Mit 1.100 km/h in die Zukunft

150 Kilometer in zwölf Minuten? Die Hyperloop-Technik von Elon Musk nimmt Fahrt auf

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Elon Musk will mit seiner Hyperloop-Technik die Welt verändern.

Elon Musk ist so genial, wie er umstritten ist. Seine letzte Fantasie soll die öffentlichen Verkehrsmittel revolutionieren und Passagiere schneller transportieren als Flugzeuge.

Die Rede vom ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zum Transrapid dürfte noch vielen in den Ohren klingen. 2002 lobte Stoiber die Vorzüge der Magnetschwebebahn und einer möglichen Strecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen:

Vom Hauptbahnhof zum Flughafen in zehn Minuten – oder auch nicht

"Wenn Sie ... vom Hauptbahnhof in München ... mit zehn Minuten, ohne, dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen ... am ... am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug. Zehn Minuten."

Aus der Strecke ist nie etwas geworden, aber die Magnetschwebetechnik ist geblieben und Tesla-Gründer Elon Musk will mit ihr die Welt revolutionieren – zumindest die Welt des öffentlichen Nahverkehrs.

Hyperloop: Mit rund 1.100 km/h durch die Röhre

Dafür hat Musk im Jahr 2012 zusammen mit dem Unternehmer Shervin Pishevar die Idee von Hyperloop entwickelt. Aber was ist Hyperloop eigentlich und wie funktioniert das Ganze?

In einem White Paper aus dem Jahr 2013 erklärt der Tesla-Gründer sein Konzept von Hyperloop. Dieses sieht vor, eine Magnetschwebebahn in einer Röhre mit Unterdruck zu befördern. Es funktioniert in etwa wie die klassische Rohrpost, nur werden Menschen in elektrisch angetriebenen Transportkapseln mit rund 1.125 km/h von einer Station zur nächsten gebracht werden.

An der Umsetzung dieser Idee arbeiten unter anderem die zwei Unternehmen Virgin Hyperloop One von Pishevar in Zusammenarbeit mit Richard Branson und Hyperloop Transport Technologies.

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Erste Hyperloop-Tests schaffen es auf 310 km/h

Eine Teststrecke für die Hyperloop-Bahn ließ Musk im Jahr 2016 im kalifornischen Hawthorne bauen. Auf der Strecke können komplette Prototypen der Transportkapseln getestet werden. Erste Tests mit einem Prototyp des Antriebs gab es im selben Jahr in Nevada, USA. Ein Jahr später wurde bei einem Praxistest eine Geschwindigkeit von 310 km/h erreicht.

Ebenfalls im Jahr 2017 veranstalteten Musk und die Texas-A&M-Universität einen Wettbewerb, um Transportkapseln für die zukünftigen Hyperloop-Strecken zu entwickeln. Als Sieger ging das WARR Hyperloop Team der Technischen Universität München hervor. Das Team konnte im gleichen Jahr den zweiten Wettbewerb von Musk gewinnen. Dabei ging es nur um die erreichte Geschwindigkeit. Die Kapsel aus München schaffte damals 324 km/h und toppte den Wert beim dritten Wettbewerb im Jahr 2018 deutlich – die Kapsel wurde dabei auf 467 km/h beschleunigt.

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Mit der Hyperloop-Kapsel 150 Kilometer in zwölf Minuten

Hyperloop steckt noch in der Entwicklung, dennoch werden schon potentielle Strecken geplant. Die erste soll im Jahr 2020 in den Vereinigten Arabischen Emiraten eröffnet werden. Ziel ist es, Abu Dhabi mit Dubai zu verbinden – mit einer Geschwindigkeit von über 1.000 km/hsollen Passagieren die 150 km-Entfernung in nur zwölf Minuten bewältigen.

Auch für Europa gibt es ehrgeizige Pläne. Der Umfassendste sieht vor, Berlin, Leipzig, Nürnberg, München, Stuttgart, Frankfurt am Main, Köln und Hamburg mit einer fast 2.000 Kilometer langen Hyperloop-Strecke zu verbinden. Eine Rundreise würde etwa 142 Minuten dauern. Ob diese Idee je umgesetzt wird, steht in den Sternen.

In Großbritannien wurde eine Strecke zwischen Edinburgh und London vorgeschlagen. Passagiere sollen dann in 50 Minuten zwischen den beiden Städten reisen können. Bisher beträgt die schnellste Verbindung rund 2,5 Stunden mit dem Zug. Musk selbst hat in seinem Konzept eine Strecke in den USA vorgeschlagen. Seiner Meinung nach eignet sich eine Hyperloop-Verbindung zwischen Los Angeles und San Francisco am besten als Pilotprojekt.

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Kritiker bemängeln hohe Kosten und Sicherheit von Hyperloop

Ein Konzept dieser Größenordnung hat natürlich auch seine Kritiker. John Hasman vom MIT International Center for Air Transportation glaubt zwar, dass die Hyperloop-Technik physikalisch machbar, aber extrem teuer sei.

Markus Hecht, Leiter des Fachgebiets Schienenfahrzeuge von der Technischen Universität Berlin, sieht das physikalische Problem der Abwärme als großes Problem sowie die Rettung der Passagiere im Notfall. Andere Experten stellen die Sicherheit bei Erdbeben infrage.

Nur die Zeit wird zeigen, ob die Hyperloop-Technik sich durchsetzen oder ob sie wie der Transrapid in der Versenkung verschwinden wird.

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anb

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