Italienische Presse zürnt

"Albtraum" - Vettel und Ferrari nur noch dritte Kraft

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Sebastian Vettel nach dem Rennen auf dem Hockenreimring.

Hockenheim - Seit dem Großen Preis von Deutschland ist es offiziell: Ferrari und Sebastian Vettel sind nur noch dritte Kraft in der Formel 1. Italiens Presse zerreißt die Scuderia in der Luft.

Sebastian Vettel hatte sich am Sonntag in Hockenheim noch mühsam zurückgehalten. Klare Kritik an seinem Team vermied der Ferrari-Star nach dem bitteren Heimspiel - am Montagmorgen übernahm dies Italiens Presse. Und sie zerriss die Scuderia geradezu in der Luft.

"Ferrari, ein Albtraum!", titelte die Gazzetta dello Sport, "Maranello versinkt in der Krise." Tuttosport attestierte dem stolzen Rennstall eine "Saison zum Vergessen", und laut Corriere dello Sport gibt es für Ferrari in diesem Jahr "keine Hoffnung mehr. Alle Pläne sind gescheitert".

Denn die Plätze fünf und sechs für Vettel und seinen Teamkollegen Kimi Räikkönen beim Sieg von Weltmeister Lewis Hamilton im Mercedes waren nicht bloß die nächste Enttäuschung. Seit Sonntag, pünktlich vor der vierwöchigen Sommerpause der Formel 1, ist Ferrari (242 Punkte) ganz offiziell nur noch dritte Kraft hinter den Weltmeistern von Mercedes (415) und Vettels Ex-Team Red Bull (256) - erstmals, seit Vettel sich Anfang 2015 den Italienern anschloss, sind sie nicht mehr der erste Verfolger.

"Wir konnten einfach nicht mitgehen"

Statt des gewünschten und erwarteten Fortschritts steht Ferrari also gefühlt wieder ganz am Anfang dieses Neubeginns. Die Leistung auf dem Hockenheimring sei mal wieder "schwierig zu akzeptieren, für so etwas sind wir nicht hergekommen", sagte Vettel: "Wir konnten einfach nicht mitgehen."

Längst fürchtet man in Italien, dass Hoffnungsträger Vettel angesichts der Stagnation die Lust an seinem "Projekt Maranello" verliert. Vor dem nächsten Rennen im belgischen Spa (28. August) fühlen die Beobachter sich an den letzten großen Star in Rot erinnert. Und der scheiterte. "Vettel ist deprimiert in einem Auto, das nicht seinen Standards entspricht", schreibt der Corriere della Sera: "Er erinnert schon an Fernando Alonso und an dessen verlorene Liebe für Ferrari. Auch Vettel ist Siege gewohnt. Wenn er nicht gewinnt, entsteht gefährlicher Unmut."

Red Bull scheint besser gerüstet

Längst dürfte Ferrari zwar seinen Fokus vor allem auf das kommende Jahr gelegt haben, wenn das Reglement für Aerodynamik und Reifen sich grundlegend ändert und die Karten neu gemischt werden. Doch auch mit Blick auf diese neue Herausforderung sehen viele Red Bull Racing mittlerweile besser aufgestellt.

Denn das Team von Getränkemilliardär Dietrich Mateschitz macht derzeit genau das, was Ferrari eigentlich vorhatte: jeden Fehler der Silberpfeile ausnutzen. Am Sonntag holten Daniel Ricciardo und Max Verstappen die Ränge zwei und drei, noch vor Mercedes-Pilot Nico Rosberg. "Red Bull ist definitiv unser stärkster Gegner", sagt daher WM-Spitzenreiter Hamilton mittlerweile.

Auch eine Aussage von Mercedes-Sportchef Toto Wolff spricht Bände. "Red Bull wird 2017 voll da sein, auch schon in der zweiten Hälfte dieser Saison", sagte der Österreicher am Sonntagabend in Hockenheim - und nur auf Nachfrage schob er pflichtschuldig hinterher: "Ferrari darfst du auch nicht abschreiben, ein Team mit so viel Herz und so vielen Ressourcen." Für Sebastian Vettel wohl eher ein schwacher Trost.

SID

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