Beckert bestätigt Kritik

Friesinger vs. Pechstein: Streit eskaliert

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Die Schlammschlacht zwischen Claudia Pechstein und Anni Friesinger geht in die nächste Runde

Sotschi - Im Lager der deutschen Eisschnellläuferinnen geht es drunter und drüber. Die Kritik von Anni Friesinger und Stephanie Beckert hat eine neue Schlammschlacht am Rande der Eisbahn ausgelöst.

Claudia Pechstein wollte die neue Schlammschlacht nicht groß kommentieren, Stephanie Beckert heizte die angespannte Stimmung im deutschen Lager zusätzlich an. Die Team-Olympiasiegerin aus Erfurt warf der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) am Dienstag in Sotschi fehlende Unterstützung in der Auseinandersetzung mit Pechstein vor - und verärgerte damit wiederum Verbandsboss Gerd Heinze. „Wir haben alles für Stephanie getan, damit sie wieder in die Weltspitze kommt. Sie hat uns im Vorfeld keinen Ton gesagt, dass sie Probleme hat. Sie soll zu uns kommen und wir werden das besprechen“, sagte Heinze der dpa. „Hier gilt es aber, sich auf Olympia zu konzentrieren.“ Sein Deeskalationsversuch klang schon fast verzweifelt.

Ausgerechnet bei den Sotschi-Spielen, dem wichtigsten Wettkampf des Winters, geht es bei den Eisschnellläuferinnen mal wieder drunter und drüber. Nach der harschen Kritik von Anni Friesinger-Postma aus dem Ruhestand heraus gegen ihre langjährige Dauerrivalin Pechstein und den deutschen Verband monierten auch niederländische Trainer, die früher in Deutschland gearbeitet hatten, die „veralteten“ DESG-Strukturen. Pechstein versuchte, sich aus allem rauszuhalten und ließ über ihren Manager Ralf Grengel ausrichten: „Claudia konzentriert sich ganz auf die 5000 Meter und lässt sich nicht von Nebenkriegsschauplätzen ablenken, die von Dritten aufgemacht werden.“

Konstruktive Aufbauarbeit im deutschen Team nach Pechsteins viertem Platz und dem 17. Rang von Beckert über 3000 Meter sieht anders aus. Auslöser der neuerlichen Diskussionen war die Verbalattacke von Anni Friesinger-Postma in ihrer „Welt“-Kolumne. „Wenn solch eine große Unruhe im Vorfeld herrscht wie um Claudia, kostet das die deutsche Mannschaft Energie“, erklärte Friesinger-Postma und prangerte neben der vermeintlichen Bevorzugung der fünfmaligen Olympiasiegerin auch die Akkreditierung von deren Freund Matthias Große an. Dem Verband unterstellte sie, die streitbare Berlinerin gewähren zu lassen und in Kauf zu nehmen, „dass junge und sensible Talente wie eine Stephanie Beckert eben an dieser forschen Art zerbrechen“.

Die Spannungen zwischen Beckert und Pechstein eskalierten, nachdem die 41 Jahre alte Berlinerin ihrer jüngeren Kollegin beim Weltcup Ende 2012 in Heerenveen öffentlich der „Arbeitsverweigerung“ bezichtigt hatte. Daraufhin zog sich Beckert zurück und verzichtete bei der WM 2013 in Sotschi auf den Teamstart. „Ich brauche diesen Zoff nicht“, erklärte die Blondine aus Thüringen immer wieder und warf Pechstein indirekt Mobbing vor. Auch sie sei jetzt „voll auf das 5000-Meter-Rennen fokussiert“, sagte Beckert beim Olympia-Auftakt.

Die derzeit formschwache Blondine und Friesinger-Postma haben den gleichen Manager. „Jeder, der sich in der Szene auskennt, weiß, dass die Damen Friesinger und Beckert das gleiche Management haben. Das Kalkül, sich auf Claudias Kosten zu profilieren, ist relativ leicht zu durchschauen und nicht wert, weiter kommentiert zu werden“, meinte Grengel.

Friesingers ehemaliger Coach Gianni Romme und Ex-Bundestrainer Ab Krook griffen in der niederländischen Zeitung „Telegraaf“ unterdessen ebenfalls die Strukturen im deutschen Verband an. „Die Trainer in Deutschland arbeiten nicht zusammen, sondern gegeneinander“, sagte Krook. „Viele Trainer sind zu alt, sie trainieren nach veralteten Methoden, es ist keine Entwicklung zu erkennen.“ Seine Prophezeiung klang düster: „Deutschland wird zumindest acht Jahre nicht mehr die Weltspitze mitbestimmen.“

Gianni Romme, der Friesinger noch bei den Spielen 2010 in Vancouver betreute und zu Gold in der Team-Konkurrenz an der Seite von Beckert führte, empfindet die Situation ähnlich. Viele Stars wie Friesinger oder Franziska Schenk hätten nicht die Trainer-Laufbahn eingeschlagen oder seien gar nicht gefragt worden. „Es gibt Leute, die Veränderungen wünschen“, aber diese würden nicht erhört, behauptete der Doppel-Olympiasieger von Nagano.

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„Gianni Romme war in unser Trainerteam eingebunden. Ich weiß nicht wie er dazu kommt, nun so etwas zu behaupten“, konterte Heinze und forderte Romme auf, mit ihm das direkte Gespräch zu suchen. Laut Romme müssten Trainer in Deutschland nicht um ihren Job kämpfen. „In den Niederlanden müssen Trainer nach mehreren schlechten Ergebnissen gehen.“ In Deutschland hätten die verantwortlichen Trainer dagegen teilweise Verträge für lange Zeit. „Sie werden nicht an den Ergebnissen gemessen“, kritisierte Romme.

dpa

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