Geschlagener Kittel stinksauer

Cavendish gewinnt 14. Tour-Etappe

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Mark Cavendish.

Montélimar - Mark Cavendish sprintet bei der 103. Tour de France in einer eigenen Liga. Der 31-jährige Brite vom Team Dimension Data setzte sich auf der 208,5 km langen 14. Etappe von Montélimar zum Parc des Oiseaux in Villars-les-Dombes im Massensprint durch.

Cavendish ließ Marcel Kittel (Arnstadt/Etixx-Quick Step) und André Greipel (Rostock/Lotto-Soudal) an dessen 34. Geburtstag keine Chance.

Marcel Kittel schimpfte wie ein Rohrspatz, André Greipel war auch an seinem Geburtstag chancenlos: Der deutsche Sprinter-Albtraum Mark Cavendish hat mit einer kompromisslosen Kampflinie seinen vierten Etappensieg im fünften Massenspurt der Tour de France gefeiert. Nach 208,5 km siegte der britische Ex-Weltmeister in Villars-les-Dombes, nachdem er mit einem zumindest diskutablen Manöver noch am führenden Kittel vorbeigezogen war.

Kittel: "Bin extrem enttäuscht" 

"Ich bin extrem enttäuscht. Der Sprint lief gut, aber Cavendish hat mein Ergebnis verhindert, das sieht man im Video", sagte Kittel, der kurz vor dem Ziel eine Berührung mit Cavendish bei rasendem Tempo knapp vermied. Danach steckte der 28 Jahre alte Arnstädter wild gestikulierend auf und rollte als Fünfter über die Ziellinie - der Traum vom zweiten Etappensieg war geplatzt. Ob die Jury noch gegen Cavendish aktiv wird, war zunächst unklar.

Der erfahrene Brite, der vor dem Norweger Alexander Kristoff (Katjuscha) und Weltmeister Peter Sagan (Slowakei/Tinkoff) gewann, zeigte sich keiner Schuld bewusst: "Wenn man genau hinschaut, ist es Kittel, der nach links fährt. Er war sehr nah an den Barrieren, und als ich ihn überhole, kommt er nach links gezogen", sagte die "Manx Missile": "Ich glaube, er war einfach frustriert, denn er wollte die Etappe gewinnen, nachdem er letztes Jahr nicht mitfahren konnte."

Klassiker-Spezialist John Degenkolb (Gera/Giant-Alpecin) landete als bester Deutscher auf Platz vier und zeigte seine beste Leistung nach seinem schweren Trainingsunfall im Winter. "Das war extrem wichtig für mich, das gibt mir neues Selbstvertrauen. So kann ich mit einem guten Gefühl in die letzte Woche der Tour de France gehen", sagte Degenkolb.

Der deutsche Meister Greipel, der am Samstag 34 Jahre alte wurde, wurde nur Sechster. "Es war schwierig bei dem Gegenwind. Ich habe versucht, mir einen Weg zu bahnen. Aber wenn man von zu weit hinten kommt, ist es schwierig", sagte der Rostocker.

Nur ein Etappensieg durch Marcel Kittel auf dem vierten Teilstück nach 14 Tour-Rennentagen - weniger gab es für die deutschen Profis zuletzt 2010, als sie die gesamte Frankreich-Rundfahrt ohne Erfolg blieben. Seit 2012 hatten die deutsche Profis zu diesem Zeitpunkt stets schon mindestens drei Siege auf dem Konto, 2013 und 2014 sogar schon deren fünf.

Cavendish, der längst der überragende Sprinter der Tour ist, feierte seinen insgesamt 30. Tagessieg bei der Frankreich-Rundfahrt. Mehr hat nur die belgische Legende Eddy Merckx (34) erreicht.

In der Gesamtwertung bleibt alles beim Alten: Der britische Titelverteidiger Chris Froome, der wie seine Konkurrenten zeitgleich mit dem Sieger ins Ziel kam, führt weiter mit 1:47 Minuten vor dem Niederländer Bauke Mollema (Trek-Segafredo) und 2:45 Minuten vor dem Briten Adam Yates (Orica-BikeExchange).

Nach einer verbummelten ersten Rennstunde mit 30,4 km/h im Schnitt hatte sich am Samstag eine Vierergruppe um den Italiener Cesare Benedetti vom deutschen Team Bora-Argon 18 abgesetzt. Bei starkem Gegenwind konnten die Ausreißer ihren Vorsprung aber nicht entscheidend ausbauen, die beiden letzten Fahrer wurden schließlich nach weit über 150 km auf der Flucht erst 3400 m vor dem Ziel eingeholt.

Am Sonntag ist bei der Tour Spektakel garantiert. Eine Woche vor dem Finale haben die Tour-Organisatoren am Alpenrand eine Berg- und Talfahrt zusammengebastelt, die es richtig in sich hat: Auf 160 km zwischen Bourg-en-Bresse und Culoz haben sie gleich sechs Bergwertungen eingebaut, darunter eine der höchsten und zwei der ersten Kategorie, flach sind lediglich die letzten Kilometer ins Ziel.

Nairo Quintana müsste nach der Zeitfahr-Pleite am Freitag eigentlich schon in den Angriffsmodus schalten, um Froome im Kampf um den Toursieg noch gefährden zu können. Greipel, Kittel und Co. werden sich weit hinten einsortieren - und vielleicht schon an den Sprinter-Showdown am Schlusstag in Paris denken.

sid

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