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619.05.1019.05.10|Traunstein|4 Kommentare
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Traunstein - Braucht wir den "Chiemgauer" oder nicht? Über die Regionalwährung diskutierten die Bürger mit Grünen-Politikern wie Sepp Daxenberger.

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Warb für eine Stärkung der regionalen Wirtschaft durch die Nutzung Erneuerbarer Energien: Landtagsabgeordneter Sepp Daxenberger
Traunstein - Gut 50 Interessierte waren am Dienstagabend in den Sailer Keller gekommen, um sich über die Regionalwährung Chiemgauer zu informieren. Eingeladen hatte der Kreisverband Traunstein Bündnis 90/Die Grünen, und so war auch der überwiegende Teil der Besucher Mitglieder der Partei, die teilweise sehr kontrovers über den Sinn und Zweck der Regionalwährung diskutierten. Vorbehalte über die umständliche Handhabung waren genauso zu hören wie Plädoyers für den regionalen Einkauf für den der Chiemgauer stehe.
Grünen-Landtagsabgeordneter Sepp Daxenberger aus Waging wies darauf hin, dass der Termin der Veranstaltung vor dem Hintergrund der Euro-Vertrauenskrise gut gewählt sei. „Ich werde fast jeden Tag auf meinem Weg nach München im Zug gefragt, wie es mit den Finanzen und dem Euro weitergeht“ so der Landtagsabgeordnete. Der Chiemgauer sei nicht die Lösung aller Probleme, aber er sei „gut für die Menschen, die wissen wollen, was mit ihrem Geld passiert und wie es in der Region eingesetzt werden kann.“
Moderator Alexander Jäger aus Traunstein sah das überregionale Interesse am Chiemgauer mit gemischten Gefühlen: „Der Chiemgauer genießt heute weltweites Interesse. Nur in der Region ist das Interesse gering.“ Der Chiemgauer sei ein Gegenpol zur Globalisierung. In seiner Ausgestaltung sei er dem Sternthaler aus dem Berchtesgadener Land sehr ähnlich.
Gisela Sengl, die in Sondermoning einen Bio-Hofladen betreibt, konnte sich mit dem Einsatz der Regionalwährung nicht anfreunden: „Regional wirtschaften ist einfach. Dazu brauche ich aber nicht so etwas kompliziertes wie den Chiemgauer.“ Massive Kritik äußerte sie an Vereinen, die Regionalität propagieren würden, ihre Einkäufe für Festveranstaltungen dann aber beim Discounter vornehmen würden.
Gisela Sengl machte klar, dass sie ihr Leben durch den Chiemgauer „nicht noch komplizierter machen wolle.“ Geld sei vom Grundsatz her nicht schlecht, sondern etwas ganz normales. Auch die Suche nach den bestmöglichen Zinsen sei ein legitimer Vorgang. Eine Überzeugung der eine Reihe von Teilnehmern widersprachen, die den Umgang mit dem „Mamon“ als Wurzel des Übels ausmachten. Elisabeth Heimbucher, die in Chieming eine Töpferei betreibt spürte wenig Lust für eine Nutzung des Chiemgauers: „Den kann ich in Chieming nur an zwei Stellen loswerden. Wir Grüne sollten selbst so viel Hirn haben, dass wir wissen wo wir einkaufen können.“ Burgi Mörtl-Körner aus Traunstein wies darauf hin, dass die Förderung der Vereine durch die Zuwendungen des Chiemgauers in Zeiten klammer öffentlicher Finanzen eine gute Finanzierungsmöglichkeit sei: „Das ist ein gutes Zukunftsprojekt.“
Auf die Frage bezüglich einer künftigen Finanztransaktionssteuer positionierte sich Grünenpolitiker Janecek eindeutig: „Wir sind ein klarer Verfechter dieser Steuer. Aber die Bundesregierung will sie international und wir wollen sie europäisch, weil diese durchsetzbar ist.“ MdL-Daxenberger wies darauf hin, dass im Rahmen des Energieverbrauches 400 bis 600 Millionen aus der Region fließen würde. „Wenn ich diese Energie selbst produziere, dann bleibt auch das Geld in der Region.“ Christophe Levannier, Regionalbüroleiter in Traunstein stellte die Vorzüge der Währung heraus: „Durch das Zahlen mit dem Chiemgauer zwingt man andere dazu, diese wieder in den regionalen Kreislauf einzubringen und auszugeben.“ Sein Kollege aus Wasserburg, Klaus Kopp wies darauf hin, dass durch die Regionalwährung „tolle Kreisläufe“ entstanden seien, „regionale Erzeugung, regionale Kreisläufe werden ausgebaut und verstärkt.“ Vier Millionen Euro Umsatz habe man im vergangenen Jahr generiert, nach drei Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, 45.0000 Chiemgauer seien derzeit im Umlauf.
awi
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