Abwehr-Kante gesteht

Portugal-Fiesling Pepe: "Auf dem Feld ein komplett anderer Mensch"

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Robust und gerne laut auf dem Platz: Pepe.

Marseille - Außerhalb des Platzes soll Pepe ein angenehmer Zeitgenosse sein, doch sobald Portugals Abwehrchef ein Fußballtrikot überzieht, mutiert er zum Fiesling.

Humor kann man Pepe jedenfalls nicht absprechen. In einem Twitter-Videogruß zum Valentinstag machte er sich über sein Image als raubeiniger Fiesling lustig: Im weißen Anzug wedelt der Portugiese charmant mit einer Rose, er zwinkert kitschig in die Kamera - und beißt der Blume dann unversehens den roten Kopf ab.

Unberechenbar, rücksichtslos, unausstehlich - so kennt man Képler Laveran Lima Ferreira als Fußballspieler. Der Verteidiger von Real Madrid und der portugiesischen Nationalmannschaft hat sich mit seinem Verhalten auf dem Platz zuletzt viele Feinde gemacht.

Lineker: "Pepe ist ein gigantischer Pisser"

Auch bei der EURO in Frankreich, wo er mit Portugal das Vierelfinale gegen Polen am Donnerstagabend (21:00 Uhr, live im Free-TV und Live-Stream) erreichte, gewann der 33-Jährige bislang keinen Sympathiewettbewerb. Teils fiese Zweikämpfe, ständiges Reklamieren, irre Blicke - "Pepe ist ein gigantischer Pisser", twitterte der englische Ex-Nationalspieler Gary Lineker nach Portugals 1:1 zum Auftakt gegen Island.

Er kann auch anders: Pepe tröstet seinen Real-Kollegen Luka Modric, nachdem EM-Aus der Kroaten im Achtelfinale.

Schon nach dem Champions-League-Finale von Real Madrid gegen Stadtrivale Atlético hatte sich Lineker über Pepe derbe aufgeregt - und die ganze Fußballwelt mit ihm. Seine schlechten Schauspieleinlagen machten Pepe zur Lachnummer im Internet, dabei hatte er gerade den wichtigsten Klubwettbewerb der Welt gewonnen.

"Auf dem Feld bin ich ein komplett anderer Mensch als privat", sagt Pepe über sich selbst. Real-Trainer Zinedine Zidane beschreibt ihn als "charmant" und "sehr höflich". Doch diese Eigenschaften legt der Innenverteidiger ab, sobald er ein Fußballtrikot überzieht. "Wenn er auf den Platz geht", sagt Zidane, "ist er besessen davon, zu siegen. Und dieses Verlangen sorgt dafür, dass er Fehler macht."

Pepe begab sich in psychologische Behandlung

Geboren und aufgewachsen im armen Arbeiterviertel der brasilianischen Stadt Maceió lernte Pepe früh das Gesetz des Stärkeren. Beim Fußball spielte er immer mit älteren Jungs, "und als sie mich hart trafen, habe ich meine Tränen zurückgehalten, um zu zeigen, dass ich kein Weichei bin", erzählte er einmal in einem Interview.

Wut und Aggressionen sind wesentlich in Pepes Spiel. Aber manchmal kann er diese nicht zügeln. 2009 prügelte der Real-Profi hemmungslos auf seinen am Boden liegenden Gegenspieler ein und verabschiedete sich bei den Schiedsrichtern mit den Worten: "Ihr seid alles Hurensöhne!" Den schockierten Klubbossen vericherte er hinterher, sich in psychologische Behandlung zu begeben, um seine Emotionen besser zu kontrollieren. Drei Jahre später sorgte er wieder für einen Aufschrei, als er Lionel Messi mit dem rechten Fuß auf die Hand trat.

Doch Pepe spielt immer noch für Real, und das nun schon seit neun Jahren. Weil er abgesehen von seinen gelegentlichen Aussetzern ein sehr guter Innenverteidiger ist. Auch bei der EURO spielte er in den ersten vier Spielen stark, vor allem beim unansehnlichen 1:0-Sieg im Achtelfinale gegen Kroatien blühte der 1,88-Hüne auf. Schmutzige Siege sind Pepe eben am liebsten.

sid

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