Samerberger Rad-Profi Marcus Burghardt zieht Tour-Bilanz

"Champs Elysees? Puh, das kann ja was werden!"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Marcus Burghardt in Aktion.

Samerberg - Geschwindigkeitsrekord und trotzdem ein gemischtes Fazit: Im Interview spricht der Samerberger Rad-Profi Marcus Burghardt über seine Bilanz zur Tour de France, über die Stimmung in Zeiten des Terrors und über ein Profi-Rad-Event in Bruckmühl:

Marcus Burghardt ist Profi. Er radelt in der Weltelite beim Team BMC Pro Racing. In diesem Jahr startete er bereits zum achten Mal beim bedeutendsten Radrennen der Welt, der Tour de France. Unter anderem stellte Burghardt hierbei einen "All-Time-Record" auf, als er eine Höchstgeschwindigkeit von 130,7 km/h auf den Tacho brachte. Wir haben mit dem sympathischen Radler vom Samerberg gesprochen.

Rosenheim24: Ein paar Tage ist die Tour nun vorbei. Mit diesem Abstand: Wie sieht dein sportliches Fazit der letzten Wochen aus?

Marcus Burghardt: Unser Ziel war schon, dass wir gewinnen. Leider hat das nicht geklappt. Am Ende wurde Richie Porte, der Top-Fahrer in unserem BMC-Team, Fünfter. Er hatte Pech, weil er sechs Kilometer vor dem Ziel einen Platten hatte. Sonst wäre er Zweiter geworden. Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden, aber wenn man sieht, was möglich gewesen wäre, ist man schon ein bisschen traurig.

Rosenheim24: Was sagst du zu deiner persönlichen Leistung?

Burghardt: Da kann ich auf jeden Fall zufrieden sein. Ich hatte eine gute Form, habe mich gut vorbereitet. Ich habe sogar ein spezielles Höhentrainingslager absolviert, um mich auf die vielen Bergetappen einzustellen. Ich habe zwar im Jahr 2008 einmal eine Etappe gewonnen, das war natürlich ein Highlight. Aber insgesamt war das wohl meine beste Tour.

Rosenheim24: Du hast ja auch einen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt...

Burghardt: Ja schon, aber darauf bin jetzt nicht so stolz. Natürlich, für Otto-Normal-Radfahrer sind 130 km/h schon sehr schnell. Aber für Profis sind solche Geschwindigkeiten unter guten Voraussetzungen schon mal möglich. Das ist für mich persönlich nicht so wichtig. Da wäre mir lieber, wenn unser Team gewonnen hätte.

Rosenheim24: Man kommt ja leider in diesen Tag nicht um das Thema Terror herum - besonders in Frankreich. Wie hast du die Lage und die Stimmung vor Ort wahrgenommen?

Burghardt: Also gemerkt hat man diese besondere Situation schon. Es gab zum Beispiel eine viel höhere Polizeipräsenz als in den letzten Jahren. Und bevor wir dann in der letzten Etappe zur Champs Elysees gefahren sind, hab' ich mir schon gedacht: "Puh, das kann ja was werden!" Aber wir hatten die Informationen, dass die Anzahl der Sicherheitskräfte nochmals aufgestockt wurde. Da habe ich mich schon sicher gefühlt.

Rosenheim24: Der Anschlag in Nizza und der Amoklauf in München fielen ja direkt in den Zeitraum der Tour. Gab es da Auswirkungen für euch?

Burghardt: Das war natürlich alles andere als schön. Es gab nach beiden Vorfällen vor dem Start eine Schweigeminute, das war ein komisches Gefühl. Man macht sich natürlich Gedanken. Die Tour ist ja auch ein riesiges Sportereignis, und man kann nicht die ganze Strecke überwachen. Ein Risiko bleibt immer.

Rosenheim24: Lass uns wieder über den Sport sprechen. Wie sehen deine Zukunftspläne jetzt aus?

Burghardt: Im Dezember läuft mein Vertrag aus. Jetzt stehen Gespräche mit BMC aber auch mit anderen Teams an. Da muss man schauen, wohin die Reise geht. Aber mein Ziel ist klar: Ich würde schon gerne wieder die Tour de France fahren. Sie hat einfach einen ganz besonderen Flair. Und jetzt stehen auch noch ein paar Rennen an.

Rosenheim24: Eines davon ja direkt in der Heimat.

Burghardt: Genau, am Freitag um 20.45 Uhr starte ich neben 40 anderen Profis beim Kriterium in Bruckmühl. Es ist ja nicht alltäglich, dass man so ein Rennen quasi direkt vor der Haustüre hat. Da hoffe ich natürlich auf eine gute Form und auf den Heimvorteil. Vielleicht klappt's ja sogar mit einem Platz auf dem Podium.

Rosenheim24: Da drücken wir die Daumen!

Burghardt: Danke sehr.

Das Interview führte Andreas Hundseder.

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Regionalsport

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser