. Danach agierten die Deutschen wieder unkonzentriert, schläfrig und zweikampfschwach, dennoch vergab Dzsenifer Marozsan wenige Sekunden vor der Pause die Chance zur Führung.

Zu Beginn der zweiten Hälfte brachte Neid die lange verletzte Simone Laudehr für die schwache EM-Hoffnungsträgerin Keßler. Innenverteidigerin Annike Krahn biss trotz einer Knieverletzung auf die Zähne und spielte weiter. Am schwachen Auftritt der Deutschen änderte sich allerdings nichts. Es fehlte weiter jede Kreativität im Offensivspiel, Manon Melis vergab sogar die Großchance zur Führung für die Niederländerinnen (62.). Auch im Anschluss konnte sich die die DFB-Elf nicht steigern.

In den weiteren Partien der Gruppe B treffen die Deutschen, die im Fall des Titelgewinns die EM-Rekordprämie in Höhe von 22.500 Euro pro Spielerin kassieren, am Sonntag in Växjö auf Island (20.30 Uhr/ZDF) und am 17. Juli in Kalmar auf Norwegen (18.00 Uhr/ARD/beide Eurosport).

sid/dpa

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