Letzter Wunsch ist bereits erfüllt

Nach Silber: Paralympics-Star Vervoort denkt an Sterbehilfe

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Marieke Vervoort.

Diest/Köln - Sie ist Paralympics-Siegerin, gewann in Rio Silber und gibt sich in der Öffentlichkeit oft fröhlich. Doch die Belgierin Marieke Vervoort erlebt auch die "dunkle Seite". Deshalb beschäftigt sie sich mit Euthanasie. Den letzten Wunsch hat sie sich bereits erfüllt.

Mit der Silbermedaille im Rollstuhlrennen über 400 Meter am Samstag endete die Sportkarriere der mehrfachen Medaillensiegerin Marieke Vervoort. Es war ihr letzter Wettbewerb, wie sie nun bestätigte. Und nun?

"Der Sport ist mein einziger Grund zu leben", sagte die Belgierin der französischen Zeitung Le Parisien. Und im belgischen Blatt L'Avenir erklärte sie gar: "Ich beginne, mich mit Euthanasie zu beschäftigen." Die aktive Sterbehilfe ist in Belgien wie sonst nur in den Niederlanden, Luxemburg und im US-Bundesstaat Oregon erlaubt. Und sie habe "Dinge erleben müssen, von denen andere nicht einmal träumen."

Sie hat ganz genaue Vorstellungen von ihrer Bestattung

Die Papiere für die Sterbehilfe liegen angeblich bereits bereit, und sie hat auch feste Vorstellungen über ihre Beerdigung. Es soll keinen Gottesdienst geben und keinen Kuchen: "Ich möchte, dass alle mit einem Glas Champagner dastehen und an mich denken."

Ob sie die Sterbehilfe wirklich in Anspruch nimmt und wann, weiß die an einer unheilbaren, degenerativen Krankheit leidende Vervoort noch nicht. "Wir werden sehen, was das Leben danach für mich bereithält", sagte sie. Einfach so aufgeben will sie trotz der Euthanasie als möglichem Ausweg also nicht. Und sie versprach: "Ich werde versuchen, die schönen Momente so gut es geht zu genießen."

"Niemand sieht die dunkle Seite"

Ihr letzter Wunsch auf der "bucket list" war: Rio, die Paralympics. Und sie wollte sich "am liebsten auf dem Podium vom Sport verabschieden." Nach 2012 in London, als sie mit ihrem Rennrollstuhl Gold über 100m gewonnen hatte, schaffte sie es in Rio dann tatsächlich wieder zu Silber über die 400m. Und das trotz ihrer immer weiter fortschreitenden körperlichen Defizite.

Sie denkt oft auch positiv. Und in der Öffentlichkeit trägt sie sogar meist gute Laune vor sich her. Sie will sich nichts anmerken lassen. "Alle sehen mich lachen, aber niemand sieht die dunkle Seite", erklärte sie: Diese "dunkle Seite", das sind Schmerzen. "Ich leide", sagte Vervoort: "Manchmal schlafe ich nachts nur zehn Minuten." Sie sei schon mehrmals nachts in Ohnmacht gefallen, ihr Hund habe ihr schließlich das Gesicht geleckt, bis sie wieder erwachte.

sid

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