Erste Bundesliga-Partie nach dem Paris-Terror

HSV zerlegt Dortmund und schielt Richtung Europa

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Hamburgs Johan Djourou (l) und Pierre-Michel Lasogga (M) feiern den Treffer zum 1:0.

Hamburg - Tempo, Wille, Spielwitz: Ein überraschend stürmischer Hamburger SV hat Borussia Dortmund entzaubert und im Kampf um die Deutsche Meisterschaft womöglich für eine Vorentscheidung gesorgt.

Beim völlig verdienten 3:1 (2:0)-Sieg erzielten Pierre-Michel Lasogga (19.) per Elfmeter, Lewis Holtby (41.) und Mats Hummels mit einem Eigentor (55.) die Hamburger Treffer. Pierre-Emerick Aubameyangs (86.) Tor kam für die Dortmunder in diesem Hochsicherheits-Spiel zu spät.

Nach zuletzt vier Siegen in Serie musste der BVB wieder eine ganz bittere Pleite hinnehmen und konnte damit keinen Druck auf Tabellenführer Bayern München ausüben - Trainer Thomas Tuchel verzweifelte angesichts der desolaten Vorstellung regelrecht an der Seitenlinie.

Dortmund hat nur eines der letzten zehn Spiele beim Angstgegner in Hamburg gewonnen. Damit haben die Münchner beim FC Schalke (Samstag, 18.30 Uhr/Sky) die Chance, mit einem Sieg am 13. Spieltag bis auf acht Punkte davonzuziehen.

Die HSV-Fans durften nach einer spielerisch und kämpferisch überzeugenden Vorstellung über den zweiten Heimsieg der Saison jubeln. Die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia ist damit vorübergehend Tabellen-Achter und schielt plötzlich sogar auf die Europapokal-Plätze.

Die HSV-Abwehr stand gegen die sonst so starke BVB-Offensive um Marco Reus und Aubameyang sicher, und vorne nutzten die Hanseaten ihre Chancen eiskalt. Lasogga verwandelte sicher vom Elfmeterpunkt, nachdem BVB-Torwart Roman Bürki Ivo Ilicevic von den Beinen geholt hatte - doch der Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Felix Zwayer war durchaus zweifelhaft. Holtby (41.) schloss dann einen Konter überlegt ins lange Eck ab. Zuvor hatte Weltmeister Matthias Ginter den vorentscheidenden Treffer mit einem Blackout-Pass auf Nicolai Müller eingeleitet, der wiederum Holtby bediente. Auch Hummels machte bei seinem Eigentor nach einer Holtby-Ecke eine unglückliche Figur.

Spiel stand stark unter dem Eindruck der Terroranschläge 

Die Partie vor 57.000 Zuschauern im ausverkauften Hamburger Volksparkstadion stand ganz unter dem Eindruck der Terroranschläge von Paris eine Woche zuvor und des abgesagten Länderspiels von Hannover vor drei Tagen. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden verschärft, das Spiel musste wegen der langen Eingangskontrollen 15 Minuten später beginnen. Aber eine Absage der Partie wurde nie ernsthaft diskutiert.

„Das wäre eine solche Kapitulation, das würde ja Freudenstürme in Syrien und anderswo auslösen“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Den Opfern von Paris wurde ebenso in einer Schweigeminute gedacht wie dem verstorbenen Alt-Bundeskanzler und Hamburger Ehrenbürger Helmut Schmidt. Die Spieler liefen mit Trauerflor auf.

Beim BVB kehrte Superstar Marco Reus (Faserriss im Adduktorenbereich) zurück in die Mannschaft, der HSV musste hingegen weiter auf Spielmacher Aaron Hunt (Muskelfaserriss im Oberschenkel) verzichten.

Trotzdem hielten die Hanseaten mehr als nur gut mit, durch aggressives Pressing verhinderten die Hausherren, dass der BVB sein gefürchtetes Kombinationsspiel aufziehen konnte. Über schnelle Konter versuchte der HSV, selber gefährlich zu werden.

Nach den Gegentreffern intensivierten die Dortmunder dann ihre Bemühungen. Reus hatte eine gute Möglichkeit, doch Rene Adler parierte den Schuss aus 16 Metern ebenso souverän (23.) wie später einen Freistoß von Ilkay Gündogan (76.). Aubameyang traf nach einer starken Kombination dann doch noch, ein weiterer Treffer des Gabuners (90.+1) zählte wegen einer Abseitsstellung nicht - insgesamt war der BVB viel zu harmlos gewesen.

Der HSV hatte seine Besten in Holtby und Johan Djourou, bei Dortmund konnte mit Abstrichen noch Julian Weigl überzeugen.

SID

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