Sparmaßnahme: Gemeinde bestattet Arme in der Ferne

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Eine kleine, hochverschuldete Gemeinde lässt ihre armen Bürger in der Ferne bestatten. Die Sparmaßnahme sorgt allerdings für Empörung.

Grevenbroich - Eine kleine, hochverschuldete Gemeinde lässt ihre armen Bürger in der Ferne bestatten. Die Sparmaßnahme sorgt allerdings für Empörung. Im Ort herrscht dafür wenig Verständnis.

Geldnot macht Gemeinden erfinderisch. Weil im Haushalt von Grevenbroich ein Loch von mehr als 27 Millionen Euro klafft, spart die niederrheinische Stadt bei ihren Toten: Für arme Grevenbroicher, deren Bestattung die Stadt bezahlen muss, geht die letzte Reise in ein Krematorium nach Rheinland-Pfalz. Genauer: ins rund 150 Kilometer entfernte Braubach-Dachsenhausen. Dort werden die Toten eingeäschert und beigesetzt. Der Grund: Es ist deutlich billiger als in der nordrhein-westfälischen Heimat.

39 000 Euro Ersparnis bei 26 Toten

In der Grevenbroicher Stadtverwaltung kann man die Kritik am “Leichen-Tourismus“ nicht verstehen. “Die Toten werden der Würde des Menschen angemessen bestattet“, betont Stadtsprecher Andreas Sterken. In einer schönen “Wald- und Wiesenlandschaft“ im idyllischen Taunus würden die sterblichen Überreste beigesetzt. In der Regel seien es Menschen, die keine familiären oder sozialen Bindungen mehr hatten. Niemand werde aber gegen seinen Willen über die Landesgrenze verfrachtet. Falls der Verstorbene vor seinem Ableben in irgendeiner Weise den Wunsch geäußert hat, in Grevenbroich beerdigt zu werden, werde dies berücksichtigt, versichert Sterken.

Bestattungsgesetz für Haushalt ausgereizt

Beim Städte- und Gemeindebund findet man prinzipiell nichts Anstößiges am Grevenbroicher Leichen-Export. Auch der Bund der Steuerzahler NRW (BdSt) hat trotz einiger Bedenken grundsätzlich kein Problem mit dieser Sparmaßnahme. “Es hat natürlich schon ein bisschen ein Geschmäckle“, gibt BdSt-Gebührenreferent Harald Schledorn zu. Dennoch kann er verstehen, dass “die Kommune alle Möglichkeiten, die das Bestattungsgesetz bietet, nutzt, um den kommunalen Haushalt zu entlasten.“ Schledorn fordert Grevenbroich jedoch auf, noch einmal über Einsparmöglichkeiten bei einer Beerdigung vor Ort nachzudenken.

dpa

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