20 Jahre als Moderator

Mister Sportschau wird 75

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Heribert Faßbender.

Köln - Heribert Faßbender wird am Montag 75. Der WDR-Sportchef war 20 Jahre lang das Gesicht der ARD-Sportschau.

Manchmal ändern sich die Dinge. Und mit ihnen auch die Menschen. Und die Ansichten. Trotzdem gibt es auch 2016 noch Konstanten. Auch wenn man das vielleicht nicht immer zu würdigen weiß. "Guten Abend allerseits" ist eine solche Konstante, auch wenn sie von Heribert Faßbender auf dem Schirm schon lange nicht mehr zu hören ist. Aber wenn er die Menschen um ihn herum mit diesen Worten begrüßt, ist man sofort wieder in den alten Zeiten des Fernsehens, des Sports im Fernsehen. Der Sportschau der ARD. Und er war und ist einer ihrer Großen. Am Montag (30. Mai) feiert Heribert Faßbender seinen 75. Geburtstag.

Was soll man sagen? Heribert Faßbender ist einmalig, eine Meinung, die viele vertreten, die man aber nicht teilen muss. Kurt Brumme hat ihn damals entdeckt, für das Radio, für Sport und Musik im WDR. Seitdem hat diese Stimme die Szene nie wirklich verlassen. Die Stimme war nicht nur eine Stimme des Sports, diese Stimme war und ist Kult. Heribert Faßbender, den viele, gelegentlich ziemlich Ahnungslose immer wieder kritisiert haben, war nie nachtragend. Vergessen hat er aber nichts und niemanden.

Faßbender war und ist eine der prägenden Persönlichkeiten des deutschen Sportjournalismus, obwohl der Sport nicht sein einziges Betätigungsfeld war. Bevor er 1982 Sportchef des WDR wurde, moderierte er Spiel ohne Grenzen, das Mittagsmagazin des WDR und Blickpunkt Düsseldorf als Leiter des Landesstudios Düsseldorf. Faßbender hatte und hat, wie man sagt, beste Kontakte in alle gesellschaftlichen Bereiche. Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, sein Netzwerk ist wirklich eines. Dabei erzählte er am liebsten immer von den Anfängen, als die Sportreportage im Radio noch das Besondere war. Das, was sich eingeprägt hat. Über Jahrzehnte.

Das Licht der Welt erblickte Heribert Faßbender in Ratingen, reiste durch die Welt, aber Nordrhein-Westfalen blieb immer sein Land. In guten wie in schlechten Zeiten. Man identifiziert ihn immer mit dem Fußball, das wird ihm aber nicht gerecht. Weil Faßbender nie nur Fußball war. Der Rochus Club in Düsseldorf wäre ohne ihn längst von der medialen Bildfläche verschwunden. Es waren auch immer die kleinen olympischen Sportarten, die diesen Mann interessierten. Und faszinierten. Wie der Turniersport, das Springreiten. Heute spielt Faßbender Golf.

Jura hat er studiert, seine Mama, die er verehrt hat, fand das gut. Weil damals Juristen immer und überall einen Stein im Brett hatten. Die, die ihn nicht kennen, haben ihm immer eine gewisse Arroganz unterstellt, was vor allem daran lag, dass er nicht gleich jedermanns Freund gewesen ist. Faßbender hat seine Macht im WDR und in der ARD zu nutzen verstanden, das kann man ihm nicht vorwerfen. Er war immer einer mit Durchsetzungsvermögen.

Neun Olympische Spiele, acht Fußball-Weltmeisterschaften, gemeinhin wird die Bedeutung von Sportberichterstattern ja immer daran gemessen, bei wie viel Großereignissen sie dabei waren. Zwei Jahrzehnte moderierte er die Sportschau. "Ich habe einen Traumjob", hat Faßbender immer gesagt. Polarisiert hat er immer. Viele, die ihn kritisierten, erreichten ihn nie. Die, die ihn erreichten, hatten selten Grund zur Kritik. Weil Heribert Faßbender am Ende eben doch immer einer war und ist, auf den man sich verlassen konnte und kann.

Als öffentliche Person hat er immer mit Kritik gelebt. Auch mit unfairer. Manche ging ihm wirklich nahe. Man muss ihn besser kennen, um das zu verstehen. Irgendwann ist er auch Präsident des Verbandes Westdeutscher Sportjournalisten geworden. Das hatte auch mit Kurt Brumme zu tun. Der war das auch einmal. Und man hat Entdeckern gegenüber schließlich eine Verpflichtung. Das hat Heribert Faßbender immer gewusst. Wo er herkam. Und wer damit zu tun hatte.

Er brachte viele, sehr viele auf die journalistische Piste. Und blieb ihnen verbunden. Fragte nach. Er ist immer noch gern gesehen. Und ist am Ende doch irgendwie ganz anders, als die meisten gedacht haben und denken. Auch das macht ihn besonders.

sid

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