Ernüchternde Realität - Benedikt auf Zypern

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Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch auf Zapern.

Nikosia - Unerfüllbare Erwartungen, ernüchternde Realität: Papst Benedikt XVI. ist bei seinem dreitägigen Besuch der Mittelmeerinsel Zypern an die Grenzen eines Papstes gestoßen.

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Ein Rückschlag auf dem Weg zu einer politischen Lösung für das seit Jahrzehnten geteilte Zypern machte mehr Schlagzeilen als sein wiederholter Aufruf, doch geduldig auf Frieden und Versöhnung zu hoffen. Nicht allen schmeckt es, dass sich das Kirchenoberhaupt vehement dafür einsetzt, Katholiken und Orthodoxe wieder anzunähern.

"Beten ist gut, aber es ist nicht genug"

Und während sich der Streit um Israels Gaza-Blockade noch zuspitzt, kann der Papst nur beten - und vor noch mehr Blutvergießen warnen. "Beten ist gut, aber es ist nicht genug", meint der Taxifahrer Andreas in Nikosia skeptisch.

Das Radio berichtet gerade von den Messen des Papstes. Während die kleine katholische Gemeinde auf der zum Nahen Osten gehörenden Insel ihrem Benedikt zujubelt, scheint so manch ein Zyprer wenig überzeugt. Spricht dieser Papst deutlich genug oder eher an der harten Wirklichkeit vorbei? Gleich bei der Begrüßung in Paphos redet der griechisch-orthodoxe Erzbischof Chrysostomos II. Klartext: "Die Türkei, die uns 1974 barbarisch attackiert hat und mit Waffengewalt 37 Prozent unseres Landes besetzte, schreitet voran mit ihren unheiligen Plänen, schließlich ganz Zypern zu annektieren."

Klingt so ein Mann, der noch auf eine Verhandlungslösung setzt? Doch der Pontifex aus Rom will sich nicht von der "Tagespolitik" vereinnahmen lassen, formuliert vorsichtig und leise, geht nicht auf solche Breitseiten ein. "Lasst uns unsere Anstrengungen verdoppeln, einen wirklichen und dauerhaften Frieden für alle Völker in dieser Region zu bauen." Das ist so ein Satz, mit dem Benedikt dafür wirbt, geduldig und gewaltlos ein Licht am Ende des Tunnels zu suchen.

Die Hoffnung dürften aber vor allem Christen verlieren, die im Nahen Osten unter Konflikten und Diskriminierungen leiden. Weil deren Zahl ausgerechnet im Heiligen Land immer mehr schrumpft, soll jetzt eine Nahost-Sondersynode im Herbst nach Auswegen suchen - Zypern war die Plattform, um diese katholische Kraftanstrengung gegen den Strom der Zeit vorzustellen. Ob sie Erfolg haben kann? Zweifel sind erlaubt.

Dialog, Zusammenarbeit, Versöhnung

Etwas müde wirkt der 83-jährige Joseph Ratzinger auf der 16. Auslandsreise seines Pontifikats. Dialog, Zusammenarbeit, Versöhnung, und das alles in Gottvertrauen, das bleibt seine Botschaft. Derweil verschärft sich östlich von Zypern vor der Küste des Gazastreifens der handfeste Streit um internationale Hilfe für die Palästinenser von neuem. Vor gut einem Jahr noch, beim Besuch in Bethlehem und in Israel, hatte der deutsche Papst kräftigere Worte gefunden - gegen die unerträgliche Mauer, mit der sich Israel von den Palästinensern abschottet, für eine Zwei-Staaten-Lösung, um den Konflikt zu beenden.

Zypern setzte inhaltlich den päpstlichen Besuch im Heiligen Land von 2009 fort. Doch kam er als Religionsführer, nicht als politischer Staatsmann. Demütig hatte Benedikt zuletzt auf dem Weg nach Portugal die Sünde in der Kirche gegeißelt, wegen des Missbrauchsskandals. Da bleibt er auf Zypern zurückhaltender, was das Pulverfass Nahost und Zypern - die letzte geteilte Region in Europa - angeht. Pessimismus schimmert durch, wo Hoffnung gepredigt werden soll. Er geht auf die Orthodoxen zu, möchte die historische Spaltung gerne ein Stück weit überwinden. Und er will mit der Nahost-Sondersynode die Christen davor bewahren, dort ganz den Boden unter den Füßen zu verlieren. Der erste Papst auf Zypern übernachtete dabei in der Pufferzone - bewacht von den UN-Blauhelmen, die erdrückende Realität dieser Region vor Augen. 

Hanns-Jochen Kaffsack

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